Sechstes Capitel.
237
mit den Aufzugsfaden begegnen. In diesen Winkel fügt derWeber einen Mcssingdraht ein, und zwar so, daß derselbe durchdie ganze Breite des Stoffs geht, unter den Plüschfaden undüber allen Aufzugsfaden. Wenn die Tretschämel nun in Be-wegung gesetzt und die wechselnden Faden des Aufzugs dadurcherhoben werden, so wird das Webcrschiff geworfen, welches überden Plüschfäden und der niedergedrückten Hälfte des Aufzugsherläuft. Nun wird die Lade gegen den Einschlag geworfen,und damit ist das Verweben der Aufzugs- und Einschlagsfädcnbeendigt, indem zugleich eine Schlinge von den Plüschsadenüber dem Drahte sich gebildet hat. Der Draht, über welchemdieses geschieht, ist auf eine eigenthümliche Weife geformt. Erist auf der einen Seite platt und in dieser befindet sich eine^ Rinne der Länge nach eingeschnitten, deren Lage und Gestalt> der folgende Abschnitt zeigen wird.
Fig. 35. Das Wcberschiff wird zwischen jede Einfügungdes Drahtes dreimal geworfen. Der erste Einfchlagsaden iststärker als die beiden andern, und wenn er durch die Lade an-geschlagen ist, so bewirkt dieses, daß der Draht seine richtigeLage erhält, d. h. mit der abgeflachten Seite nach unten, undseine scharfen Ecken der Zeugwalze zugewendet. zeigt die
dadurch gebildeten Schlingen. Indem man nun ein scharfes In-strument, welches im Englischen trevat heißt, der Rinne und denDraht entlang treibt, werden die Schlingen auf dicbei oobeschriebene^rt zertheilt oder aufgeschnitten und das ganze Sammetweben>st vollendet. Es sind immer zwei Drahte erforderlich, wovonder vordere in dem Zeuge bleibt, wenn der Hintere heraus-Zeschnitten wird, weil sich sonst die Plüschfäden loslösen wür-den, und Alles in Verwirrung gerathen würde. Bleibt aberk'n Draht mit den drei Einschlagsfaden eingefügt und fest anseiner Stelle, so ist der Plüsch dadurch hinlänglich mit dem Ge-webe verbunden, um einem solchen Unfälle zu begegnen. NunWird der frei gewordene Draht wieder eingefügt und, wenn erwieder durch dreimaliges Werfen des Weberschiffs befestigt ist,!° wird der andere Draht losgeschnitten. Diese Abwechselungfortdauernd, bis der Sammet fertig gewebt ist. Der reich-hatte sonst in einem Zoll Stoff 38 Schlingen und Drahte;OH ist dieser Zweig der Scidenfabrikation durch die immerwehr sich steigernde Nachfrage gleichfalls der allgemein gemach-n Verbesserungen theilhaftig geworden, und es werden jetzt indem Zoll Stoff 55 Drahte eingefügt.