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Spaziergänge in den Alpen : Wanderstudien und Plaudereien / von Jos. Vict. Widmann
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dafür, daß mein schwäbischer Reisegefährte über diesen Unfug sichein Langes und Breites anstieß. Folgendes die Quintessenz seinerAnsicht:Sehe Sie. Des Gehoimniß, des kenn'ich schoa, warumdem Bettel koi End nit gmacht wird. Des ischt ganz oifach dieDemokrazie. Ihre Lait, wisse Sie, ich moin die Lait, die bei Jhneregiere, sind vom Volk gewählt und mechte um Alls in der Weltbopulär bloibe. Koin Mueth habe sie; sie wage's nit, diese demo-kratische Regierungsräth, dem Bettel scharf auf de Loib z'rucke.Und G'meindverwaltunge wage's erscht recht nit. Aber es isch eSchaud für d'ganze Schwoiz oder wenigstens für de Kanton Bern ."Ich konnte dagegen einwenden, daß es in andern, ebenfalls demo-kratischen Kantonen der Schweiz sich viel besser verhalte, daßz. B. Graubünden den Bettel gar nicht kennt. Im Ganzen aberpflichte ich der Meinung des würtembergischen Staatsanwaltes beiund glaube auch, daß energische Behörden, wenn sie nur wollten,diese zudringliche Belästigung den Reisenden ersparen könnten.

Von andern Nationen sind nur besonders noch einige Süd-franzosen, höchst wahrscheinlich Choleraflüchtlinge, aufgefallen. Siesitzen mehr um die Hotels herum, als die steigelustigen Engländerund Deutschen . Ihnen genügt es, die reine Luft zu athmen, dieSchneegipfel anzustarren und hie und da auszurufen: Ah! welcheHitze es jetzt in der Ebene machen muß!

Natürlich herrscht ein ewiges Kommen und Gehen. Auf demWege von Lauterbrunnen nach Mürren sind mir innert zweierStunden gewiß sechzig Personen begegnet, dabei auffallend vieleDamen. Für letztere ist nun feit einiger Zeit ein recht lustigesVehikel in Mode gekommen, den Berg hinabzuführen. Ein kräftigerSohn der Berge spannt sich vor einen jener Holzschlitten, aufdenen sonst die Fuder Bergheu oder Holz ins Thal gefahrenwerden. Auf dem Schlitten sitzen in der Regel zwei Damen undnun geht's ziemlich schnell und munter den Berg hinab, wobeiallerdings manche Damen oft in eine kleine nervöse Aufregung