Waldbaulehre.
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4) Bei Ausbruch und Entwicklung der Blätter (Betäubung), bei derBlüthe, bei Bildung und Reife von Frucht und Samen sind außer derArt ihrer Bildung, Jahreszeit und Zeitraum zwischen diesen Erscheinungen vonPraktischem Interesse. Der Ausbruch der Blatter erfolgt im Frühjahre, dasAbsterben sämmtlichen Laubs bei unseren Laubhölzern und der Lärche im Herbste,bei den übrigen Nadelhölzern nur nach 2 bis 4 Jahren, so daß sich gleichzeitigeine 2 bis 3jährige Laubgencration auf denselben befindet, sie darum „immer-grün" sind. Es blühen im März zuerst Erle, Hasel, Aspe, Ulme; im AprilLärche, Busse; im Mai Hainbuche, Eiche, Kiefer, Buche, Weißtanne, Fichte;im Juni Linde. Die Samenreife erfolgt: im Mai bei Aspe und Ulme; imJuni bei denselben (nach Umständen), im August bei der Birke; im Septemberbei derselben, bei Hasel, Ahorn, Buche, Wcißtanne; im October bei Buche undWeißtanne (nach Umständen), Eiche, Linde, Hainbuche, Fichte, Esche, Lärche,Erle, Kiefer (bei dieser jedoch erst im October des zweiten Jahres). Dasnatürliche Ab - und Ausstiegen des Samens von den Bäumen findet bei einigenHolzarten erst später statt, nämlich bei der Esche im November beginnend, Erleim November und December, bei Fichte, Kiefer und Lärche erst im Frühjahrdes nächstfolgenden Jahres. Unter dem zuerst abfallenden „nothreiseu" Samenfinden sich oft viele nicht keimfähige Körner. — Der abfliegende Samen ver-breitet sich am weitesten (nächst Aspe, Sahlweide u. dcrgl.) bei der Birke,nächstdem der Fichte, der Kiefer. Die meisten Holzarten tragen nicht in jedemJahre reisen Samen in genügender Menge, sie folgen in der Frequenz ihrerSamenjahre in folgender Ordnung: Hainbuche, Ulme, Ahorn, Birke, Erle,Esche, Weißtannc, Lärche, Kiefer, Eiche, Fichte, Buche, und man rechnet z. B.bei Buchen im Durschuitte auf günstigem Standorte nur alle 6 Jahre auf einvolles Samcnjahr.
5) Das Vermögen zur nachträglichen Entwicklung und Bildung von Zwei-gen und Wurzeln, nebst dem Neproductionsvermögen (der Fähigkeit zurWiederherstellung beschädigter und Wicdererzeugnng verlorener Theile) bedingtden Wiederausschlag der Stöcke (hiermit den Niedcrwaldbctrieb), den Wieder-ausschlag am oberen Schafte (hiermit die Kopfholzzucht), das Sprossen neuerZweigtricbe (hiermit die Schneidelwirthschast), die Bildung von Wurzeln anSchastthcilen, sobald sie mit Erde bedeckt sind (hiermit die Fortpflanzung mit-telst Stecklingen und Ablegern), sowie das Ueberwallcn entblößter Stellen anAesten, Schaft und Wurzeln 'mit neuer Rinde. Im Allgemeinen nehmen dieHolzarten in diesem Vermögen folgende Rangordnung ein: Weide, Pappeln,Hasel, Hainbuche, Ulme, Erle, Eiche, Ahorn, Esche, Birke, Buche, Lärche, Weiß-tanne, Fichte, Kiefer. Das Vermögen, aus dem Stocke, nach Abhieb desSchafts, wieder anzuschlagen, fehlt chen eben genannten Nadelhölzern, welchedagegen im Ucbcrwallen eine höhere Ordnungsuummer haben; von den Laub-hölzern schlagen nach Wegnahme des Schafts die meisten häufiger und mehrvom Stocke als von der Wurzel aus, Weiden und Pappeln in ziemlich gleicherFrequenz aus Stock und Wurzeln, die Aspe meistens nur an der Wurzel.Dieses Vermögen des Stock- und Wurzelausschlages äußert sich jedoch in genü-gendem Maaße nur während Vorherrschend des Längenwuchses, daher nur,wenn der abgehauene Schaft noch nicht ein gewisses Älter (z. B. bei Weiden10 — 20, bei Pappeln 20 — 25, bei Birke, Erle 30, Esche, Ahorn, Hain-buche, Buche 40, Eiche und Ulme 60 Jahre) überschritten hat und auch derStock nicht älter ist, als beiläufig das Drei- bis Vierfache dieser Zahlen.
6) Die Bäume sind mannigfachen Krankheiten ausgesetzt, welche sowohlörtlich einzelne Baumtheile, als auch den Organismus im Ganzen betreffen.