Vorrede zur achten Auflage.
Zweck dieses Abrisses der Geschichte ist zunächst der, den Schülern eine, nach Anhalt und Form angemessene, Ueber-sicht des ganzen Gebietes der Geschichte in die Hände zu geben, in welcher das Auge sich leicht zurecht finde, und dasGedächtniß zweckmäßige Haltpunkte habe; welche also bei allen Wiederholungen und Gedächtniß-Uebungen in der Schulezum Grunde gelegt werden kann; zugleich so eingerichtet, daß daS Ganze mit leeren Blättern durchschossen werden kann,aus welchen der geübtere Schüler das Ausführlichere nachtragen und Lücken ausfüllen mag.
Der vollständige Geschichts-Unterricht auf Gymnasien dürfte am zweckmäßigsten in drei Kursus zerfallen, in deren jedemdas ganze Feld der Geschichte durchmessen wird. Der erste giebt, nach den nöthigen Vorkenntniffen aus der Länder- undVolker-Kunde, eine Uebersicht des ganzen geschichtlichen Feldes, doch so, daß er nur die eigentlichen Höhenpunkte heraushebtund sie durch lebendige Schilderung der handelnden Personen und Völker, und Veranschaulichung der Zeiten und Länder,der jugendlichen Phantasie möglichst nahe bringt, ohne auf die minder bedeutenden Mitglieder Gewicht zu legen. Indem erso den Sinn und die Theilnahme für die Geschichte erweckt, versieht er auch das Gedächtniß, durch Einübung eines einfachenhistorischen Gerüst's, mit den nöthigen Haltpunkten. — Der zweite Kursus verfolgt im strengeren Zusammenhange dieGeschichte der wichtigsten einzelnen Völker, vorzüglich der Griechen, Nömer und Deutschen . Der dritte endlich, für diebeiden obersten Klassen, giebt eine Universal-Geschichte der älteren und neueren Zeit, mit tieferen Blicken in das Innerederselben, so daß Religion, Wissenschaft, Kunst, Verfassung, Erfindungen u. s. w. hier ihren gebührenden Platz finden, undauch die übrigen neueren Völker, außer den Deutschen , näher beleuchtet werden. Daß die Behandlung dem Standpunkteder Schule angemessen seyn müsse, darf nicht erst erinnert werden.
In der ersten Gestalt hatte der gegenwärtige Abriß vorzugsweise die beiden erstgenannten Unterrichts-Stufen im Augeund lieferte die Geschichte der alten wie der neuen Welt in fortlaufender Reihe der Begebenheiten und Zahlen, ohne, wiedie meisten ähnlichen Hülfsmittel,, die Geschichte einzelner Völker synchronistisch neben einander zu stellen. Durch dieNebencinanderstellung tritt das vorzüglich Merkwürdige und allgemein Eingreifende für das Auge und die Auffassung desLernenden nicht genugsam hervor. Ich zog deshalb die Aufeinanderfolge vor, machte in der alten Geschichte die Griechenund nachher die Römer, und in der neuen die Deutschen , zur Hauptsacke, und schob das Wichtigste aus der Geschichte derübrigen Völker abwechselnd dazwischen. Für den Hauptzweck einer leichten Uebersicht und des leichten Einprägens in dasGedächtniß schien mir diese Anwendung die angemessenste zu seyn.
Allein für die Schüler der beiden obersten Klassen, die das Faktische bereits in einer allgemeinen Uebersicht fest innehaben müssen, gab der frühere Abriß doch nicht genug. Sie bedürfen auch eines Uebcrblickcs des Gleichzeitigen; sie müssenferner, außer der deutschen Geschichte, auch die der übrigen neueren Völker im Zusammenhange übersehen können; und inder alten Geschichte verlangen sie ebenfalls eine genauere Angabe der einzelnen Entwickelungen, sowohl im Innern der Staaten,als in ihren gegenseitigen politischen Verhältnissen. Diese genauere Entwickelung ist das Eigenthümliche des dritten historischenKursus. Dieses praktische Bedürfniß, wie es sich durch die fortschreitend verbesserte Methode des historischen Unterrichts inden Gymnasien immer bestimmter gezeigt hat, bewog mich, schon der 6ten Auflage dieses Abrisses eine synchronistischeTabelle der europäischen S ta aten-G eschi chte seit der Theilung des karolingischen Reiches hinzu-zufügen, und da dieses den Wunsch hat laut werden lassen, daß aus ähnliche Weise auch die alte Geschichte behandeltwerden möge, so habe ich jetzt eine synchronistische Tabelle derselben, von der Gründung Roms bis zumUntergänge des weströmischen Kaiserthums, ebenfalls beigegeben. Die frühere und die zwischen den Jahren ü?6und 8si8 liegende Periode der Weltgeschichte halte ich der synchronistischen Behandlung, wenigstens für den Zweck der Schule,nicht so bedürftig.