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Spaziergänge in den Alpen : Wanderstudien und Plaudereien / von Jos. Vict. Widmann
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Von diesem vergnüglichen Rast- und Standquartier aus habeich ein paar Tage lang Ausflüge in der Stadt und weiter in dieUmgegend unternommen, die ich zu den schönsten meines Lebensrechne. Der Regen hatte nämlich schon bald nach meiner Ankunftin Como aufgehört; die Temperatur aber war so abgekühlt, daßes in jenen Tagen in Como nicht heißer war als in irgend einernordschweizerischen oder mitteldeutschen Stadt zur Sommerszeit.

Zuerst durchwanderte ich die liebeStadt der beiden Pliniusse"nach allen Richtungen; sie ist nicht klein, etwa 25,000-30,000Einwohner. Der herrliche Dom, ganz aus Marmor, und diesüdliche Bauart vieler Häuser geben ihr ein stolzes Ansehen, großeSeidenspinnereien machen sie für den Handel bedeutend; im Hafenliegen eine Menge Schiffe und ringsum sind die Höhen, so weitdas Auge reicht, von zahllosen Villen reicher Leute bedeckt. DasAlles habe ich nicht zum ersten Male gesehen, aber nie so mitMuße, nie so gründlich. Der nach Italien Durchreisende hältsich hier vielleicht zwei, drei Stunden lang auf und eilt dannweiter. Aber nur wer behaglich durch dieses Paradies schlendert,kommt dazu, von allen Früchten des Gartens, oder doch von denmeisten, zu kosten.

Auf einem dieser Spaziergänge durch die Stadt sah ich plötzlichin einer Sackgasse drei Gestalten, die mir bekannt vorkamen.Täuschte ich mich, oder waren diese drei Touristen, die mit sowehmüthigen Gesichtern und so schwer beladen mit Ueberröcken,Schirmen, Mantelsäcken und sonstigem Handgepäck sich dahin-schleppten, nicht meine drei Süddeutschen vom Postwagen? Gewißwaren sie es; der Schwabe hielt ja wieder die Porzellanpfeifeini Munde, aber es kam kein Rauch hervor; sie war ihm aus-gegangen, wie offenbar allen Dreien die Reiselust ausgegangenwar.O Tuttlingen! o Schwarzwald ! o Taunus !" Dassagten diese drei trübseligen Physiognomieen.Wohin wollen Siedenn, meine Herren?" rief ich die scheinbar ziellos Umherirrenden