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Ueber den Entwurf eines Reichs-Eisenbahn-Gesetzes und dessen Unzulässigkeit / von Moriz Mohl
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höhung der in Württemberg sehr niederen Fahrpreise und die in Aussichtstehende Erhöhung eines Theils der Gütersrachten durchaus gerechtfertigt,da der Verkehr nicht verlangen kann, von den Eisenbahnen mit Schadenbedient zu werden. Allein ein weiterer Grund der verminderten Renteder Eisenbahnen liegt auch in der Erweiterung des Netzes über das ganzeLand, wenigstens für jetzt, da die Bahnen auf minder frequenten Linienerst allmälig rentabler werden , wenn Erzeugung, Handel und Verkehrund der allgemeine Wohlstand in den Gegenden an diesen Linien denAufschwung nehmen, mit dem sie zwar vom ersten Jahre an allenthalbensichtlich und handgreiflich beginnen, der aber doch der Natur der Sachenach das Werk von Jahrzehnten und Generationen ist. Was müßte mannun aber sagen, wenn nach der Theorie in den Motiven zu demEntwürfe eines Reichs-Eisenbahn-Gesetzes den rentabeln Hauptliniendes württembergischen Eisenbahnnetzes von Reichswegen durch Conces-sionirung concurrirender Privatbahnen ihre Rentabilität entzogen würde,auf welcher die ganze wirthschaftliche Möglichkeit beruht, das Land miteinem Eisenbahnnetze zu versehen! An Liebhabern zu solchen Privat-bahn-Unternehmungen und an Berliner Gründungsbanken und Bankiers,welche sich dafür interessiren, ist auch hier wie anderwärts kein Mangel.Dieselben führen nichts Geringeres im Schilde, als mitten in dasStaatsbahnnetz ein Kreuz oder einen Stern von Privatbahnen hinein-zuschieben, dessen Stammlinie in der Richtung von Straßburg nachUlm gehend den Staatsbahnen ihren Haupttransit, den auf der Paris-Wiener Linie, entzöge. Auch wären sie so freundlich, den Staat ausdem Stuttgarter Thalkessel hinaus auf seine Kosten, für die Böblin-ger rc. Linie mit 5 Millionen Gulden Aufwand auf die nächste Stationauf der Höhe, Vaihingen a. d. F., bauen zu lassen, und sich dann dortmit einer sogenannten Filderbahn nach Reutlingen oder Urach odernach diesen beiden Städten und von da nach Oberschwaben und derSchweiz anzuschließen, und so den Staatsbahnen östlich und westlich' und südlich den Verkehr zu entziehen. Man kann bei diesen Planen,für welche allerdings Manche nicht aus Geldinteresse, sondern bloßerörtlichen Gründe wegen sich interessiren mögen, sich nicht enthalten, desguten Pater Lamormain sich zu erinnern. Daß die Herren damit bei