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Zweiter Theil.
Die Perser haben aus Oekonomie die Gewohnheit, die Sei«denraupen, statt mit abgestreiften Blattern, mit den Zweigenzu nähren, im Gegensatz des Gebrauchs in gemäßigten Eli-maten. Wenn die Blätter an den Zweigen bleiben, erhaltensie sich länger frisch, haben einen bessern Geschmack, sind nahr-hafter als die einzeln gepflückten, und die Seidenraupen fressenweniger verwüstend davon, als wenn sie einzeln abgepflückt werden.Wenn man das Maulbeerblatt als Nahrungsmittel beurtheilenwill, ist dasselbe eigentlich, als aus fünf Substanzen bestehend,zu betrachten; diese sind: die feste oder fafrige, die zuckerstoffhal-tige, die harzige, der Wasserstoff und die färbende Substanz.Die beiden letztem und die saftigen Theile kann man nicht alseigentlich zur Ernährung der Raupe beitragend, ansehen; dasInfekt zieht diese besonders aus dem Zuckerstoff; sein Wachs-thum ist in demselben bedingt, und er dient zur Bildung seineranimalischen Theile. Die harzige Substanz löst, nach dem Sy-stem des Grafen Dandolo, sich durch die animalische Organi-sation angezogen, von den übrigen Bestandtheilen des Blattes,klärt sich, und häuft sich in den Seidenbehältern an, die sie all-mählig füllt. Je nachdem nun die verschiedenen Substanzendas eine oder andere mehr oder minder, in dem Blatte enthaltensind, kann der Fall eintreten, daß nur wenig ernährende oderSeide bildende Bestandtheile in einem solchen vorhanden sind.
Damit die Seidenraupe sich völlig entwickelt, muß sie, nachMaßgabe des Nahrungsstosss, dessen sie bedarf, so viel Blatterverzehren, bis diese jenes Maß geliefert haben. Deßhalb ist eswichtig, daß das Insekt solche Blätter erhalte, worin viele er-nährende Theile enthalten sind, da die zu große Masse genösse«ner Blätter dasselbe ermüdet und es Krankheiten aussetzt, dievermieden werden, wenn es die erforderliche Summe des Nah«rungsstoffes aus einer geringern Quantität Blätter ziehen kann,die vielen Zuckerstoff enthalten. Ist dieser aber so überwiegend,daß er die harzige Substanz verdrängt, so wird die Raupe zwargroß und stark, aber sie wird nicht, im Verhältniß dieses Wachs«thums, Seide liefern.
In einigen Gegenden von Italien und Frankreich ist esallgemein gebräuchlich, die Maulbeerblätter nach dem Gewichtauf den Markten zu verkaufen, und diejenigen, welche Seiden-raupen ziehen, versorgen sich oft ganz allein aus dieser Quelle.Der Käufer bedarf dabei Erfahrung und Sachkenntniß, um dieBlatter zu wählen, die von nährender Beschaffenheit sind, und