334 Luftschiffahrt
später Zeit. Von den frühern, welche nur darauf gerichtet waren, den Flug der Vogel wirklichnachzuahmen, also mit Flügeln oder Flughäuten u. dgl. der Luft entgegenzuarbeiten, ist abzusehen-Zwar sind dieselben auch in der neuesten Zeit in verschiedenen Formen vorgeschlagen und wiederho ,allein sie mußten eben zu einem unbefriedigenden Resultate führen, weil die Kraft, welche man zMHebung in Thätigkeit setzen konnte, in der That zu gering war. Wenn es sich allein darumbette, die Möglichkeit zu zeigen, daß auf diese Weise z. B. ein einzelner Mensch sich mit Hümeiner sinnreich construirtcu Maschine bis zu einer gewissen Höhe emporheben konnte, so wäreMöglichkeit durchaus nicht zu bestreiten; aber eine größere Strecke Wegs hindurch und nameningegen den Wind auf diese Weise zu durchmessen, dazu würde menschliche Kraft nicht ausreiche"'und Maschinenkraft ist aus den schon angeführten Umständen nicht wohl anwendbar. Aber L ^in der Erreichung des letztem Ziels beruht ja die Aufgabe der Luftschiffahrt; deshalb sind alle Ver-suche vor dem Jahre 1783 in Bezug auf den vorliegenden Gegenstand ünberücksichtigt zu lasst"-In diesem Jahre zeigten die Brüder Etienne und Joseph von Montgolfier, daß ein Ballon ""warmer Luft gefüllt in der Atmosphäre sich zu erheben vermag. Sie construirten einen solch ^von Leinwand, der 650 Kubikfuß enthielt, und ließen ihn zu Annonay steigen. Er erreichte e>mHöhe von etwa 1000 Fuß und fiel 12000 Fuß entfernt wieder zur Erde. Dies war der erl ^größere Erfolg, und man kann sich heutzutage noch lebhaft vorstellen, mit welchem ungeheuer'Enthusiasmus dieses Ereigniß begrüßt wurde. Alle Welt träumte von den großartigsten Umwä -jungen im Verkehrswesen und in der Wissenschaft. Die einen sahen im Geiste schon alle Schk"^bäume und Mauthschranken fallen, die andern hofften mit Zuversicht auf die Erforschung "räthselhaften Vorgänge in der Atmosphäre und unbekannter Stellen der Erdoberfläche. 2" ka>ues, daß die Versuche in kurzer Zeit vielfältig wiederholt wurden. In demselben Jahre noch, weingsMonate später, wurde überdies noch eine neue Art von Luftschiffen construirt, welche nicht mitmer Luft, sondern mit einer sehr leichten Gasart, mit Wasserstoffgas, gefüllt wurden. Diese 3^führte zuerst der Professor der Physik Charles aus, dessen Ballon sich in zwei Minuten zu
einer
Höhe von 2000 Fuß erhob, aber bald wieder zur Erde niedersank infolge eines Risses, den LTaffetumhüllung erhielt. So hatte man, während kurz vorher Luftschiffe noch gar nicht vorhau ^waren, plötzlich in einem Jahre zwei Arten erfunden; die erstem wurden Montgolsieren, ^letztem Charliören genannt, beides zu Ehren,der Erfinder. Anfangs ließ man die Basstnur leer oder höchstens mit Thieren beladen in die Luft steigen; bald aber versuchten es Meipckst /kühne Reisende, sich selbst emporzuschwingen. Pilatre de Rozier war der erste Mensch, welcher Ieinem Ballon anvertraute. Dies war qine Montgolsiöre und erhob sich, an Säulen gehalten^zu einer Höhe von 74 Fuß, in welcher er 5 Minuten schwebend blieb. Zur Erhaltung derwar eine Glühpfanne angebracht. Zum zweiten mal stieg Pilatre de Rozier in Gesellschaft L 'Marquis d'Arlandes frei in die Höhe, durchschnitt die Lust in horizontaler Richtung ^50000 Fuß und kam unversehrt wieder zur Erde. Der Ballon hatte einen Inhalt von 600Kubikfuß, und die gehobene Last betrug 1700 Psd. Bald darauf folgte Charles, welcher e>",^Ballon von 26 Fuß Durchmesser mit Wasserstoffgas füllte und sich von dem Tuilerienplatz^Paris emporhob. Er kam bis zu einer Höhe von 1800 Fuß und sank neun Stunden vonwieder zur Erde. Die Lust zum Luftschiffen nahm begreiflicherweise immermehr zu, und im ^der nächsten zwei Jahre waren etwa 40 Luftschiffahrten von den verschiedensten Personen a _ tl ^ iPführt worden. Die Luftschiffahrer reisten in den Ländern herum und zeigten ihre Künste; 1"mentlich Blanchard, welcher es zuerst unternahm, über den Kanal von England nach 3^"zu segeln (am 7. Jan. 1785). Der Wind war günstig, aber über dem Meere kam der »a ^dem Wasser so nahe, daß Blanchard und sein Begleiter Or. Jefferies alles, selbst ihre ^über Bord werfen mußten, um nicht ins Meer zu gerathen. Indeß kamen sie wohlbeh" ^auf französischem Boden an. Pilatre de Rozier, welcher diesen Versuch wiederholte, verungim^indem er aus einer Höhe von 1200 Fuß herabstürzte und das Leben dabei verlor. AusWeise wurden die Versuche fortgesetzt, und bis' in die neueste Zeit hinein gibt es Luftschiffs^welche der schaulustigen Menge immer wieder das Schauspiel darbieten. Unter den neuernschiffahrern sind namentlich Green und Coxwell bekannt, Mche ihre Fahrten bereits nachdorten zählen. Außer diesen Luftschiffahrten, welche meistens nur zu touristischen Zwecken ^nommen wurden, ist namentlich noch anderer berühmten Fahrten, welche Gay-Luffac in Gest 1 ' |]I(Pilatre de Rozier's am 24. Aug. 1804 und allein am 16. Sept. deffelben Jahreszu gedenken. Bei der letztem erreichte er die Höhe von 7016 Meter, kam also noch 649 --höher als die Spitze des Chimborasso. Er war vom Hofe des Conservatoriums der Künl ^Gewerbe in Paris aufgestiegen und kam nach sechs Stunden bei Rouen wieder zur Erde,