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Anthologie aus den Werken von Ernst Schulze
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75 .

Ja, herrlich ist's, wenn nicht mit BlitzesschnelleEin fremder Geist, von wilder Lust bewegt,

Der heil'ge Strahl im tiefen LebensquelleBewußtlos schon die leisen Schwingen regt,

Und »«erschöpft die reiche Glut und HelleDurch jeden Puls des reichen Herzens trägt,

Wenn jede Kraft, stets wirkend, nie verschwendet,Aus Lieb' entspringt, in Liebe lebt und endet.

76 .

Doch Alles harrt schon lang in süßem Schweigen,Wenn nach und nach die letzte Hülle bricht;

Kaum regt das zarte Laub sich auf den Zweigen,

Die Well« zieht die leisen Kreise nicht,

Die Blumen schaun empor, die Blüthen neigenAus grüner Wieg' ihr Helles Angesicht,

Der Thau verzieht zur Flur hinabzufließen,

DaS Lüftchen weilt, um sie zuerst zu grüßen.

77 .

Und wenn nun früh der Gott in heil'ger StilleAus goldnem Thor den ersten Strahl gesandt,Dann löst auch sie der Hoffnung grüne HülleUnd zeigt verschämt das bräutliche Gewand.Entfesselt strömt des Duftes sel'ge Fülle,

Sie schaut empor, erkennend und erkannt;

Er, der sie früh erzogen und gestaltet,

Er ist's, dem sich ihr reiner Kelch entfaltet.

Ernst Schulze.

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