776 Orthopädie
dann an einer Stelle ihres normalen Bewegungsbereiches oder außerhalb desselben festgehaltensein. Die bekanntem Formen sind die Hüftgelenkscontractur, wobei das Bein infolge .pgelenksentzündung („freiwilliges Hinken") meist in gebeugter und angezogener Stellung mitBecken verwachsen und somit zum Gehen unbrauchbar ist. Dabei kann der Schenkelkopf l elnormalen Stand in der Pfanne behalten oder infolge „freiwilliger Verrenkung" dieselbe verlas!haben. — Auch im Knie-, Schulter- und Elnbogengelenk kommen nicht selten Contracture« v -ebenfalls infolge von Entzündungsprocefsen. — Andere, uns aber meist nicht offenbare ^6"^haben die Fußcontracturen: Spitzfuß, eine starre Streckhalte des Fußes infolge von Contracder Wadcnmuskeln, und der häufig damit verbundene, aber auch isolirt auftretende Klumpt"^'eine krankhafte Rollung des Fußes um seine Längsaxe nach innen, sodaß der innere Fußra>aufwärts, der äußere abwärts, möglichenfalls in seinem vordem Ende sogar einwärts gerichte ^In allen Körpergegenden können Contracturen bis zu den schlimmsten Formen infolge vVerbrennung auftreten, indem das danach neugebildete Rarbengewebe eine bedeutendekürzung erleidet. , . , t
Nicht durch Zusammenstellung, sondern durch Erschlaffung, der Bänder nämlich und viel ^auch der Muskeln, häufig wol auf Grund vorgebildeter Anlage sehen wir eine andere Klaffe^Misbildungsformen auftreten, deren bekannteste das nach innen geknickte Knie („x-® cl1 ’ '„Bäckerbeine") und der Plattfuß sind, letzterer nicht blos in der Form ein Gegensatz zum Klu>^fuß, indem nicht etwa der äußere Fußrand krankhaft in die Höhe gezogen, sondern der »mdurch Erschlaffung der Bänder gesenkt und in seiner Wölbung verstrichen ist. , . c .
Endlich ist ein nicht seltenes Heilobject des Orthopäden die Lähmung, besonders dienannte „spinale Kinderlähmung", eine in frühem Kindesalter meist plötzlich entstehende Form, wmeist ein oder beide Beine, seltener auch einen Arm betrifft, die Gebrauchsfähigkeit, Ernähreund Temperatur der Glieder ganz bedeutend herabsetzt und die Wohlgestalt und Bewegnnüfähigkeit des Betroffenen in der beklagenswerthesten Weise beeinträchtigt. iet
Die Mittel, deren sich die Orthopädie in ihren Heilbestrebungcn bedient, sind e>llw ^mechanische oder (um diese nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauchs von den mechanische" }unterscheiden) chirurgische oder dynamische. gic
Zu den mechanischen Heilmitteln gehören vor allem die sogenannten Maschinen-wirken durch Stütz, Zug oder Druck. Die Stützung verwendet man z. B. bei Rückgratsven^ ^münzen, indem man den natürlichen Träger, die Wirbelsäule, weil sie diese Verrichtung " llihrem Schaden ausüben konnte, durch künstliche zwischen Achselhöhle und Becken angebr«Stützen wenigstens theilweise ersetzt. Oder wenn die Beine, z. B. infolge von Lähmung, ’Aufgabe zu erfüllen unfähig sind, ersetzt man ihre Tragkraft durch künstliche Stützen. Der ökann zum Zweck der Geraderichtung verkrümmter Körpertheile in der Längs - oder Querst«" ^angebracht werden. Bei Rückgratsvcrkrümmungen z. B. kann man einen Zug anbringen ^Federkraft am Kopf nach oben, durch die Körperschwerc oder ebenfalls Federkraft bei stk's ,Kopf und Schultern nach unten, ebenfalls durch Federkraft bei firirten Schultern undnach der Seite. Entsprechendes gilt von den Gliedern. Der Druck kann immer nur in fl u tRichtung angebracht werden und wird besonders verwandt zur Festhaltung der normalenwenigstens verbefferten Stellung.
Die Maschinenbehandlung wird von manchen Orthopäden als alleiniges Heilmittel 8^-^jcund angewandt, 'von andern als schädlich und unnütz völlig verworfen. Der vorurthe"-^,Orthopäd muh zugeben, daß Maschinen in vielen Fallen gar nicht zu entbehren und durch " ^zu ersetzen sind; er wird aber auch die Ueberzeugung sich nicht nehmen lassen, daß inZeiten allgemein und an einigen Stellen noch jetzt mit der Anwendung der Maschinen g* rMisbrauch getrieben wird, daß sie in vielen, besonders leichtern Fällen ganz entbehrlichverwerflich sind, und daß in keinem Falle die Maschinenbehandlung das alleinige und letzte Mausmachen darf.
Als mechanischen Mittels bedient man sich auch der Schwere des Körpers und verwendet
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selbe, indem man den Körper an seinem obern Ende suspendirt. Das. kann durch die HStütz oder Hang oder durch mechanische .den Körper an Kopf oder Schultern nach oben Koder oben haltende Vorrichtungen geschehen und zwar bei frei hängendem oder von " te"weise unterstütztem Körper. Zum freie» Hange benutzt man das Reck, die Leiter, dieBarren u. dgl. m., zur Suspendirung die Gliffon'sche Schwebe oder lieber die sehr "'u>.-che"Kunde'sche Streckmaschine. Schwere und Druck kommen gleichzeitig zur Wirkung bei der iRückenschwinge, der Rücken- oder Bretleiter, der schiefen Ebene.