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Die Forstwissenschaft.
Verfahren, ohne jedoch, selbst bei beiden genannten Holzarten, die Verbindungmit künstlicher Verjüngung und nach Umständen selbst den Kahlhieb auszu-schließen, sobald es der Fortschritt der Wirthschaft erfordert oder die vorhinangedeuteten Momente ihm den Vorzug geben; b) für alle anderen Holzartenist, mit Ausnahme der Standorte, welche den Fehmelbetrieb (die Plenterwirth-schaft) oder Uebergänge zu demselben erheischen, die künstliche Verjüngung mitKahlhieb vorzuziehen, ohne jedoch die natürliche Verjüngung, wo die Verhält-nisse sie in Vereinbarung mit der Schlagordnung eben ganz besonders begün-stigen, unbenutzt zu lassen. (M. s. meinen Vortrug Seite 70 rc. des 33. Heftsder neuen Jahrbücher der Forstkunde.)
In einem besonderen Lehrbuche des Waldbaues würde ich das Thema von Nr. 1 des16. einer vorzugsweise ausführlichen Erörterung unterwerfen. Namentlich scheinen mir hierbeizwei Punkte für die Praxis besonders wichtig und der Berichtigung zu bedürfen. Der erstebetrifft die Frage über den Nutzen des Oberstands bei der Saat der Kiefer auf dürrem, mage-rem Standorte, eine Frage, zu deren Bejahung ich geneigt bin. Der zweite bezieht sich auf dieEigenheiten der Buche, besonders ihres Samens und ihrer Pflanzen und auf die Abänderun-gen, welche dieselben, nach Verschiedenheit des Standorts, nicht allein in der Bestandsstellung,sondern auch in der BvLeuzubereitung erfordern. Ich habe diese Punkte zum Gegenständebesonderer Aufsätze gemacht, welche der Leser in dem Mai- und Juni-Hefte des Jahrgangs1847 der allgemeinen Forst- und Jagdzeitung finden wird.
2) Eine Verbindung der Schlagstellung von Oberstand mit Saat ausMenschenhand oder Pflanzung findet statt, wenn der Standort oder die Holzartden Schutz von Oberstand erfordert, die Begründung des Bestands durch natür-liche Verjüngung aber nicht in der gewünschten Zeit, Beschaffenheit und Holzarterfolgen kann.
3) Ueberdieß dienen Saat und Pflanzung zur Ergänzung der nicht binnenwenigen Jahren sich von selbst schließenden Lücken im bereits erzielten Nachwüchse.
4) Der Wicderanbau kleinerer Blößen in schon herangewachsenem Beständewird, wenn voraussichtlich letzterer die jungen Pflanzen verdämmen würde, biszur Verjüngung des ganzen Bestands verschoben, oder nur mit Holzarten vondesto schnellerem Wüchse vollzogen. Auf die Rang- und Zeitsolge des Blößen-anbaues kommen wir übrigens im tz. 73. zurück.
5) Die Pflanzung hat im Allgemeinen den Vorzug vor der Saat: durchden Vorsprung im Alter des Bestands, sichereres'Gerathen, größere Gewaltüber Art, Zahl und Raum der Pflanzenvertheilung (m. s. 8- 23.), über Zeitund Umstände, daher auch den Vortheil des größeren Holzertrags, des leichterenAb - und Zuthuns nach den Zwecken der Nutzung (z. B. in Rücksicht auf Men-gung der Holzarten, aus Gras- und Wcidenutzung), minderen Aufwands fürKulturmaterial und Bodenbearbeitung, — überhieß noch insbesondere auf vielenStellen, wo Saat unthunlich oder mißlich ist (z. B. zur Nachbesserung mehr-jähriger Auswüchse, auf nassem, der Ueberschwemmung ausgesetztem oder aufsehr graswüchsigem Boden, oder wo die Saat vor Verdämmung durch den um-gebenden Bestand nicht aufkommen würde, auf Flugsand u. s. f.). Die Besorg-niß, daß aus Pflanzung hervorgegangene Bestände kein so brauchbares oderwerthvolles Holz liefern, ist bei sorgfältiger Wahl der Pflänzlinge und Aus-führung nicht begründet. Was man hinsichtlich des Wachsthumsgangs und derDurchforstungen gegen die Pflanzung eingewendet hat, gilt nicht bei Wahlganz junger Pflanzen.
6) Die Saat ist also nur anzurathen zur Erziehung der Pflänzlinge undausnahmsweise da, wo es an Pflänzlingen derzeit fehlt oder die Beschaffenheitdes Bodens der Fertigung der Pflanzlöcher zu große Hindernisse entgegen setztoder die Herstellung eines gedrängten (enggeschlosscnen) Bestands bezweckt wird,wo also aus diesen Gründen bei der Pflanzung beträchtlich mehr Kosten ent-