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Ueber den Entwurf eines Reichs-Eisenbahn-Gesetzes und dessen Unzulässigkeit / von Moriz Mohl
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Tag und von 100 Worten bei Nacht reduzirt, was zur Folge hatte, daßmanche Zeitung sich 18,000 Worte bei Nacht telegraphiren ließ. Auchkann eine Zeitung, ein Club, eine Zeitungslese-Anstalt oder eine Börsefür 500 Pfund Sterling jährlich einen Draht, wenn ein solcher verfüg-bar ist, während 12 Stunden täglich benützen, was allein 38,000 PfundSterling ( 452,466 st.) einträgt. Bei Uebernahme der Telegraphenauf die Staatsverwaltung bezogen 173 Zeitungen regelmäßige Tele-gramme, 11 Monate später bereits 467 Zeitungen. Die Einnahmender britischen Staats-Telegraphen-Verwaltung im Finanzjahr 1. April1871/72 betrugen 755,000, die Ausgaben 454,477, der Ueberschuß 300,523Pfund Sterling letzterer also weit mehr, als den britischen Staat dieVerzinsung des Kapitals kostete. Und zwar, obgleich die Aktien, als dieAbsicht, sie zu kaufen, bekannt wurde, im Preise plötzlich so empor-schnellten, daß sie zwischen 50 und 100 Prozent über ihrem vorherigenWerthe vom Staate bezahlt wurden.

Die britische Verwaltung hat also die in England bis dahin unüber-windlich gewesene eigennützige Vorspiegelung dortiger Privatinteressen unddadurch irre geleitete Ansicht Vieler, als ob die öffentlichen Verkehrs-Anstalten und die Interessen des Publikums in den Händen eines Hau-fens von auf den Gewinn gegründeten Actiengesellschaften und ihrer dafürangestellten Beamten besser und wohlfeiler besorgt seien, als in denHänden des Staates, dessen natürlicher Beruf das allgemeine Wohl ist,und in der Verwaltung seiner hiefür bestimmten und ausgebildeten Be-amten, im Telegraphenwesen aufs Schlagendste und Glänzendste wider-legt. Von allen Behauptungen der Direktoren der Privat-Telegraphenund anderer Gegner der Uebernahme durch den Staat traf das diame-trale Gegentheil ein.

Dieser großartige Erfolg bei den Telegraphen ist natürlich eine hoch-wichtige Operationsbasis für den edlen Chadwick und für eine Reiheanderer fähiger und unbefangener Sachverständigen, um für das öffent-liche Wohl die gleiche Maßregel im Eisenbahnwesen durchzusetzen. DieErkenntniß, daß dieß eines der größten Bedürfnisse der britischen Nationsei, ist in den staatsmännischen und sachkundigen Kreisen Großbritan-niens nichts weniger als eine neue, und die vortrefflichen Wirkungen