Waldbaiilehre.
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4) Das bestaiidsweise Verhalten der Holzarten ist ein verschiedenes, jenachdem der Bestand „rein", d. h. aus der nämlichen Holzart, oder „gemischt"(gemengt), d. h. aus verschiedenen Holzarten zusammengesetzt ist. Wenn wir uns klarmachen,' wie wir dahin trachten müssen, Lust und Boden für Hvlzerzeugung jederzeit,auf allen Lebensstuscn eines Bestands, möglichst vollständig in Anspruch zu nehmenund auszubeuten, wie wir demnach auf einer gegebenen Fläche möglichst viele Baum-individuen in möglichst gedeihlichem Wüchse zu erhalten, folglich gegenseitige Beein-trächtigung der Stammindividucn während ihres Lebenslaufs auf das Minimum,gegenseitige Förderung auf das Maximum zu bringen, wie wir die dadurch be-dingten Ausscheidungen lästig oder entbehrlich gewordener Stämme möglichstnutzbar zu machen und am bestimmten Lebensziele des Bestands die größtmög-liche, zugleich werthvvllstc Holzmasse hervorzubringen haben; und wenn wirhiermit die im Vorhergehenden geschilderten Eigenschaften der verschiedenenHolzarten vergleichen: dann erhalten wir den Maaßstab, wann und wie durchBeimischung der schon von Natur dazu bestimmten untergeordneten, gemischtgeselligen Holzarten (§. 4.), übcrdieß aber auch durch Mischung der herrschendenHolzarten untereinander, und durch welches der jeweiligen Altersstufe entspre-chende Verhältniß der Mischung der Waldertrag erhöht werden kann.
5) Das Verhalten der Holzarten zu anderen Gewächsen ist ein gegen-seitiges, indem die Holzarten mehr und minder an sich, nach der Dichtigkeitund dem Verhalten ihres Lanbabfalls, nach ihrer Bestandsstellnng, nach demLust- und Lichtbedürfnisse der anderen Gewächse, deren Erzeugung hindern oderfördern — und indem ihrerseits die anderen Gewächse durch Schutz des Bodensvor Austrocknen (z. B. Moos) oder vor Abschwemmen oder durch Schutz derPflanzen im Kindesaltcr vor zu starker Einwirkung des Lichts, der Hitze, derDürre, des Frosts nützlich oder durch Entziehung der NahrungSthcile des Bo-dens, ungünstige Veränderung seiner Mischung (des Humus) oder des Verhal-tens zum Wasser, Abhalten des Thaues, sowie des Sauerstoffs der Luft, durchHindern der Entwicklung über und in der Erde (in letzterer nach Maaßgabedes Wurzelgeflechts des Unkrauts oder der betreffenden Grasart, mit Umklam-mern der Wurzeln der Holzpflänzchcn rc.) schädlich werden. Bei Betrachtungder Form und Eigenschaften der betreffenden anderen Gewächse läßt sich Nütz-lichkeit und Schädlichkeit eines jeden hiernach leicht bemessen. Die angedeuteteSchädlichkeit tritt um so mehr hervor, je langsamer der Wuchs der Holzartenin der Kindheit ist (z. B. Fichte, Esche) und je mehr der Standort' denWuchs von Gras, Unkräutern rc. befördert.
6) Jnsecten schaden zwar dem Walde nicht oder nur unmerklich durchunmittelbares Verzehren des Holzes, desto mehr aber mittelbar durch Störungseines Wuchses und Veranlassung seines Absterbens. Sie sind in dieser Bezie-hung Nadelhölzern, vorzüglich der Kiefer, nächstdem Fichte, mitunter Lärche undWeißtanne, sehr gefährlich, indem sie (die Käfer und deren Larven) Rinde,Bast, Splint, Mark, Wurzeln, und (die Raupen, Larven und Maden mancherSchmetterlinge und Blattwcspcn) die Nadeln angehen. Auch Laubbölzcr leidenmitunter durch Jnsecten, namentlich Eiche, Esche, Ulme, Aspe. Passend theiltRatzeburg (m. s. dessen Werk bei §. 58.) diese schädlichen Jnsecten in die„Culturverderber" und „Bcstandsvcrderber," je nachdem sie mehr das Aufkom-men junger Pflanzen oder schon erwachsener Bestände gefährden. Dem Fraße(Verbeißen an Blättern und Knospen) und sonstiger Beschädigung (Schlagenbeim Fegen des Geweihes, mehr noch durch Rindcnschälcn) von Wild sind diebetreffenden Holzarten in folgender Ordnung ausgesetzt: Aspe, Sahlweide,Ulme, Linde, Eiche, Hainbuche, Hasel, Ahorn, Buche, Weißtanne, Lärche,