Buch 
5 (1863) Fünfter Band. Kopal–Ozon
Entstehung
Seite
647
JPEG-Download
 

Nahrung oder Nahrungsmittel

647

kernen enthalten. Ihm nahe stehen noch einige andere PflanzenMeime, welche sämmtlich dieEigenthümlichkeit haben, ebenfalls in Dextrin und Zucker umgewandelt werden zu können.

Das Dextrin entsteht nicht blos bei der Verdauung oder künstlichen Behandlung aus denvben erwähnten Körpern, sondern es wird auch in der Pflanze gebildet und bildet einen wesent-lichen Bestandtheil fast aller Pflanzensäfte, woraus schon hervorgeht, daß es leicht löslich ist. Alledie Stoffe, durch welche Stärkemehl in Dextrin umgeformt werden kann, verwandeln auch dasDextrin in Zucker, und wie dieser Vorgang beim Reifen der Früchte nachweisbar ist, so zeigt ersich auch bei der Verdauung des Dextrins im menschlichen Darmlauale-, hier wie dort geht dasDextrin in Zucker über. Nahe verwandt dem Dextrin ist das in manchen Pflanzen vorkommendeGummi. Traubenzucker, Rohrzucker und Milchzucker sind die verschiedenen Zuckerarten, welchevorzugsweise häufig genossen werden. Der Traubenzucker findet sich in sehr zahlreichen Pstan-^nsäften, Rohrzucker seltener in nicht sauern Pslanzensästen, Milchzucker in der Milch, ileßterebeiden Zuckerarten gehen bei Gegenwart von Säuren in Traubenzucker über. Derselbe ent-steht außerdem, wie wir sahen, bei der Verdauung aus Stärkemehl u. s. w., bildet also dasEndglied der Verwandlungen, welche die bisher erwähnten einfachen organischen NahrungsstofseAngehen, und kaun als Hauptrepräsentant dieser ganzen Gruppe von Rahrungsstofsen angesehenwerden. Er bildet zugleich den Uebergang zu den Fetten, insofern er selbst im Organismus inFett umgewandelt werden kann. Daneben aber werden die Fette zahlreich in den pflanzlichenund thierischen geinijchten Nahrungsmitteln aufgenommen. Die wichtigsten Fette sind das Elain,kkHargarin und Stearin.

linier den Säuren, die wir häufiger genießen, steht die Essigsäure obenan, denn sie gibtsnit Wasser vermischt den Essig. Sie ist in frischen Pslanzensästen nicht vorhanden, sondern ent-kohl erst durch Gärung derselben und zwar aus dem dabei entwickelten Alkohol. Die Milch-mure findet sich in saurer Milch, im Sauerkraut und im Fleisch und wird also ebenfalls häufigZenossen. Die wichtigsten Pflanzensäuren sind die Apfelsäure (besonders in Aepfeln und Beeren),^e Citronensäure (am reichlichsten in Orangen und Citronen), die Weinsäure (reichlich in denWeintrauben) und die Kleesäure (im Sauerampfer). Alle diese Säuren kommen außer in denerwähnten Früchten und Pflanzen in sehr vielen andern, nur nicht so reichlich vor; die dreiErsten fehlen in Früchten selten. Sämmtliche erwähnten Säuren sind nur in sehr mäßiger Mengegenossen als Nahruugsstoff zu betrachten, während sie außerdem leicht als Gift wirken können,besonders die Kleesäure.

Wir kommen nun zu der zweiten Gruppe der einfachen organischen Nahrungsstoffe, nämlich^n stickstoffhaltigen, in gewissem Sinne den Hauptträgern der Ernährung. Diese Gruppe be->keht im wesentlichen aus den sogenannten Eiweiß- oder Protemkörpern und gehören theilsorm Thier-, theils dem Pflanzenreich an. Voran steht hier das Eiweiß, wie es sich im Blute^sd in fast allen thierischen Geweben findet und welchem das Hühnereiweiß nahe verwandt ist.dstran schließt sich der thierische Faserstoff, in Blut und Muskeln enthalten, der Käsestoff der^kilch, das im Eidotter enthaltene Vitellin, das Hämatin des Blutes) das Kreatin der Muskeln.Die pflanzlichen Eiweißkörper sind besonders das dem thierischen nahe stehende Pflanzeneiweiß,Kteber, das in den Samen der Leguminosen enthaltene Legumin und das Chlorophyll inIkttnen Pflanzentheilen. Alle diese Eiwcißkörper enthalten neben Kohlenstoff, Wasserstoff, Säuer-est und Stickstoff auch Schwefel und Phosphor und kommen meist mit phosphorsaurem Kalk undNatron verbunden vor. Den Eiweißkvrpern verwandt und wahrscheinlich aus ihnen entstanden istbe t im Knochen- und Bindegewebe enthaltene Knochenleim und der Knorpelleim gewisser Knorpel.^ Durch die Verdauung (s. d.) passend zubereitet gelangen alle Nahrungsstoffe zunächst ins^lut, und aus dem Blute erst ernährt sich der gesammte Organismus. Eine Untersuchung derEstandtheile des Blutes wird uns- also zugleich einen Anhalt bieten zur Beurtheilung dessen,^ wir zu unserer Ernährung nöthig haben. Wirklich finden wir die erwähnten einfachen Nah-^«gsstoffe zu einem großen Theile auch im Blute enthalten, freilich mehr oder minder verändert.^ sehe,, im Blute das Wasser und die Salze, kurz die ganze Gruppe der angeführten anorgani-,^En Nahrungsstoffe; die zweite Gruppe der organischen stickstofslvsen Nahrungsstoffe zeigt sich im^Ellgehalte des Blutes wieder sowie in seinem Zucker, in welchen, wie wir sahen, das Stärkemehl^d die verwandten Stoffe übergehen konnten und welcher seinerseits sich wieder in Fett umwan-Elu konnte; endlich finden wir die Eiweißkörper wenig verändert im Blute ebenfalls vor. Essich nun aber, ob es möglich sei, daß die Stoffe der einen Gruppe sich in die der andern^wandeln, und ob man also nur von den Stoffen einer jener drei Gruppen leben und derMischen Thätigkeit des Organismus eine Umwandelung derselben zu Stoffen der andern Gruppen