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1 (1860) Erster Band. Aachener Bäder - Baryt und Barytsalze
Entstehung
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A.

Äachener Bäder. Schon der Name Aachens deutet auf die dortigen warmen Wässer.Ehemals hieß diese Stadt Ahha, Ach, Aich, d. h. Wasser.Ach" ist ja noch gebräuchlichals Bezeichnung vieler Flüßchen und bekannt als Endsilbe vieler Namen wasserreicher Orte.Die lateinische Benennung Aquisgranum steht aber wahrscheinlich in Verbindung mit derErbauung des uralten Granusthurms, eines der Thürme des ganz nahe bei den Thermal-quellen gelegenen Rathhauses, und mit dem dort gepflegten Cultus des Apollo, genanntOrnnnuz, welcher als eine heilspendende Gottheit an vielen Orten von den Römern verehrtwurde. Noch liegen die Fundamente eines römischen Schwitzbades unter dem Straßenpflasterder Edelstraße verdeckt. Wie der römische Soldat hier seine Strapazen ausschwitzte, so erquicktesich auch der fränkische Kriegsmann im heißen Gemeinschaftsbade des kaiserlichen Palastes. DerSage nach besuchte schon Pipin die Warmbäder Aachens, und nach dem Zeugnisse von Egiuhard,dem Biographen des großen Karl, war es ein besonderes Vergnügen dieses mit den orientalischenGebräuchen bekannt gewordenen Kaisers, in zahlreicher Gesellschaft seiner Freunde und Kriegs-genossen dort zu baden und zu schwimmen. Von dieser Zeit an blieb Aachen ein besuchter Bade-ort, der besonders nach dem großen städtischen Brande (1656) einen europäischen Ruf erlangte.

Die äußerst merkwürdige geologische Formation des aachener Beckens, einer urweltlichenMeeresbucht, wurde sehr sorgfältig, besonders von Dr. Debey, erforscht; aber sie läßt nurerrathen, warum gerade hier zwischen Kalk und Schiefer das warme Element so massenhaft ausder Tiefe heraufsteigt. Doch deuten die nicht weit abgelegenen erloschenen Vulkane der Eifelauf einst stattgefundene gewaltige Zerreißungen der Erdrinde, die sich wol bis in die Sedi-mentärschichten der aachener Gegend erstrecken konnten. Die mittlere Sommerwärme der Luftbeträgt mehr als 17° C. oder 13,«° R. Gegen Nordwinde ist die Stadt durch eine mäßigeAnhöhe geschützt. Ihre freundliche Lage in einem flachen Thalkessel läßt kaum etwas zu wün-schen übrig als einen Fluß und großartigere Gebirgsmassen; doch würden die dem Flusse fol-genden und die von den Höhen herabfallenden kalten Luftzüge nicht passen für einen Badeort, woviele Rheumatische zu verweilen pflegen. Die Meereshöhe beträgt kaum 500 par. F. Da wenigeThermen so niedrig liegen und noch seltener dergleichen Bäder sich in größern Städten befinden,so hat Aachen in dieser Hinsicht sich besonderer Vorzüge zu erfreuen. Die Badehäuser sindräumlich zwar etwas eingeschränkt, übrigens aber sehr zweckmäßig, ja luxuriös eingerichtet. Inihnen sind Wohnungen für die Badegäste, die in nächster Nachbarschaft der Heilwüsser zu lebenwünschen. Die Badebecken selbst find sehr geräumig, höchst sauber aus Marmor gebaut undliegen versenkt, sodaß man auf Stufen in sie eintritt. Ein gemeinschaftliches Baden findet nur^m Armenbade statt. Die Privatbäder liegen theilweise auf der Comphausbadstraße (Rosenbad,Corneliusbad, Karlsbad), theilweise auf dem Büchel oder in dessen Nähe (Neubad, Kaiserbad,Königin von Ungarn, Quirinusbad). Alle diese Gebäude sind städtisches Eigenthum und anBadewirthe verpachtet. Der Pachtertrag wird auf die Unterhaltung der Bäder verwendet.

Mit Ausnahme der Stahlbäder (Neustraße) und der Kaltwasseranstalt (auf der Eich, nahebei der Stadt) werden alle Bäder von Schwefelthermen versehen. Es gibt nämlich zu Aacheneine größere Anzahl solcher Quellen, die aber in Wärme und Mischung verschieden sind. DieDärme einer jeden dieser Quellen ist für Warmbäder und selbst für Dampfbäder mehr alshinreichend. Die wärmste derselben ist die Kaiserquelle; sie erreicht fast 56° C. oder 45° R.Diese Wärme entstammt, wie die Geologen behaupten, einer Erdtiefe von 4 5000 Fuß.Der Andrang der Wassermasse ist so stark, daß keine dieser Quellen durch Pumpen erschöpftwerden kann, und obwol sie wegen ihrer tiefen Lage hoch gespannt gehalten werden, geben sieHaus- und Familien-Lexikon. I. 1