Erscheinung als eine Thatsache hinnehmen und erblicken somit die Entwickelung der bewegendenKraft des Dampfes in der chemischen Verbindung der Kohle mit dem Sauerstoff. Ein anderes,naher liegendes Beispiel wird vielleicht noch besser geeignet sein, da» Wesen dcpen, waS wirStraft nennen, klar zu machen. Bekanntlich üben alle Körper, welche durch eine feste Unterlageunterstützt werden, einen Druä auf dieselbe aus, und diesen Druck nennt man die Schwere derKörper. Infolge dieser Schwere bewege» stch auch alle nicht unterstützten Körper abwärts ^rneiner verticalen Linie, welche, wie bekannt, nach dein Mittelpunkt der Erde gerichtet rst. ^>nfrühern Zeiten mußte man sich damit begnügen, diese Erscheinung unmittelbar aus einer un-bekannten, in dem .Körper liegenden Kraft abzuleiten, über welche man etwas Genaueres nichtangeben konnte. Newton aber drang mit seinem Forscherblicke tiefer in die Erscheinungen derSchwere ein und leitete sie von dem in jeder Materie liegenden Bestreben der gcgensefligen An-ziehung ab (s. Attraction), sodaß man also jetzt nicht mehr zu sagen nöthig hat: der Stein fällt,eben weil er fällt, sondern weil er und die Erde einander anziehen. Kraft heißt also im physi-kalischen Sinne nichts anderes als eine uns unbekannte Ursache, welche unter allen Uinständeneine entweder unmittelbar oder mittelbar wahrzunehmende Wirkung hervorbringen muß. Imgewöhnlichen Leben faßt man dagegen den Begriff Kraft gewöhnlich enger und bezeichnet damitfast nur die bewegenden Kräfte, d. h. solche, die eine sichtbare Bewegung hervorbringen. Inder Naturwissenschaft spricht man außerdem noch von chemischen, elektrischen, magnetischenu. s. w. Kräften.
Es ist für unsern Verstand durchaus unmöglich, sich eine Kraft zu denken, welche nicht aneinen Stoff gebunden ist: daher das in neuerer Zeit so vielfach ausgesprochene und zum Theilnach extremer Richtung ausgebeutete Wort: Keine Kraft ohne Stoff, kein Stoff ohne Kraft. Inder Tbat ist der Träger einer Kraft immer und unter allen Umstünden materieller Natur, sowieauch umgekehrt es kein materielles Theilchen geben kann, welches nicht irgendeine Kraft besitzt.Schon in der philosophischen Aufsasiung dieser Frage gelangt man zuletzt zu kleinsten Körper-theilchen, denen gewisse Eigenschaften anhaften müssen, und diese Eigenschaften können nichtsanderes als Kräfte sein. In der rationellen Naturforschung, welche ihre Lehren nur aus derBeobachtung ableitet, kommt man, wenn man die Materie so weit zerlegt, als es überhaupt mög-lich ist, zur Annahme einer gewissen Zahl von einfachen Stoffen (Elementen), deren jedes eben-falls gewisse unabänderliche Eigenschaften (Kräfte) besitzt. Das Blei, das Silber, das Queck-silber u. s. w., die man bisjetzt als Elemente zu betrachten gezwungen ist, unterscheiden sichwesentlich voneinander; es sind Kräfte, welche die Verschiedenartigkeit ihrer Eigenschaft bedingen.So sehen wir z. B., daß die ersten beiden dieser Elemente im festen Zustande auftreten, dasdritte im flüssigen und das vierte im gasförmigen Zustande. Die Ursachen, welche die Vcrschieden-artigkeit dieser Zustände bedingen, haben wir darin zu suchen, daß im Blei und im Silber diejeder Materie innewohnende Anziehungskraft (Cohäsion) die Abstoßungskraft (Expansion) über-wiegt, derart, daß die Theilchen unter sich einen festen Zusammenhang besitzen. Beim flüssi-gen Quecksilber ist die Anziehungskraft bedeutend geringer geworden, wogegen die Expansionnoch lange nicht groß genug ist, um eine freiwillige Trennung der Theilchen bewirken zu können.Beim gasförmigen Sauerstoff dagegen wird die Anziehungskraft verschwindend klein und dieAbstoßungskraft gelangt zu einer bedeutenden Größe.
Einer andern Art von Kräften begegnen wir bei allen denjenigen Erscheinungen, welche ausdie Wärme zurückzuführen sind. Schon unter gewöhnlichen Verhältnissen ist unser eigener Körperden Einflüssen der Wärme fortwährend ausgesetzt und wir nehmen durch unser Gefühl die Wir-kungen dieser Kraft wahr. In ähnlicher Weise werden aber auch unbelebte Körper von der Wärmebeeinflußt, welche verändernd bald auf das äußere Volumen, bald auf den Aggregatzustand ein-wirkt. Welcher Art diese Kraft ist, die wir mit dem Namen Wärme bezeichnen, darüber läßt sichzur Zeit nichts absolut Gewisses aussprcchen; indessen neigt man doch fast allgemein der Ansichtzu, daß auch die Wärmeerscheinungen schließlich auf eine Bewegung zurückzuführen seien. Inder ältern Physik nahm man einen besondern Würmestofs an, welcher sich in mehr oder wenigergroßen Mengen mit jedem Körper verbinden könne. Da nun aber durch Erwärmung das Ge-wicht eines Körpers nicht zu und durch Abkühlung nicht abnimmt, so sah man sich veranlaßt, denWärmestoss als einen gewichtlofen zu betrachten. Die neuere Anschauung geht dahin, daß injedem Körper gewisse sehr kleine, für uns nicht direct wahrnehmbare Bewegungen (Schwingun-gen) stattfinden, von deren Intensität der Grad der Wärme abhängig ist. Diese sogenanntenMolecularbewegungen (s. Bewegung) würden sich dann unter Umständen in Massenbewegungenumsetzen können, welche durch unsere Sinne direct wahrgenommen werden können; so z. B. dre