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Anthologie aus den Gedichten von Ramler, v. Schenkendorf und Neubeck
Seite
139
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IL3S

Jetzo vernahm ich melodisches Rauschen, das leiser und

leiser

Stets sich dem Ohre verlor. Es war das Rauschen der

Bäche,

Die den krystallenen Grotten entsprudelten. Still an dem

Ufer

Stand ich, und sah, wie die Quelle das Salz im Entsteh»

in sich aufnimmt.

Einige glitten dahin, als hätte der Winter mit Froste

Sie bedeckt, und andere zerstäubten im fliegenden Sturze.

Nur ein dämmernder Tag weilt hier. Bom bleicheren Zwie-licht

Sanft beschimmert, entstieg ein Gewölk dem stürzende»

Wasser.

Liebliches Farbenspiel erschien in dem leichten Gewölks,

Zwar kaum sichtbar und matt, doch schön und hehr, wie dem

Vollmond

Gegenüber im braunen Gewölk der regnichten Herbstnacht

Sich mit welkendem Schimmer der farbige Boden erhebet.

Jeglicher Bach spült hier des hell durchsichtigen Salzes

Ab vom Saume des Ufers, das sanft in die Wellen hinab-

schmilzt,

Reißt es mit fort, und trägt es, mit seinem Gewässer ver-einbart,

Zu den lichten Gefilden der Erd' empor, wo sich endlich

Aus dem Schiefcrgebirg sein Quell ergießt, und das kranke

Menschengeschlecht einladet, Genesung und Leben zu schöpfen.

Grauliche Nebel umwölkten den Pfad, worauf ich an

meiner

Hehren Begleiterin Hand jetzt wandelte. Goldene Schimmer,