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Zweiter Band.
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Kabel oder Kabeltau nennt man auf See-schiffen ein Untertan von 12—24 Zoll im Umkreise;die Taue von weniger als 12 Zoll werden Anker-seile genannt. Jedes solches Tau besteht aus 3,zuweilen auch aus 4 schwächeren Tauen oder Kar-d eelen; diese aus 3 Strängen oder Duchten, vondenen jeder aus 3 Schnüren zusammengedreht istund jede Schnur enthält so viel einzelne Fäden alserforderlich sind, um dem Tau die vorgeschriebeneStärke zu geben. Die stärksten Taue enthalten gegen2000 einzelne Fäden. Jedes Ankertau ist 120 Klaf-tern oder Faden laug, und diese Länge nennt mandaher beider ohngefährenBestimmung geringer Ent-fernungen auf der See eine Kabellänge.

Kabelung oder Kavelung, s. Kaveling.

Kabliau oder Kabeljau, gemeiner Kab-liau, Oaäus morrhua, eine Art Schellfisch,welcher meist 2—4 Fuß lang und bis 20 Pfd. schwerwird, auf dem Rücken aschgrau mit gelblichen Flecken,auf dem Bauche weiß von Farbe ist. Er lebt in allennördlichen Meeren, hauptsächlich zwischen Europaund Nordamerika, theils einzeln, theils und zwarbesonders in der Laichzeit und zwischen 40 und 00"nördlicher Breite, in großer Anzahl beisammen.Man hat in dem Körper eines Weibchens 3—4 Bkill.Eier gezählt, woraus sieb die große Anzahl dieserFische, trotz der ungeheuren Menge, welche jährlichdavon gefangen und von größeren Fischen verschlun-gen werden, mehr als hinreichend erklärt. Der Kab-liau ist ein Raubfisch uud nährt sich von kleinerenFischen, Krabben und Seegewürm, verschluckt aberauch Eisenstückchen, Glaskorallen und dergl. DieLaichzeit ist vom Januar bis zum März, und zu dieserZeit kommt er besonders an die Küsten und auf dieSandbänke, während er sich außerdem mehr in derTiefe des Meeres aufhält. Er findet sich dann be-sonders an den Küsten von Neuenglaud, Neufund-. land und den nahe gelegenen großen Sandbänken insolcher Menge ein und liegt so dicht im Meere, daßMan mit einem Dreizack oft mehrere auf einmaldurchbohrt. Außerdem aber findet er sich auch häufigan den Küsten von Norwegen, Island, den Färöer-,vrkadischen und Shetlandsinseln, und in geringererMenge in der Nordsee, an den Küsten von England,Schottland, Frankreich rc. Am stärksten wird derFang von den Engländern, Nordamerikanern undFranzosen an der Küste der den ersteren gehörendenNordamerikanischen Insel Neufundland und auf denin der Nähe derselbe,: gelegenen großen Sandbänkenbetrieben, welche zwischen 20 und 90 Faden unterdem Wasser liegen. Er ist für diese Nationen nichtallein wegen des unmittelbaren Werthes des Pro-duktes von Wichtigkeit, sondern auch weil er vieletausend Menschen beschäftigt, und hauptsächlich weil

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er die beste Pflanzschule für gute Seeleute ist, indemdabei alle Gefahren des Meeres überwunden werdenmüssen. Die Vereinigten Staaten schicken dazu 1500,England und Canada 1000 und Frankreich 3—400Fahrzeuge; die französischen Schiffe allein sind mit11,000 Matrosen bemannt und es gehören dazuaußerdem noch 200 Küsten- und Transportfahrzeugemit 2000 Mann. Früher war Frankreich fast allemim Besitz des Fanges, der ihm Matrosen für seineganze Marine lieferte und fast ganz Europa mitStockfisch versorgte; seit den Traktaten von Utrechtim I. 1713 und von Verviers 1785, und seit derAbtretung von Canada, an England, hat Frankreichaber nur noch das Recht der Fischerei auf den östlichenund westlichen Bänken der Insel Neufundland unddarf am Lande keine Wohnhäuser, sondern nur offeneHütten und Schuppen zum Einsalzen der Fische er-bauen. Außerdem besitzt es zwar die kleinen InselnSt. Pierre uud Miquelon, bei denen ebenfalls vielgefischt wird; aber dies sind nackte Felsen, denenAlles, selbst Brennholz zugeführt werden muß. InFolge dieser Umstände kann Frankreich auch die Con-currenz der Engländer und besonders der Nordame-rikaner nicht aushalten. Die Fischerei der Ersterenwar früher viel bedeutender als jetzt, denn im Jahre1814 wurde für 2,800,000 Pfd. Sterl, jetzt aber nurfür 7—800,000 Pfd. Fische und Thran von Neu-fundland ausgeführt. Den amerikanischen Fischer-fahrzeugen erlaubt England nur, sich der Küste bisauf 3 Meilen zu nähern, was schon oft und erst inder neuesten Zeit Gelegenheit zu Streitigkeiten ge-geben hat, die indessen auch jetzt keinen kriegerischenAusgang nehmen werden, da beide Nationen rechtwohl wissen, daß sie einander nicht entbehren können.Die zum Fischfang verwendeten Schiffe haben ge-wöhnlich einen Gehalt von 90—150 Tonnen und20—50 Mann Besatzung. Aus den europäischenHäfen segeln sie Anfang April in großen Flotten ab,welche aus der Ferne einem ungeheuren Fluge Mö-ven gleichen, und sobald sie an Ort und Stelle an-gekommen sind, werden sie abgetakelt und zum Fangevorgerichtet. Dieser geschieht meist mit Angelschnü-ren , von denen eine Anzahl an ein Tau gebundenfind, das ins Meer gelassen wird, und an die manentweder kleine Fische, Krebse und dergl. als Köder,oder auch, da der Kabliau nach allen glänzendenDingen schnappt, Muschelschalen, Glaskorallen,rothe Tuchlappen und von Blei gegossene Fische be-festigt. Zuweilen werden jedoch auch Stechnetze an-gewendet. Ein Boot kann in einem Tage 4—600Fische fangen und bringt oft in 2—3 Wochen eineLadung von 5—6000 Stück zusammen. Auch bildetdie Fischerei fast die ausschließliche Beschäftigung der70,000 Einwohner der Insel Neufundland, und die