Landschaftsgärtnerei 179
Wendige Hecken. Wir schlagen wegen der Höhe besonders Weißbuche vor. Ein netter Garten^ser gewährt jedermann Freude, und an vielen Orten Englands ist vor Tische der letzte^daziergang nach der Runde durch Park und Oekonomie diesem gewidmet, gewisiermaßen alsÜbergang zu der beabsichtigten Operation selbst. Man findet ihn gewöhnlich viereckig, und woet ummauert ist, da ist meist die nördliche Mauer zum Vortheil des Spalierobstes etwas aus-gründet , damit dieses die Mittagssonne tüchtig genießt. In Bezug auf die Einzelheiten verweisen'r aus den Art. Garten.
Die Verbindung eines Parks ist natürlich im äußersten Grade wünschenswerth. EineraIten englischen Theorie zufolge ist es pafiend, daß herrschaftliche Gebäude im Mittelpunkt des^nzen Terrains sich finden sollen. Man hat das ehedem so pünktlich befolgt, daß, wie Repton^richtet, ganze Dörfer niedergerissen und anderwärts angebracht wurden, nur um das Schloß^E>t schön im Centrum zu haben — ein gar theueres Vergnügen. Andere wollen, daß die Ein-kuhrt durch den ganzen Park führe und daß das Schloß im tiefsten Hintergrund prange, etwa^ Manche Leute sich ins letzte Zimmer eines langen Quartiers flüchten, damit der Besucher^legenheit habe, durch alle Gemächer geführt, einen Ueberblick über das Ganze zu erlangen,«fjf* ganz angenehm, wenn das gesammte Besitzthum, wie wir es schilderten, von einer Park-te umgrenzt wird und durch sie vom Dorf und landwirthschaftlichen Departement, Scheunen,Fällen getrennt ist. Man nehme zum Walde jene Gehölzarten, auf welche Boden und Lage^weisen, suche möglichste Naturtreue zu erlangen und vermeide vor allem alle kleinliche
^stchung. Nie vergesse man die Rücksicht auf die Aussicht vom Wohnhaus und von der Einfahrt,z Anders schöne Punkte der Umgegend, sobald solche vorhanden, lasse man durch Aushieb sicht-^ werden, aber man verfalle nie in die Rococomanier der sogenannten Sternalleen, die in^linäßjgen Abständen die Aussichten eröffnen, mögen sie interessant sein oder nicht. Bei allen^^hieben aber vermeide man die ganz geraden Gänge oder Schneißen, die das Bild einer^ maße in der Stadt wiederholen. Stets lasse man einzelne schöne Bäume coulissenartig sich vorschie-bt' An den besten Aussichtspunkten bringe man Lauben, Grotten, Ruinen und dergleichen Auf-. ^altsorte an, wie sie eben der Charakter des Platzes erfordert. Man sorge, dem Park selbstH^ eine gehörige Umgürtung, welche Eindringlinge aller Art abhält, eine höhere Gemüth-^ mit zu geben. Die einen ziehen schwere, massige Mauern vor. Diese würden vielleicht mit- E>n alten Schlöffe harmoniren. Leichte, nette Baulichkeiten, ein graciöser Plan des Ganzen( e auch leichte Umzäunungen. Von einzelnen Pfeilern unterbrochene, schief übers Kreuz ge-t(“ e Eisenstäbe oder selbst Pfähle machen einen ebenso netten Eindruck wie ein grobes, über-^fttes Eisennetzwerk, das indessen nur in sehr soliden Gegenden angezeigt sein dürfte. Groß-Parsz laden wol auch dazu ein, eine Abtheilung als Wildgarten, eine andere als Fasanerie^ stwichwn, ja der raffinirte Luxus der Neuzeit fordert womöglich einen zoologischen Garten mitfremdem Gethier. Ohne in Details einzugehen, bemerken wir nur, daß es für erfreulichW ^ e ' e verschiedenen Geschöpfe nahe der Wohnung beobachten zu können. Sinnige BesitzeraU( $ wo es irgendmöglich, ihrem Besitzthum den Stempel des Schönen aufzu-
, cken. Wege werden mit freundlichem Gebüsch oder Alleen umgeben, sterile Hügel mit Wald( et ^, Baumgruppen sind bestimmt, die höchsten Stürme zu brechen, überall zeigt sich das Wir-des feinen Epikuräers. Deutschland und Frankreich sind freilich noch lange keine solche feinenz^vrien der Aesthetik. Wer in kurze»! viel lernen will, der gehe nach England und besuche^s>nd; je ferner von London, um so besser.
hlir ^ Ue Ziemlich schwierige Anforderung ist die, städtische Hausgärten einzurichten. Diesm^nden Gärten der Semiramis findet man jetzt ab und zu in Berlin, aber in großer Pro-3} ° n ' n England. Es läßt sich in der That einiges leisten. Besonders hat man freilich diei)iith! bekämpfen, daß plötzliche Regengüsse mit Macht den mühsam herangebrachten Boden^ wegschwemmen. Man sorge also vorzüglich für eine möglichst hohe Umkantung des Ganzen.
^nreide man alle tiefgründigen Pflanzen und füge sich mit Resignation darein, alleirr ^den nach wenig Jahren erneuern zu müssen. Stadtgärten parterre sind natürlich viel leich-si^'.^bschon die unzähligen Ansprüche der Familie nicht selten mit den Gesetzen der Aesthetik^lchwer vereinigen. Da will die Hausfrau Küchengewächse, die Kinder fordern Obst, die älternq^ 'hnen einen Turnapparat, das Hausmädchen findet es praktisch, die Wäsche darin zu trocknen,fö)Ii t ^ das Ganze erfreulich aussehen. Da bleibt denn so viel zu maskiren übrig, daßÜblich wenig Unmaskirtes bleibt. In anderer Hinsicht sind die Ansprüche freilich vielEbener als in England, denn die Reichsten bei uns haben selten eine Ahnung davon, was
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