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Spaziergänge in den Alpen : Wanderstudien und Plaudereien / von Jos. Vict. Widmann
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Ein Berliner, der imAdler" mein Tischnachbar gewesen,hatte mir etwas vorgefabelt von schauderhaft schlechten Wegen aufder großen Scheidegg .Wenn wir diese Berge bei uns in Nord-deutschland hätten, da sollten Sie sehen, was für Wege hinüber-führen würden." Ich antwortete:Pferdeeisenbahnen." Nunhabe ich den Weg durchaus nicht schlecht gefunden, obschon manihm natürlich den Gewitterregen der letzten Nacht anmerkte. Auchdie andere Bemerkung des Berliners, daß Einem auf dem ganzenWege kein Mensch begegne, ist nicht richtig. So viel ist wohlsicher, daß nirgends so viele Reisende sich begegnen, wie auf demWege nach Mürren . Aber wenn ich mir vergegenwärtige, daßwir unser Zwanzig, die von Grindelwald her am Morgen auf-gebrochen waren, etwa dreißig bis vierzig Personen im Laufe vonfünf Stunden begegneten dabei sehr vielen amerikanischenDamen hoch zu Roß so kann ich das nicht als ganz kleinenVerkehr taxiren. Allerdings bestätigte mir der Wirth im schönenRosenlauibad, wo ich diese Zeilen schreibe, daß in diesem Jahredie Engländer weit weniger zahlreich sich eingefunden haben. Erhat sonst das Hans voll von englischen Familien, die bei ihmWochen lang als Pensionärs leben. Die amerikanischen Reisendensind ihm kein Aequivalent, sie seien keinerichtigen Leute in dieBerge."

Ich könnte eine Vernachlässigung der Rosenlaui-Route seitensdes größern Publikums nicht begreifen. Denn hier erreicht diemalerische Schönheit der Alpeulandschaft wieder einen ihrer Höhe-punkte. Der große Tannenwald, durch dessen Wipfel der mächtigeSchwarzwaldgletscher durchschimmert, oder das herrliche Grünblaudes im obern Theil bedeutend ansetzenden Rosenlaui-Gletschers unddazu der Vordergrund beim Rosenlaui-Bad, der zum Fluß an-wachsende Bergbach, die Tannenwälder, die grünen Matten, dieernsten Felsen das Alles sind Bestandtheile von hundert glück-lichen Gemälden. In der That sitzen auch Maler, meist englische