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5 (1863) Fünfter Band. Kopal–Ozon
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Kosmos

nirgends,sondern eine nähere Vergleichung der Bewegungen und Bewegungsrichtungen zeigt auch,Laß sie nicht vorhanden sind, und daß die Auskunft, die einige darin zu finden glau en, daßLiefe Centralmafsen dunkel feien, nicht stichhaltig ist. .

Unser Sonnensystem mit seinen Partialsystemen ist eine Monarchie mit Großwurdentragem.Aber schon die Doppel- und vielfachen Sterne sind es nicht mehr in dieser Weise, und weiteraufwärts scheint alles auf eine Republik oder einen Bund von Republiken hinauszulaufen, ieallenfalls einen primus inter pares, aber sonst nichts weiter an ihrer Spitze haben. ieerhalten sich im Gleichgewicht durch gegenseitige Anziehung der einzelnen sehr weit zerstreu enMassen, und nur ein allgemeiner Schwerpunkt, der in der Plejadengruppe zu suchen ist und feinenähere Bestimmung von der Zukunft erwartet, manisestirt sich als dynamischer Mittelpunkt desGanzen. Ein solcher Punkt könnte selbst, ähnlich wie der Schwerpunkt eines Ringes, ganz leersein, ohne daß dadurch das Gleichgewicht gestört wird, indem eine zweckmäßige Vertheilung derMassen dies bleibend zu erhalten ebenso gut im Stande ist.

Wir unterlassen es, hierauf näher einzugehen, und lassen die möglichen, aber noch gänzlichunbekannten Beziehungen unserer Fixsternwelt zu den fernen Nebelflecken und Sternhaufen aufsich beruhen. Genug, daß wir Ordnung und festes Gesetz überall da angetroffen haben, wohinunsere Forschung vorzudringen vermochte, daß wir im ganzen wie im einzelnen Einrichtungengetroffen finden, die den bleibenden Bestand des Ganzen am besten zu verbürgen im Stande sind.Wir müssen hier einer von den Vorkämpfern des Materialismus, insbesondere Büchner, verfoch-tenen Ansicht entschieden entgegentreten. Sie erblicken im Weltenbau nichts als ein zufälligesZusammenballen und ebenso zufälliges Bewegen und meinen, daß nichts darauf ankomme, unddaß die Naturkrüfte unter allen Umständen Aehnliches zeigen werden, als wir im Kosmos erblicken.Die nicht regelmäßige Zu- oder Abnahme der Planetendurchmesser mit dem Abstande von derSonne gilt ihnen als Beweis der Planlosigkeit und des blind waltenden Zufalls. Haben sie diesnäher untersucht? Sind sie den Newton, Lagrange, Laplace, Leverrier auf dem Wege, den dieseForscher anbahnten, gefolgt? Man muß es wol verneinen, wenn man sieht, wie sie den Aecentauf unwesentliche Dinge, auf maschinenartige Abmessungen, auf Uniformiruug und parademäßigeOrdnung legen und das wahrhaft Wesentliche und Entscheidende gar nicht erwähnen. Daß allengrößern Massen eine nahezu kreisförmige Bahn wie eine sehr geringe Abweichung von der Grund-ebene der Bewegungen zugetheilt ist, daß stärkere Excentricitäten und Neigungen nur vorkommenin dem Maße, wie die Körper kleiner und immer kleiner werden, dies ist wahrlich kein Zufall.Daß diese größern secundären Massen, wie Jupiter und Saturn, nicht an das eine oder das andereEnde der Planetenreihe, sondern mehr in der Mitte placirt sind (bei den Mondensystemen findetganz dasselbe statt), ist kein Zufall. Daß, wie wir oben gesehen haben, alle einigermaßen insGewicht fallenden Planeten sich paarweise gruppirt haben und das Verhältniß ihrer Umlaufszeiteneinem einfachen (8 : 13 bei Venus und Erde, 2 : 5 bei Jupiter und Saturn, 1 : 2 bei Ura-nus und Neptun) sehr nahe kommt, und zwar ohne es ganz zu erreichen, ist kein Zufall. Mögendie, welche über solche Dinge abzuurtheilen sich erdreisten, diese Beziehungen gründlich studiren,mögen sie uns durch strenge Rechnung darthun, daß dies alles wegfallen könnte, ohne Verwirrungzu veranlasien, daß z. B. Jupiter auch ebenso gut eine kometenförnrige Laufbahn haben oderzwischen Erde und Mars stehen könnte. Wenn sie dies nachweisen (Notabene nachweisen, nicht blosbehaupten), so kann mit ihnen weiter verhandelt werden; solange dies aber nicht geschieht undstatt-dessen blos einzelne, aus dem Zusammenhang gerissene Aeußerungen eines großen Analystengellend gemacht werden sollen, so lange werden wir unsern wohlgeordneten Kosmos und den, derihn geordnet, nicht hingeben gegen ein Chaos, in dem der Zufall waltet und uns in ein Tohu-Vabohu stürzt. ,

Die Benennung Kosmos hat bekanntlich Humboldt für dasjenige Werk gewählt, an dem erdreißig Jahre mit Liebe gearbeitet und mit dem er von uns geschieden ist. And in der That besitztunsere Literatur kein Werk, welches mit größerm Rechte diesen Namen trägt, wie sehr es auch,nach dem eigenen wiederholten Ausspruch des Verewigten, zwar nicht hinter unsern Erwartungen,wohl aber hinter dem Ideal, daS ihm vorschwebte, zurückgeblieben ist. Ebenso hat Moigno inParis eine von ihm redigirte Zeitschrift so genannt, und wahrscheinlich wird dies Beispiel nochmanche Nachahmung finden.

Kosmisch bezeichnet in obigem Sinne das, was nicht einem einzelnen Weltkörper, z. B. unsrerErde, speciell angehört, sondern einem kosmischen Ganzen. So ist kosmische Bewegung, kosmischeEntfernung, kosmische Materie u. dgl. zu verstehen zunächst im Gegensatz des Terrestrischen. Sosind die Meteorsteine und ihre Bewegung, wie wir jetzt wissen, kosmisch, solange sie sich nicht an