Waldbaulehre.
19
ner Tiefe, Lockerheit und Feuchtigkeit (welche Eigenschaften durch den Humusmit befördert werden) hauptsächlich den Grad der Fruchtbarkeit, welcher sich inder Menge der Holzerzeugung in einem gegebenen Zeit- und Flächenraumeausspricht, folglich unsere forstliche Bvdengüte. Wenn auch die Bäume den inihnen enthaltenen Kohlenstoff meistens aus der Luft beziehen und der Ueber-gang des KohlenstossgehaltS als Humus mittelst der Wurzeln in die Pflanzennoch nicht genügend erklärt ist, so zeigt doch die Erfahrung, daß unsere Holz-arten mehr und minder (am meisten Buche, Esche) zu ihrem Gedeihen Humus-gehalt des Bodens erfordern und daß der Humus schon durch Beförderung derLockerheit des Obergrundes, durch seine Anziehungskraft zum Ammoniak, Was-ser u. s. f., sowie durch seine Zersetzung der mineralischen Bodentheile (welcheletztere umgekehrt ihrerseits ähnliche Wechselwirkung auf den Humus äußern)das Ernährungsvcrmögen des Bodens und die Genießbarkeit seiner Stoffe fürdie Wurzeln vermittelt, auch zur Zeit, wenn die Pflanzen keine Blätter habenoder erst sich entwickeln, den zu ihrer Ernährung erforderlichen Kohlenstoff ihnendarbietet. Die Stosse, aus deren Zersetzung der Humus entsteht, rühren zwaranfänglich und nachher noch theilweise auch von andern Pflanzen (z. B. Moo-sen zumal in Nadelhölzern), in vorhandenen Wäldern aber größeren Theilsvon den Bäumen selbst, besonders deren Blätterabfall, her. Die Laub- (Na-del-) und Moosdcckc (überdies als Schutz der Baumwurzeln gegen Kälte undAustrocknen nützlich) und ihre Bewahrung im Walde ist also das wichtigsteMittel zur Erhaltung und Vermehrung der Fruchtbarkeit, der ProduktionSkrastdes Waldbodens. Der Forstmann, außer Stand, sich künstlicher Dungmittel zubedienen, muß sonach den Wald durch den Wald düngen*). In dieserdüngenden Eigenschaft folgen, vom höchsten bis zum niedrigsten Grade, dieHauptholzarten auf zusagendem Boden in folgender Ordnung: Buche, Kiefer,Lärche, Weißtanne, Fichte, Hasel, Hainbuche, Ahorn, Erle, Esche, Sahlweide,Eiche, Aspe, Birke; bei letzterer ist die Eigenschaft gar nicht vorhanden, inunserem Klima bei reinem Birkeubcstande Bodeuverschlechternng zu erwarten.
4) Der Wald macht au den Boden geringere Ansprüche als die Feldbau-gewächse. Man unterschied daher zwischen „unbedingtem" Waldbodcn, wo dieFeldbaugewächse entweder gar nicht gedeihen oder geringeren Ertrag, als dieHolzzucht liefern, und „bedingtem," unter der Bedingung des letzteren den hö-heren Geldertrag, folglich einen noch nicht in diese Betrachtung gehörigen Mo-ment, verstehend. Auch ist fraglicher Unterschied mehr auf den Standort über-haupt, mit Inbegriff von Lage und Klima, zu beziehen, da z. B. in rauhenLagen der beste Waizeuboden keinen Waizen, wohl aber den üppigsten Waldtragen kann und die Waldvegetation im Bereiche der Lage-Kategorie ein denFeldbau völlig ausschließendes Gebiet von größerer Ausdehnung, als im Be-reiche der Boden-Kategorie, hat. Man theilt die Holzarten hinsichtlich ihrerAnsprüche auf mineralische Bodenkraft (namentlich verhältnißmäßigcn Gehalt anAlkalien und alkalischen Erden) und auf Humusgehalt, in „kraftsordernde" undin „genügsame." Beide Kategorien gehen in einander über und nach Maaß-gabe ihrer Kraftforderung folgen die Holzarten etwa in folgender Ordnung:Nothbuche, Wcißtanne, Ulme, Esche, Ahorn, Hainbuche, Eiche, Fichte, Erle,Linde, Hasel, Sahlweide, Lärche, Aspe (Zitterpappel), Birke, Kiefer, dergestalt,daß die letztgenannten meistens zwar auf dem Boden der erstgenannten, nichtaber umgekehrt, gedeihen. Im Grad der Bodenfeuchtigkeit welche die Holzarten
') Man vgl. meinen Vertrag über Erhaltung der Productionskrast des Waldbodens, Seite83 des 33. Hefts meiner Jahrb.