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Anthologie aus den Gedichten von Ramler, v. Schenkendorf und Neubeck
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Schnelles geflügeltes Weh'. Doch schuldlos leidende Lugen»Reinigest du vor dem Volk, und im Glanz urlauterer SchöneLebt sie, den Himmlischen ähnlich, ihr seliges Leben auf

Erden.

Wer, unschuldig zum Tode verurtheilt, rein von der Sünde,Starb, und stellend vergab den Richtenden, volle Vergel-tung

Harret sein über den Urne» in friedsamen Hainen der Wonne;Denn du führest ihn selbst in Elysium unter dem PäanHochfrohlockender Chor' im Triumph ein. Nemesis richtetUeber die Todten und über die Lebende». Keiner entrinnetIhren verhänguißvollen Entscheidungen. Ernste VergeltungUebt sie geheim, und wacht im Verborgenen lohnend und

strafend.

Schwer büßt jede vermessme Begier dem strenge» Gewissen,Was sie zu sündigen wagt. Zu täuschen vermag ihr den

Blick nicht

Schnöder Verheimlichung Hülle. Die leiseste Spur der Ge-danken

AuSzukunden, erforscht sie das Innerste aller Erschassnen,

Welch ein Opfergeschenk, Untrügliche, ehret dich würdig?Mehr, denn Festhekatomben, gefällt demüthige Sitte,

Mehr die stille bescheidene That der Vergelten» Auge.

Wer mit kindlichem Sinn und geräuschlos wirket das Gute,Legt auf Nemesis reinen Altar den erlesensten Weihrauch.

Dir, rathgebende Göttin, gerad urtheilende, huldigtJede das Leben verschönende Kunst. Dem Geweihten ver-nehmbar

Waltest du ob dem Gesänge der heiligen Musen, bestimmest