169
Hymnus an Nemesis.
Nemesis, älteste Göttin, der weltenerhaltenden OrdnungMutter, dem Uebelthäter unsühnbar, aber dem GutenGnädig und hold, dich preist mein Lied. Wo find' ich den
Tempel,
Wo den erbab'nen Altar, der dir, o Hehre, geweiht ist?Ist das Weltall selber vielleicht dein ewiger Tempel?
Und verkündigen dort die leuchtenden Sonncnheere
Deine Gesetze? Verehren die Geister dich über den Sternen,
Wo du geheimnißvoll auch über die Uranionen
Waltest? — Dich anzubeten, mit reinem Herzen, vergönne,
Ehrfurchtwürdige Göttin, dem Sterblichen. Hier in mir
selber,
Hier in des Geistes Tiefen vernehm' ich, heilige Macht, dich.Ja, du bist es, ich ahne die furchtbare Nähe der Gottheit.Siehe, die ernste, gerecht abwägende Nemesis fühl' ichHier in der eigenen Brust. Du bist es, welche dem Men-schen
Zuruft; »Lerne, gewarnt, recht thun, und verachte den Gott
nicht,
Der in dem Herzen dir wohnt.« Muthwillig Frevelnde stürzetDeine Gewalt in den Staub. Graunvoll, wie am heiteren
Himmel
Plötzlich ein Wetter sich wölkt, umfängt den sichern Ver-brecher
»