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Erster Theil.
da ihr ihre Knöchel in den zarten seidenen Strümpfen sehr wohlgefielen, so war es ihr vielleicht nicht unangenehm, daß ihre Da-men die ihrigen in die nicht eleganten und plumpen Tuchstrümpfestecken mußten, weil sich leicht schöner geformte, als die ihrigenhatten finden können.
Heinrich VIII., dieser prachtliebcnde und verschwenderischeFürst, fand noch nicht so erwünschte Gelegenheit, seine Eitelkeitzu befriedigen, als seine Tochter; er mußte für gewöhnlich sichmit Tuchstrümpfen begnügen, denn nur ein seltener glücklicherZufall verschaffte ikm zuweilen ein Paar seidene Strümpfe,zum Gebrauch für Gallatage. Sir Thomas Greshamerwähnt in seiner Schilderung Eduards VI. eines Paares langerseidener Strümpfe, welche er trug und die, wegen ihrer Selten-heit, allgemein beachtet wurden.
Als im Jahre 1585 Antwerpen, nach langem und hart-näckigem Widerstände, von dem Herzoge von Parma, Gouver-neur der spanischen Niederlande, eingenommen ward, wurde dieseStadt zu dreitägiger Plünderung preisgegeben und größtentheilszerstört. Ihr Ruin war ein Todesurtheil für die Niederlandeund die blühenden Manufakturen von Brabant und Flandern.Die Seidcnfabrikanten und die Kaufleute, die mit ihren Fabri-katen handelten, flüchteten nach England, wo sie sich niederlie-ßen und dort die Geschäfte betrieben, denen sie in ihrem Vater-lande einen schon lange bestandenen Wohlstand verdankten. So-wohl durch diesen Umstand, als durch königliche Verordnungenwurden die Seidenmanufacturen in England wesentlich verbes-sert; dennoch wurden noch lange Zeit die ausländischen Zeugeden im Lande erzeugten vorgezogen. Im Jahre 1668 wendetesich der Strom der Mode gänzlich den französischen Fabrikatenzu. Man klagte, daß die Köpfe der Frauen von dem Verlan-gen nach französischen Seidcnhüten wie verdreht wären und jedeMagd dem Könige von Frankreich für diesen Artikel mit derHälfte ihres Lohnes zinsbar wäre.
Diese Vorliebe für fremdes Fabrikat lag nicht in der —mit englischen verglichen — bessern Beschaffenheit der französi-schen; sie Hatte ihren Grund einzig darin, daß sie ausländischwar. So fand schon in jenem vernünftigen Zeitalter ein Vor-zug für das Ausländische statt, wie noch jetzt, obgleich die eng-lische Fabrikation an Güte und Betrag so zunahm, daß mansie als ein unwidersprechliches Beispiel aufstellen kann, wie eine,von fremden Völkery entlehnte Kunst, wozu noch überdies daS