74 Die Forstwissenschaft.
mit Nachweisung ihrer Quellen kritisch zusammengestellt und beleuchtet von G. W. Frhr, vonWedekind, Frankfurt a. M, 1843.
§. K9. Von Aufnahme des Thatbestands.
1) Zm Voruntersuchung muß man sich vor Allem mit des einzu-richtenden Waldes örtlicher Lage, Flächengröße im Einzelnen und Ganzen, mitdem Boden, den vorkommenden Standortsgütcn, mit dem Holzbcstand, derbisherigen Lewirthschaftnng und Schlagführung, soweit thnnlich auch mit demseitherigen Naturalcrtrag und dem daraus im Ganzen und für Hauptnntzung,wie verschiedene Stufen von Zwischennutzung (Durchforstungcn rc.) hervorge-henden Mittelansätzen sim Durchschnitt auf die Einheit des Flächenmaßes) undmit der ortsüblichen Verwendung und Verwerthung des Natnralertrags, denPreisen, wie Absatzverhällnifsen, bekannt machen.
2) Die Aussonderung der Flächen und Bestände, sich anrei-hend a,l die Jnvcntarisirung des Realbestands (§. 65.) und an das Ordnender Wege und Schneißcn (§. 51.) hat zum Zwecke, die Zusammensetzung desWaldes nach Verschiedenheit von Betriebsart, Holzart, Alter, nach Umständenauch Standorts- und Bcstandsgüte, im Walde durch Bezeichnung der örtlichenGrenzen dieser Verschiedenheiten zu unterscheiden, die Flächenausdehnung derletzteren zu messen und zu kartiren. Die hiernach gebildeten sorstwirthschaft-lichen „Abtheilungen" und „Untcrabtheilniigcn" müssen also in Beziehungauf jene Kategoriecn von Verschiedenheiten in sich möglichst gleichartig sein.Sie werden mit ihren Flächen a) specificirt in einem Grundvcrzeichnisse, d) zu-sammengestellt in einer Uebersicht des Flächeninhalts lGcneraltabelle), worinfür die vorkommenden Betriebs- und Holzarten (oder Hvlzartcmuischungen),für Blößen, für Schncißen und Wege, für andere von der Holzcrzcngung aus-geschlossene Flächen, eben so vielerlei hiernach übcrschriebenc Spalten gezogensind, deren Summen die summarische Zusammensetzung des Waldes ergeben,e) nach den Altersstufen der vorkommenden Holzbestände in eine Altcrsclassen-tabelle (im Hochwald gewöhnlich von 20 zu 20, im Niederwald von 5 zu 5Jahren) geordnet. Im Hochwalde von stufcnweisem Abtriebe (m. s. §. 03.)theile man die jüngste Klasse in zwei Unterspalten, nämlich mit und ohneOberstand. Für Schlagrichtung und Ertrag bilden Alter der Bestände undFlächenausdehnung der Altersklassen, die Altersklassentabelle daher die wichtigsteGrundlage zur Beurtheilung des wirthschastlichcn Zustands, wobei jedoch beierheblichen Verschiedenheiten in der Standorts- und Bestandsgüte auch diesemit in Betracht kommt und eine Redaction der „bonitirtcn" Flächen nach demVerhältnisse, in welchem die concrete Standortsgüte zur normalen (d. h. zuderjenigen, welche die Majorität der Fläche einnimmt oder welche man zumMaßstab — i wählt) steht, räthlich wird.
3) Die vorerwähnte Bonitirung besteht also in der Begutachtung desVerhältnisses der Distriktsabthcilungen hinsichtlich ihres Holzcrtragswerths zueinander und hat, außer dem vorhin erwähnten Zwecke der Flächenreductionauch den, nach dem begutachteten Bonitätsgrade die entsprechenden Ertrags-ansätze anzuwenden. Der Bonitätsgrad bezicht sich datier in der Regel aufdie Standortsgüte, als Inbegriff der bleibenden und ständigen örtlichenFaktoren des Holzertrags (m. s. §. 1. Klima, §. 2. Lage, §. 3. Boden), dieStandortsgüte ist insofern gleichbedeutend mit „Ertragsfähigkeit," die demStandorte eigenthümliche Fruchtbarkeit in Beziehung aus Holzzncht und nachdem Quotienten zu bemessen, welchen die Summen der Zwischen- und Haupt-nutznng von Entstehung des Holzbestands bis einschließlich zu dessen angcmesse-