22
Kosen
Fehler, welche bei dem Saphir vorkommen und die auf die Bestimmung des Preises ein-wirken, sind: Wolken, milchartige, halbdurchsichtige Flecken (Chalccdonsleckcn), weiße, glas-artige Streifen, Risse, Sprünge und Knoten, wozu noch zuweilen ungleiche Vertheilung derFarben, Bereinigung mehrerer Farben an einem Stücke und Mangel an Durchsichtigkeit kommen.
Da der Saphir, besonders in seinen blauen und rothen Varietäten, ein sehr beliebter undgesuchter Edelstein ist, so werden nicht nur andere, ihm ähnliche Steinarten untergeschoben, son-dern auch Glasflüsse statt seiner verkauft. Für Rubin werden zuweilen ausgegeben: Spinell,Granat, Hyazinth, rother Quarz, rothgebrannter brasilischer Topas, rother Turmalin; Disthenund Cordierit schiebt man manchmal dem blauen Saphir unter. Vor allen diesen Mineralienzeichnet sich aber der Korund durch seine Härte aus und vor den meisten schon durch sein größeresspeeifisches Gewicht. Durch Glasflüsse ahmt man Rubin und Saphir in der Farbe außerordent-lich täuschend nach, indem man dem Straß (f. b.) Goldoxydul zusetzt, wodurch derselbe ein pracht-volles Rubinrotb annimmt, oder indem man ihn mit 1V a Proc. Kobaltoxyd versetzt, welchesbekanntlich allen Gläsern ein wundervoll reines und tiefes Blau ertheilt.
In der neuesten Zeit hat man namentlich in Frankreich vielfache Versuche gemacht, die reineThonerde krystallisiren zu lassen und auf diese Weise künstliche echte Rubine und Saphire zuerzeugen, Versuche, die im kleinen so vollständig geglückt sind, daß vielleicht nur die Technik dieSache in die Hand zu nehmen braucht, um glänzende Erfolge zu erzielen. Der Edelsteinschmuckwird dadurch allerdings einen Theil seiner Kostbarkeit verlieren, aber von seiner Schönheit undDauerhaftigkeit nichts. Aus diese Weise künstlich dargestellte Rubine und Saphire leuchten mitdemselben Feuer und zeigen dieselbe Härte wie die natürlichen, und der weniger Bemittelte, derheute noch Glasflüsse trägt, kann sich vielleicht schon in wenigen Jahren mit echten Juwelenschmücken. Der große englische Chemiker Davy war der erste, welcher Korund aus der Thonerdedurch die Hitze einer sehr starken Volta'schen Säule darstellte. Später schmolz Gaudin reine Thon-erde im Knallgasgebläse zu einer wasscrhellen, haselnußgroßen Korundkugel, welche im Innerneine Höhlung hatte, deren Wände mit kleinen Krystallen des Edelsteins bedeckt waren. DurchZusatz von färbenden Substanzen lassen sich auf dieselbe Weise wie der farblose Korund auch seineübrigen Arten gewinnen. Am einfachsten ist die von mehreren Forschern ausgeführte DarstellungdeS Rubins, welche Gaudin zuerst ermöglichte, indem er frisch dargestellte reine Thonerde mireiner Lösung von doppelt chromsaurem Kali vermischte und daraus Stücke knetete, welche er inder Knallgasflamme schmolz. Alle bis dahin erhaltenen Krystalle waren aber zu klein, um alsSchmucksteine verwendet werden zu können. Erst Ebclmcn gelang es 1847, indem er das Principder Schmelzung und das der Krystallisation aus Auflösungen zu einem einzigen Processe ver-einigte, etwas größere Krystalle zu erhalten. Das größte Verdienst aber haben sich um die Her-stellung künstlicher Korunde wie auch vieler andern Edelsteine nächst Daubröe die ChemikerSt.-Claire Teville und Caron erworben, welche, allerdings durch ein ziemlich complicirtes Ver-fahren, Krystalle von farblosem Korund, wie auch von Rubin, blauem Saphir und orientali-schem Smaragd von 1 Centimeter (0,42 Zoll sächsisch) Länge darstellten, die auch ziemlich breitwaren und denen nur gewöhnlich die Ticke fehlte. Dieselben waren jedoch immerhin groß genug,um als Schmucksteine verwendet werden zu können.
Köseil, im preußischen Regierungsbezirk Merseburg, unweit Naumburg im freundlichenThale der Saale gelegen, ist eine Station der Thüringischen Eisenbahn und erfreut sich seit denletzten Jahren erst der verdienten Beachtung. Der Ort hat eine gasarme eisen - und glauber-salzhaltige, nicht sehr kräftige Sole, welche einen Kochsalzgehalt von 315 Gran im Pfunde zeigt.Beim innerlichen Gebrauch wird das Wasser meist mit Selterserwasser versetzt getrunken, auchimprägnirt man es wol zu diesem Zweck mit Kohlensäure. Bei der Wirkung des kösener Mineral-wassers ist wol der Eisengehalt nicht ganz außer Acht zu lassen. Man verwendet es im allge-meinen bei den noch weniger intensiven Formen von Skrofulöse, wo es mehr darauf ankommt,ohne den beim Gebrauche kräftigerer Mineralwässer zuerst eintretenden Rückbildungsproceßgleich von vornherein die Ernährung zu heben, und eben hier tritt der Eisengehalt der kösenerSole mit vortheilhafter Nebenwirkung auf. In günstigen Jahren kann man in Kösen auch eineTraubcncur gebrauchen. Die Sole selbst wirkt anregend auf den Appetit, befördert durch ihrenGlaubersalzgehalt die Darmbewegungen, wirkt lösend auf Unterleibsstasen und bringt nachkurzem Gebrauch das Gefühl erhöhten Wohlseins hervor. Skrofulöse Kinder erlangen bald einbesseres Colorit, werden lebhafter und verdauen leichter. Was die Traubcncur (s. d.) betrifft, so läßtsich nicht leicht ein allgemeines Gebrauchsschema entwerfen, da es sehr auf die mehr oder wenigererlangte Reife der Trauben ankommt, welche Zwecke sich am besten durch ihre Anwendung erreichen