Erstes Capitel.
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ihnen, aber der Scharfsinn, durch welchen diese zur vollen Gel-tung gelang, scheint einen Stillstand erlitten zu haben. In derFähigkeit der Nachahmung sind die Chinesen gewiß unübertroffen,doch setzt diese Eigenschaft sie höchstens nur in die Reihe ande-rer Nationen, ohne sie zu befähigen, ihnen in Entdeckungen undCivilisation voranzugehen.
Die erste Einführung von indischen Luxusartikeln, welcheden Alten bekannt wurden, waren von fabelhaften Erzählungenüber die Regionen, welche dieselben erzeugt, begleitet und gabenzu vielen ungereimten Speculationcn Anlaß. Dieser Zustandder Unkunde war ohne Zweifel größtentheils der eigenthümlichenVerfassung von China zuzuschreiben, denn die Chinesen — stetsübermäßig eifersüchtig auf alle andere Völker — hüllten ihreKünste in ein solches Geheimniß, daß die Kunstgriffe, welchedaS Bestreben, dasselbe zu enthüllen, eingab, mehrentheils ver-eitelt wurden, und nur glücklichen Zufälligkeiten verdanken wirdie endliche Entdeckung.
Bei dem hier gemachten Versuch, von der dunkeln Zeitdes Alterthums, bis zur gegenwärtigen, die Fortschritte einesHandels- und Manufacturzweiges zu bezeichnen, so weit dieSeide über die civilisirte Welt verbreitet ist, ist die chronolo-gische Ordnung, so genau es die Natur der Forschung erlaubte,befolgt.
Schon angeführte Gründe lassen eS als wahrscheinlich an-nehmen, daß die Anwendung der Seide den Chinesen in einerviel frühern Zeit bekannt war, als in andern Ländern. Dieschriftlichen Urkunden von China sagen nur: daß die Benutzungder Arbeiten der Seidenraupe daselbst schon 2700 Jahre vorder christlichen Zeitrechnung gekannt und ausgeübt wurde. Dieältesten Autoritäten der Chinesen stellen uns ihre Kaiserinnen,Umgeben von ihren Frauen, dar, beschäftigt mit dem AufziehenUnd der Pflege der Seidenraupe, oder deren Erzeugnisse zu Ge-weben gestaltend. Man schreibt der Kaiserin 8ee-1iNK-8kee,der Gattin des Kosnx-tee, das Verdienst zu, zuerst die Fädender Seidenraupe entdeckt, ihre Cocons abgewickelt und das feineGespinnst zu einem Gewebe benutzt zu haben.
Den Beschreibungen der Alken zu Folge, kam die Seidezuerst aus Serica oder Sereinda» dem Theile von Indien,der jenseit des Ganges liegt. Die Griechen und Römer nann-ten die Bewohner jener entfernten Regionen SereS, und Se-teinda ist wahrscheinlich rine Zusammensetzung von SereS