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5 (1863) Fünfter Band. Kopal–Ozon
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44
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. 44 Krankenpflege

werden, so bedient man sich, während das Bett zubereitet und mit frischwaschener oder gelüfteterWäsche versehen wird, in derselben Weise eines Sophas oder, kann der Kranke ohne Nachtheiloder Anstrengung sitzen, eines Lehnstuhls. Das Herausheben aus dem Bette geschieht am bestenvon zwei Personen, von denen die stärkere den Oberkörper und das Gesäß, die schwächere dieBeine unterstützt. Im Nothfall kann es auch und bei nicht sehr schweren Kranken von einer kräf-tigen Person geschehen. Man wickelt vorher den Kranken in eine warme Decke, um Verkühlungenzu verhüten, und erhöht, wenn nöthig, auch die Temperatur des Krankenzimmers etwas mehr zudiesem Zwecke. Reinlichkeit und Bequemlichkeit in Rücksicht auf das Bett können am besten ge-wahrt werden, wenn der Kranke auf eine Roßhaar - oder Seegrasmatratze statt auf Unterbettengelagert wird. Wo immer möglich, soll dies geschehen; freilich pflegen langjährige Gewöhnungund Verwöhnung sowie Eigensinn des Kranken nicht selten der Ausführung dieses Rathes unüber-windliche Hindernisse entgegenzustellen. Die Reinhaltung des Körpers des Kranken ist auch inden schlimmsten Fällen durch vorsichtiges Waschen des Gesichts und der Hände oder anderer ver-unreinigter Stellen nicht blos gestattet, sondern geboten. In den meisten Fällen und immer da,wo es gilt, andere Körpertheile als Gesicht und Hände zu reinigen, benutzt man warmes Wasser,während bei manchen fieberhaften Krankheiten (Typhus, Hirnentzündung u. s. w.) das Gesichtmit kaltem Wasier zu waschen ist. Das Rasiren des Barthaars muß in vielen Fällen unterlasienwerden, während das Haar täglich gekämmt werden kann. Nur bei Frauen ist in Bezug aufletzteres oft eine Ausnahme zu machen. Manchmal ist es bei ihnen nothwendig, das Haar sogleichkurz zu schneiden, in andern Fällen kann man sich begnügen, dasselbe in losen Strähnen durchein leichtes Häubchen locker am Kopfe zu befestigen, um es vor allzu großer Verwirrung zu schützen.Von größter Wichtigkeit ist es, den Kranken in einer (nach dem besondern Falle höhern oder nie-dern, aber immer) gleichmäßig temperirten, möglichst reinen Luft zu erhalten. Es sind dies For-derungen, welche allerdings mehrfach günstige Verhältnisse voraussetzen, die nicht immer vor-handen sind, aber bei gutem Willen und Sorgfalt auch unter nngünstigern Umständen wenigstensannähernd erfüllt werden können. Erstlich die Wärme des Krankenzimmers anlangend, so giltals Normaltemperatur durchschnittlich 15° R. Im Sommer kann durch Abschließen des Sonnen-lichts, durch Oefsnen nach dem Schatten oder kühlen Stuben oder Corridoren hingehenden Fen-stern und Thüren, durch Aufstellen flacher, mit kaltem Wasser gefüllter Schalen u. s. w. dieseTemperatur in den allermeisten Fällen leicht hergestellt tverden, und im Winter ist sie durch zweck-mäßiges Heizen ebenfalls ohne Schwierigkeiten zu erhalten. So wie bei den schweren Deckbetten,müssen wir auch hier ganz besonders ernstlich auf den Nachtheil allzu hoher Wärme des Kranken-zimmers aufmerksam machen. Größern Schwierigkeiten unterliegt mitunter und namentlich imWinter die Lufterneuerung und Reinigung. Wir bemerkten schon oben, daß Reinhaltung desPatienten auch im Interesse der Reinhaltung der Luft der Krankenstube liege. Ebenso trägt derfleißige Wechsel der Leib- und Bettwäsche (die aber dann nicht etwa im Krankenzimmer selbst ge-trocknet und gelüftet werden darf) und sonstige Reinlichkeit im Krankenzimmer wesentlich zurConservirung einer guten Luft bei. In dieser Hinsicht ist auch noch davor zu warnen, daßunnöthig viele Personen sich in demselben aufhalten. Aber es reicht dies noch bei weitem nichtaus. Es muß das Krankenzimmer auch täglich unmittelbar mit reiner frischer Luft versorgtwerden. Im Sommer geschieht dies einfach dadurch, daß man ein dem Krankenbett entferntesFenster öffnet und einen entstehenden Zug u. s. w. durch Aufhängen von großen Tüchern oderAufstellen von Bettschirmen unschädlich macht, oder die Fenster eines Nachbarzimmers und dieaus dem Krankenzimmer zu demselben führende Thür öffnet. Im Winter kann allermeist und amzweckmäßigsten nur mit Hülfe eines Nachbarzimmers gelüftet werden, indem man die Luft indiesem erst durch Oefsnen der Fenster erneuert und dann hinreichend erwärmt. Im Nothfalle mußaber auch, wenn dies nicht möglich, dann und wann bei ruhiger, sonniger Luft das Kranken-zimmer direct gelüftet und der Kranke währenddeffen etwas Würmer zugedeckt und in der vor-bezeichneten Weise geschützt werden. Obwol wir oben bemerkten, daß es mitunter im Sommernöthig sei, im Jntereffe der Temperatur der Krankenstube das directe Sonnenlicht (durch Rouleaux,Jalousien u. s. w.) abzuhalten, so sott damit jedoch keineswegs der irrigen, aber ziemlich verbrei-teten Meinung, als müsse ein Krankenzimmer dunkel sein, Vorschub geleistet werden. Allerdingswird in einzelnen Fällen bei Augenkranken, bei nervös Erregten u. s. w. eine Abschwächung desgrellen Tageslichts nothwendig; auch ist es nicht gut und dem Patienten meist nicht angenehm,wenn er direct in ein Fenster sehen muß (ein Uebelstand, der durch andere Lagerung in der Regelleicht zu heben ist), aber im übrigen muß daran erinnert werden, daß die Reinheit der Lust zumTheil durch den unbehinderten Zutritt des Lichts begünstigt, und daß auch der Kranke in den