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5,790 erhöht*); die Zahl der Apparate von 1,869 auf 7,542 vermehrt;2,858 Orte, welche vorher keinerlei Telegraphen hatten, mit solchen ver-sehen; statt früher auf 10,852, im Jahr 1873 auf 5,495 Einwohnerder Vereinigten Königreiche und Inseln eine Telegraphenstation herge-stellt ; jede Brieflade und jeder Briefeinwurfstock im Lande auch znm Ein-werfen abzusendender Telegramme bestimmt. Zum Anstragen der Tele-
*) In London allein waren im Jahr 1871, also in dem auf die Uebernahmeder Telegraphen durch den Staat folgenden Jahre, schon nahe an 400 Telegraphen-stationen, meist mit Postämtern verbunden, welche mit der Centralstation verkeh-ren, in der gegen 200 Apparate nur allein für diesen örtlichen Verkehr der Haupt-stadt dienten. Diese Distriktsstationen sind theils durch unter-, theils durch ober-irdische Drähte in Verbindung mit der Centralstation. Allein es wäre gleichwohlnicht möglich, in London und in anderen großen Städten den örtlichen telegraphi-schen Verkehr blos durch Draht-Telegramme zu bewältigen. Deßhalb werden inLondon, Dublin, Liverpool, Manchester, Glasgow und einigen anderen großenStädten Massen der aus Papier gedruckten oder geschriebenen Telegramme je vonder Hauptstation der Stadt durch unterirdische Röhren in gewisse Distriktsstationender Stadt auf pneumatischem Wege geblasen und dadurch eine sonst unbewältig-bare Masse des Telegraphenverkehrs in diesen Riesenstädten mit einer in andererWeise unerreichbaren Schnelligkeit befördert. Der 2stz Zoll dicke Cylinder, in wel-chen die Telegramme für diese pneumatische Reise gesteckt werden, bewegt sich miteiner Geschwindigkeit von 1 englischen Meile in 2 Minuten — 1 deutschen Meilein 9,2 Minuten. Es wäre z. B. in London ganz unmöglich, alle für die Börseankommenden Telegramms von der Centralstation auf die Telegraphenstation inder Börse rechtzeitig zu t e l e g r a p h i r e n, während die Blätter, auf welchen siestehen, mit Leichtigkeit dorthin geblasen werden. Im Jahr 1871 machten dieHerren Siemens und Halske zu Berlin der K. britischen Telegraphen-Verwaltungdie weitere sinnreiche Einrichtung, daß der Cylinder, welcher diese Telegrammeenthält, auf seiner pneumatischen Reise an den (telegraphisch benachrichtigten) Zwi-schenstationen angehalten und von denselben, nach Herausnahme der an sie be-stimmten Telegramme, pneumatisch weiter spedirt werden kann.
Ebenso werden für die Draht-Telegramme von der K. Verwaltung die vor-trefflichsten Apparate, mit steter Prüfung aller Erfindungen und Annahme allesneuesten Besten und für die verschiedenen Anwendungen Tauglichsten angeschafft,und die Staats-Telegraphen-Verwaltung ist viel bereitwilliger, neue Systeme zuversuchen und anzuwenden, als es die Privatgesellschaften waren und vermöge ihrerverhältnißmäßig viel höheren allgemeinen Verwaltungs- und Betriebskosten seinkonnten. Auch in dieser Beziehung hat die Verwaltung des britischen Staats-Telegraphenwesens alle entgegengesetzten Prophezeihungen bureaukratischer Unbeweg-lichkeit und was dergleichen intercsstrte Gemeinplätze waren, zu Schanden gemacht.