206 Leberkrankheiten
für regelmäßige Stuhlentleerung (s- die diätetischen Mittel dieser Art in dem Art. AbführendeMittel), zeitweiliger Gebrauch von Rhabarber, die Anwendung alkalischer Mineralwässer (Karls-bad, Marienbad, Friedrichshall u. s. w.), Molkencuren, regelmäßige, den Kräften und den ursäch-lichen Krankheiten angemessene Leibesbewegung. Bei vollblütigen Personen können auch ' npassenden Zwischenräumen Blutegel an den Aster gesetzt werden.
Die Entzündungen der Leber sind in Rücksicht auf Ausbreitung, Verlauf und Ursachesehr verschiedenartig.
Jede intensivere und in der Lebergegend sitzende oder sich über den ganzen Unterleib ver-breitende Bauchfellentzündung ist von einer Entzündung des Leberüberzugs begleitet. Doch fprettdieselbe meist neben der Hauptkrankheit eine so untergeordnete Rolle, daß eine weitere Beschreibungderselben nicht nothwendig erscheint.
Wichtiger sind die stellenweisen, umschriebenen Leberentzündungen, welche meist zur Ver-eiterung eines Theils des Lebergewebes und zu Absceßbildungen führen. Sie sind in südlichenGegenden häufiger, bei uns jedoch sehr selten. Manchmal werden sie veranlaßt durch heftige Er-schütterungen der Leber, durch einen Schlag, einen Stoß auf dieselbe, oder sie entstehen, indemkleine Gallensteine sich in den Gallengängen der Leber einkeilen; mitunter werden sie beobachtetnach Magen- und Darmgeschwüren, so beim Typhus, bei der Ruhr, bei Eiterungsprocessen imMastdarm und dessen Umgebung. Es kann die Entzündung zurückgehen und der bereits gebit-dete Eiter eintrocknen, oder er kann sich einen Weg nach außen bahnen und sich in den MagcModer Darm (nach vorgängiger entzündlicher Verklebung dieser Organe mit der entzündeten Leber-partie) oder in die Bauchhöhle (mit nachfolgender Bauchfellentzündung) oder auch nach außendurch die Bauchwand (wenn diese mit der Leber verklebte) ergießen.
Die Zeichen dieser Afsection können sein: Schmerz in der Lebergegend,. Vergrößerung derLeber, Gelbsucht, Fieber, Appetitlosigkeit und Erbrechen, Schmerz in der rechten Schulter undLende u. s. w. Kleinere Abscesse werden oft gar nicht erkannt, da sie mitunter nur wenig Symp-tome veranlaffen; größere führen leicht (durch Pyämie, Bauchfellentzündung u. s. w.) zum Tode-Die Behandlung ist anfänglich eine allgemeine und lokal entzündungswidrige (antiphlogistische,s. Entzündung), später bei schlechtem Kräftezustande eine mild stärkende.
Auch die Syphilis, sobald sie allgemein (constitutionell) geworden, kann eine eigenthümlicheForm von Leberentzündung zur Folge haben.
Eine andere Form der Leberentzündung, die immer chronisch verläuft, anfänglich zu einerVergrößerung, weiterhin aber zu einer bleibenden und oft bedeutenden Verkleinerung und knorpel-artigen Verhärtung der Leber führt, ist, in den Hähern Graden wenigstens, von den schwerstenFolgestörungen begleitet: Bauchwassersucht, Waflersucht der Beine, Austreibung des Leibes undinfolge dessen entsprechende Athemnoth, Appetitlosigkeit, Erbrechen, allgemeine Abmagerung (»?'nicht durch die Wassersucht Anschwellungen eintraten), Verfall der Kräfte und schließlich meistqualvoller Tod. Die häufigste Ursache dieser Entzündung und Entartung der Leber bildet derAlkoholmisbrauch (Säufer), daher sie in niedern Ständen (da Branntwein u. s. w. in dieser Be-ziehung nachtheiliger wirkt als Wein) und im Norden vorherrschend häufig beobachtet wird-Außerdem wird sie auch bei Herzkrankheiten und nach schweren Wechselfiebern (MalariasiechthuM,s. Kaltes Fieber und Malariakrankheiten) gefunden.
Ist Alkoholmisbrauch die Ursache, und ist das Uebel noch nicht zu einem hohen Grade ge-diehen, so kann Enthaltung von Spirituoscn und ein diätetisches und medicamentöses Verhalten,wie es bei Leberhyperämie bezeichnet ward, Heilung bringen oder doch wenigstens seinen Fortschritthemmen. In spätern Stadien des Leidens kann meist nur gegen die Folgeübel angekämpft werden,unter denen die Waflersucht mit harntreibenden Mitteln, hochgradige Bauchwassersucht specielldurch Punction (s. Bauchwassersucht) zu behandeln ist.
Eine vierte Form der Leberentzündung stellt eine höchst acute und verderbliche Krankheit dar,bei welcher das Drüsengewebe der Leber bald rasch zerstört, das ganze Organ bedeutend verkleinertund das Leben in den allermeisten Fällen vernichtet wird. Es pflegen dem Ausbruche der auf-fallendern Symptome oft mehrere Wochen lang Störungen des Appetits, Mattigkeit, geringgradigeGelbsucht vorauszugehen, die aber noch in keiner Weise die Nähe der drohenden Lebensgefahrmit Sicherheit erwarten lassen; dann tritt heftiges Fieber, Schmerz in der Lebergegend, BlutbrecheMErgriffensein des ganzen Nervensystems (wie beim Typhus) und meist auch schon in wenige»Tagen der Tod ein.
Zwei wichtige Degenerationen des Lebergewebes, die Fett- und die Speckleber, müssetaus den oben angedeuteten Gründen hier Übergängen werden.