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Encyklopädie der Forstwissenschaft / von G.W. v. Wedekind
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Don den Ncl'cmilchiingen.

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oder eine diese Cultur.zulassende völlig lichte Stellung oder Unterbrechung desHolzbestands voraus, tritt daher in der Regel zur Zeit des Abtriebs uud derVerjüngung ein, und ist überdicß im Allgemeinen dadurch bedingt, daß derStandort landwirthschastlicher Cultur fähig, günstiger Ertrag und Absatz ihrerErzeugnisse uud die erforderlichen Arbeitskräfte vorhanden seien. Ihr laud-wirthschastlicher Vortheil wird erhöht durch die Entbehrlichkeit der Düngung,vermindert aber durch viele Umstände, wie Schwierigkeit der Bearbeitung, größereSanienmenge, geringerer und oft ganz fehlschlagender Ertrag, Nothwendigkeitvon mehr Arbeitskräften rc.

2) Der forstwirthschaftliche Einfluß dieser Nutzung ist zu bemessen nachder Veränderung der Bodenbcschaffcubcit und der Unterbrechung der Holzpro-duktion. Jener ist sowohl aus Gründen der Theorie als auch nach den um-fassendsten Erfahrungen meistens günstig, wenn die landwirthschastliche Zwischen-nutzung, je nach der Bodenkraft, sich nicht über 1 bis 3 Jahre erstreckt;sie kaun nach Umständen lz. B. auf dnrchfilztem Marschboden) zur Zubereitungdes Bodens länger nöthig und kann aus sehr ergiebigem, kräftigem Boden biszu sechs Jahren ohne Benachthciligung der Holzzucht fortgesetzt werden. DerVortheil der Veränderung in der Mischung und mechanischen Beschaffenheit derBodenkrume (der Auflockerung) überwiegt bei Beschränkung der Dauer der land-wirthschaftliche» Zwischennutzung auf die der Bodenkraft vcrhältnißmäßigc Zeitden Nachtheil der Entziehung von Nahrungsthcilen. Unter diesen befinden sichauch solche Stosse, welche nur die Feldbangcwächse, nicht aber die Holzpflanzenbrauchen, also ohne die landwirthschastliche Zwischennutzung unnütz im Bodenverborgen blieben. Eine Unterbrechung der Holzproduction ist vermeidlich(m. s. Nr. 5. und 6.); sie wird im schlimmsten Falle durch vollständigere Aus-beute an Wurzelholz, durch Ersparung an Waldkultnrkosten, größere Sicherheitund das folgende bessere Gedeihen der Holzpflanzeu eingebracht. Das Terri-torium der unter (1) bezeichneten Bedingungen schließt zugleich (oo ipgo!) allend e n Boden und alle d i e Lagen aus, wo die landwirthschastliche Zwischen-nutzung forstwirthschaftlich gefährlich wäre.

Nationalökonomisch ist die Bemerkung wesentlich, daß die erwähnte land-wirthfchaftliche Zwischennutzung ihren Umlauf gleichen Schritts mit dem Holz-»nitricbc hält; der jährliche 'Abgang landwirthschastlicher Zwischennutzung wirddurch jährlichen gleichen Zugang wieder ersetzt. Es wird also eine nachhal-tige neue Quelle der Nahrung uud des Erwerbs eröffnet.

3) Aus dem Umlaufe der 'landwirthschastlichcn Zwischennutzung folgt, daßnur beiläufig bis zu 3 Proccut der Hochwaldfläche im Durchschnitt abwechselndentblößt werden; die bloßgclegte Fläche ist desto kleiner, je höher man dieUmtriebSzeit annimmt, stellt sich in stets anderen Flächen dar; sie dauert imDurchschnitt nicht über 3 Procent des Lebensalters der Holzbeständc, sie über-steigt also weder im Raume noch in der Zeit die Grenzen, auf welche auch o h n clandwirthschastliche Zwischennutzung sich die dann ertrag lose Entblößung inder gewöhnlichen Praxis erstreckt; ja sie ist nicht einmal nöthig oder tritt ingeringer Ausdehnung ein.

4) Die Fruchtffolge bei der landwirthschastlichcn Zwischennutzung hangtvon der Bodenbeschaffenheit, Zeit und Art der Bearbeitung ab, welche uipcrforstwirthlichcr Betrieb eben zuläßt. Darin findet unendliche Mannigfaltigkeitstatt, verschieden namentlich, je nachdem die Fläche völlige Blöße oder noch mitüberstand versehen ist, ferner je nachdem die Holzcultur erst nachfolgen odergleichzeitig in verschiedenen Reihen betrieben werden soll u. s- f- Buchweizen,Kartoffeln, Hafer, Roggen, sind die gewöhnlichen Fruchtarten.