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Anthologie aus den Gedichten von Ramler, v. Schenkendorf und Neubeck
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Auch mich hat es entzückt, zum schönern würden dich hier

noch

Diese Ruinen begeistern, zum schönern die reizende Gegend.

Schau, dort über der Stadt die Reihe der Traubengebirge,

Wo der schneidende Winzer den sonnigen Felsen yinanklimmt.

Schau, wie ringsumher aus purpurner Ferne der Thürme

Kuppeln, vom Abend beglänzt, herglüh'n, und hier in dem

grünen

Thals der Strom die Bilder der farbigen Wolken zurück-strahlt !

Schau, wie der bläuliche Rauch dort abendlich über dem

Landsitz,

Rings mit Hopfen umpflanzt, zum heitern Himmel empor-

wallt!

Welch' anmuthigeß Hirtengeheg dort winkt dem Naturfreund,

Der hier weilt, und um Wiedergenesung die Nymphe deS

Quells fleht,

Der am Fuhr des Bergs einladet zum heilsamen Bade!

Welch ein Gewühl um den Dom der Najade! Welch ein

Getümmel!

Schau, wie drängt sich der Schwärm der Gesunden und Kran-ken am Eingang

Rings um den Marmor her mit der halbverloschenen In-schrift,

Welche dem Wanderer sagt, daß schon in den Tagen der Bor-

welt

Hier der Gebrechliche wieder empfing daß goldene Kleinod,

Dessen Besitz den Genuß der holden Güter des Lebens

Einzig würzt, und dessen Verlust der Sterblichen letzte,

Letzte Reise zum Lande der nichtigen Schatten beschleunigt.