Buch 
Ueber den Entwurf eines Reichs-Eisenbahn-Gesetzes und dessen Unzulässigkeit / von Moriz Mohl
Entstehung
Seite
88
JPEG-Download
 

88

einen bedeutenden Reinertrag gewähren und ihn dadurch befähigenkann, seine Forderungen an die Steuerpflichtigen in mäßigen Grenzenzu halten. Diese ungemeinen Vortheile find um so größer, da mit derZunahme des Verkehrs der Ertrag der Eisenbahnen den stets wachsendenStaats-Ausgaben zu folgen geeignet ist.

Ferner und dieß ist nicht der geringste Vortheil der Staats-bahnen wird durch das Staatsbahn-System die ungeheure Corruptionvermieden, welche erfahrungsgemäß in den Staaten mit dem Privatbahn-System im Interesse der Eisenbahn-Gesellschaften und ihrer Verwaltungenin die parlamentarischen Körper und in die Wahlen kommt, wie sichdieß in verschiedenen Staaten gezeigt hat und wie wir es namentlich andem Beispiel von England sehen werden. Unter der Maske von Männern,welche das öffentliche Interesse und das allgemeine Wohl in dieser Fragevertreten, hat man dann, wie wir an diesem Beispiele sehen werden,eine nur allzugroße Menge von Gründern, Eisenbahn-Directoren, Ver-waltungsräthen und Actionären zu Gesetzgebern in eigener Sache.

Und statt einer Verwaltung des Eisenbahn-Netzes eines Landeshat man bei dem Privateisenbahn-System deren eine ganze Masse miteinem unverhältnißmäßig hohen Aufwands für Gehalte von Directoren,Tantiemen für solche und für Verwaltungsräthe u. s. w.

Die Erfahrungen von England auf dem Gebiete der Verkehrsmittelsind in allen diesen Beziehungen so lehrreich, daß es gestattet sein möge,zum Schlüsse noch einen Blick auf dieselben und auf die theils bereitserrungene, theils erst angestrebte Umkehr der britischen Gesetzgebungzum Eintreten des Staates in seinen Beruf auf demselben, und aufden Augiasstall des Actienwesens zu werfen, welchen auf diesem Gebieteauszufegen edle britische Patrioten mit dem herkulischen Muthe undder zähen Ausdauer unternommen haben, die zu den schönsten Eigen-schaften der britischen Nation gehören.