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Encyklopädie der Forstwissenschaft / von G.W. v. Wedekind
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Die Forstwissenschaft.

Bestandtheile. Aus dem Zusammenwirken dieser drei Kategoriecn gehen die ur-sprünglichen Eigenschaften, mit diesen der Einfluß des Bodens auf die Holzar-ten, hervor. Hierbei ist jedoch zu unterscheiden der Boden im engeren Sinne,die erdige Schichte (Bodenkrume), worin die Pflanzen zunächst wurzeln, ur-sprünglich gegeben oder aus der Verwitterung der Gebirgsarten hervorgehend,in verschiedenen Abstufungen des Aggregatzustands vom Stein- und Fels-boden, Gerölle, Grand, Kres bis zur feineren Zertheilung als Sand, Erde,Staub. Die Bodenkrume begreift, was man mit schwankender BegrenzungObergrund" nennt, im Gegensatze zu dem durch die Gebirgs- oder'Erdfor-mation gegebenenUntergrund." Die Beschaffenheit des letzteren (nämlich dieSchichtung der dieBodenunterlage" bildenden, in den Obergrund und selbstüber ihn hervortretenden Fels- und Gesteinsarten, deren Nähe an der Boden-oberfläche, und seine Durchlässigkeit) kommt eben der tiefen Bewurzelung dermeisten Holzpflanzen wegen in Betracht und es ist in dieser Hinsicht (sowie inRücksicht auf Erhaltung der Feuchtigkeit, auf Verwitterung rc.) die senkrechteRichtung der Schichten, im Allgemeinen ein durchlassender Untergrund und eintiefgründiger Boden am günstigsten.

2) Man hat versucht, die Bodencigcnschastcn in mechanische, physische, che-mische und dynamische einzutheilen; sie gehen in einander über; für uns habenvorzugsweise Interesse folgende: s) der Zusammenhang unter den Bodentheilen(Festigkeit, Lockerheit, Zähigkeit, Bündigkeit, Schweres wonach wir festen, zähen,bindenden, schweren, strengen, mürben, lockeren, leichten Boden unterscheiden;b) die Anziehung zum Wasser, das mehr oder weniger leichte Aufnehmen undFesthalten desselben, der Wassergehalt oder die Feuchtigkeit, wonach wir sumpfi-gen, nassen, feuchten, frischen bis trocknen und dürren Boden unterscheiden;o) die Fähigkeit der Aufnahme, des Festhaltcns und der Mittheilung der Wärme,hiernach schwach oder stark in der Wärmeleitiing, kalt, warm, heiß. Diese Ei-genschaften, verbunden mit der chemischen Zusammensetzung, bedingen die Unter-schiede zwischen fettem, magerem, kräftigem, hitzigem, trägem Boden. Die mi-neralischen Bestandtheile (in dem Inbegriff ihres Wirkens diemineralischeBodenkraft") äußern vorzüglich durch ihre Verschiedenheit in vorerwähnten Ei-genschaften, weniger durch das Bedürfniß ihrer Aufnahme als Mittel der Er-nährung (die Holzpflanzen enthalten nur 1 bis einige Proccnt Holzasche oderanorganische Bodenbestandthcile) einen verschiedenen Einfluß auf die verschiede-nen Holzarten, wiewohl die Vcrgleichung der chemischen Zusammensetzung derPflanzenprodukte mit dem Bodengehalte, dieBvdcnstctigkeit" mancher Pflan-zen und die Erfahrungen über Vorkommen und Gedeihen der Holzarten einenspecifischen Zusammenhang ihrer Ernährung mit den mineralischen Bestandtheilendes Bodens nicht verkennen lassen. Je nach dem Vorwiegen eines der mine-ralffchen Hauptbestandtheile unterscheiden wir Sand-, Thon-, Lehm-, Kalk-,Mergel- und Talkboden, nach Umständen auch Eisenboden.

3) Den mineralischen (anorganischen) stehen diejenigen Bestandtheile gegen-über, welche aus Verwesung und Abscheidung organischer Körper hervorgehen,deren Inbegriff wir hier, nach dem darin vorherrschenden Bestandtheile, Hu-mus nennen, und der, vermengt mit erdigen Zusätzen, die Damm erde unddenhumosen" Boden bildet. Der Humus, wie ihn unsere Wälder gewöhn-lich darbieten, besteht neben mineralischer Beimischung (besonders Alkalien)hauptsächlich aus Kohlenstoff, mit welchen! Sauer- und Wasserstoff vereinigt ist,letzterer zu jenem in einem geringern Verhältnisse, als es bei der organischenSubstanz der Fall ist, aus welcher er herstammt. Der Reichthum der Damm-erde unserer Wälder an mildem Humus bestimmt in Verbindung mit angemesse-