25
Zweckes brachte man — nach Rau — folgende Mittel inAnwendung:
Durch Verbote oder ansehnliche Zölle soll die Einfüh-rung fremder Fabrikwaaren und die Ausführung inländischerRohstoffe verhindert werden. Durch die letztere Maßregelwill man die Ausländer nöthigen, statt des Rohstoffes diefertige Waare daraus, zu kaufen, ebenso wie man den inlän-dischen Fabrikanten die Lebensmittel dadurch wohlfeil ma-chen wollte. Dagegen wurde die Ausfuhr von Fabrikwaa-ren und die Einfuhr von rohen Stoffen freigegeben unddurch Prämien besonders begünstigt. Die Ausfuhr vonGold und Silber war ganz untersagt. Neue Gewerbszweigewurden auf die verschiedenste Weise unterstützt, Handelsver-träge mit andern Staaten abgeschlossen, und Handelsgesell-schaften durch Privilegien ermuntert, neue Handelsverbindun-gen! anzuknüpfen. Gleichzeitig strebte man nach Colonien,um dadurch den Waaren des Mutterlandes Abzug und sichselbst einen vorthcilhaften Handel mit Colonialwaaren zuverschaffen').
1) Joh. Bapt. Colbert, geb. 1619 gest. 1683, war fran-zösischer Finanzminister. Er faßte, um die steten finanziellenBedürfnisse zu befriedigen, den Gedanken, Fabriken und Han-del in Schwung zu bringen und so den allgemeinen Wohlstandzu erhöhen.
2) Rau I. c. S. 32, auch findet sich dort eine umfassendeLiteratur. — Staatslexicon Bd. X. Art. Mercantilsystem. —Schmitthenner i. c. S. 8-1.
3) In neuerer Zeit ist List zum Theil aus das Handels-system zurückgegangen und hat namentlich in den FabrikländernDeutschlands vielen Beifall gefunden, indem er das Fabrikwe-seni weit über den Landbau erhebt und den Zollschuh als die