92 Krystalle
diagonale. Hauptformen dieses Systems sind: n) die monoklinoedrische Pyramide (Fig. 22).Dieselbe besteht aus acht ungleichseitigen schiefwinkeligen Dreiecken und hat sechs Ecken. UnsereFigur zeigt eine spitze Pyramide dieser Art, d. h. eine solche, bei welcher die Hauptaxe längerist als jede der Nebenaxen; ist sie dagegen kürzer als letztere, so erscheint das Prisma zusammen-gedrückt und stumpf. b) Das monoklinoedrische Prisma (Fig. 23) besteht aus vier rhomboidi-schen Seitenflächen, welche oben und unten durch zwei rhombische, zur Hauptaxe geneigte, einan-der parallele Grundflächen begrenzt werden. Diese Grundflächen müssen offenbar dieselbe Formhaben wie der Querschnitt der monoklinoedrischen Pyramide, d. h. es cküssen Rhomben sein. DieDiagonalen dieser Flächen sind den Endaxen parallel, hh ist die Orthodiagonale, kk die Klino-diagonale. o) Combinationen: Fig. 24 zeigt eine häufig vorkommende Combination diesesSystems, welche von drei Arten von Flächen begrenzt ist. Die Flächen rnnr gehören einem mono-klinoedrischen Prisma an, die Fläche l ist parallel mit der Klinodiagonale, und die Flächen kk,welche die Figur nach oben und unten hin schärfen, gehören zu einem Klinodoma, d. h. essind zwei schräg aufgesetzte, mit der Klinodiagonale parallele Begrenzungsflächen.
6) Das diklinoedrische System ist bisjetzt nur an einigen künstlich gebildeten Krystallenbeobachtet worden, weshalb wir es hier übergehen.
7) Das triklinoedrische System unterscheidet sich von dem monoklinoedrischen dadurch,daß alle Axen ungleich sind und alle schief aufeinander stehen. Dieses System zeigt daher den größtenMangel an Symmetrie. Die hierher gehörigen Krystalle sind meistens säulenförmig ausgebildet,und die Längsrichtung derselben wird als Hauptaxe, die beiden andern werden als Makrodiago-nale und Brachydiagonale unterschieden. Auch das trklionedrische System kommt wenig vor undkann^daher ebenfalls füglich Übergängen werden.
In der Krystallographie besitzt man Mittel, um die Winkel, welche die drei Axen miteinanderbilden, oder diejenigen, unter denen sich die einzelnen Flächen schneiden, genau zu messen. Jedechemisch wohlcharaktcrisirte Mineralspccies hat stets eine fest bestimmte Krystallform, d. h. siekrystallisirt immer in einem bestimmten System. Es gibt nur wenige Fälle, wo eine und dieselbeSubstanz in zwei verschiedenen Systemen krystallisiren kann. Solche Körper nennt man dimorph,o. h. zweigestaltig. Andererseits gibt es mancherlei chemische Verbindungen verschiedener Natur,welche dennoch eine und dieselbe Krystallform besitzen; alle solche Körper werden als isomorph(gleichgestaltig) bezeichnet. Die Ausbildung der Krystalle ist ein charakteristisches Zeichen derNatnrkörper, sodah darin ein wichtiges Unterscheidungsmittel derselben liegt, und die Schärfe undGenauigkeit, mit welcher hier die Natur arbeitet, geht so weit, daß die Krystalle einer und der-selben chemischen Verbindung, vorausgesetzt, daß dieselbe nicht dimorph ist, immer dieselben oderwenigstens mehrere Reihen von genau übereinstimmenden Winkeln zeigen. Das Bestreben derleblosen Körper zu krystallisiren ist keineswegs bei allen gleich groß; manche haben es in soausgezeichnetem Grade, daß sie bei der geringsten Veranlassung sofort in Form von Krystallenauftreten; bei andern ist es sehr schwer, Krystalle zu erhalten, und bei noch andern endlich fehltdiese Neigung gänzlich. Körper der lctztern Art nennt man amorph (gestaltlos). Körper,welche stets in wohl ausgebildeten, mit bloßen Augen unterscheidbaren Krystallen auftreten, wer-den vorzugsweise krystallisirte Körper genannt; andere, bei denen man die Krystalle zwarsehen, nicht aber scharf unterscheiden kann, heißen krystallinisch; sind die Krystalle endlich soklein, daß man sie nur mit Hülfe des Mikroskops unterscheiden kann, so spricht man von mikro-k r y st a l l i n i sch e n Körpern.
Die Bildung von Krystallen erfolgt unter verschiedenen Umständen. Bei einigen Körperntritt sie ein, ohne daß der Aggregatzustand derselben geändert zu werden braucht; so geht z. B.der sogenannte amorphe Schwefel, welchen man erhält, wenn man geschmolzenen und stark erhitz-ten Schwefel plötzlich in kaltes Wasser gießt, durch längeres Liegen in krystallinischen Schwefelüber. Dasselbe tritt bei manchen Metallen ein infolge von Erschütterungen und andern äußernEinflüsien; nicht selten zeigen z. B. Gegenstände von Schmiedeeisen, welche eine lange Zeit hin-durch gleichmäßige Stöße auszuhalten haben (Locomotivaxen), nach längerm Gebrauch im In-nern eine vollständig krystallinische Struetur n. s. w. Bei weiteui häufiger aber bilden sich Krystalle,wenn ein Körper aus dem gasförmigen oder flüssigen Zustand in den festen übergeht. DieDämpfe verschiedener Körper, welche die Eigenschaft haben, zu sublimiren (s. Destillation), setzensich dann gewöhnlich in Form ganz kleiner Krystalle ab. So ist der Schnee krystallisirtes Wasser undentsteht, wenn dampfförmiges Wasser plötzlich sehr stark abgekühlt wird. Auch Dämpfe vonSchwefeljod und vielen andern Körpern, mit kalten Flächen in Berührung gebracht, sublimirenkrystallinisch. Beim Uebergang aus dem flüssigen in den festen Zustand muß man unterscheiden,