Kabliau 2 Kabliau
Hauptstadt St. Johns ist die Hauptniederlage dafür,weshalb der große Hafen derselben fast mit lauterGerüsten zum Trocknen und Einsalzen der Fische um-geben ist. Die Holländer betreiben den Kabliaufangnn den Küsten von Island und England, besondersauf der Doggersbank unweit der Küste von Iork-fhire, und an ihren eigenen Küsten; Belgien, meistvon Ostende aus. ebenfalls theils an den.eigenenKüsten, theils in den eben genannten Gewässern. InNorwegen wird der Fang hauptsächlich bei denLofoddeninseln und an den Küsten der Stifte Bergenund Drontheim betrieben, und den meisten Handelnüt Stockfisch hat die Stadt Bergen. Der Haupt-fang findet dort schon im Februar und März statt.Der norwegische Kabliau wird an Güte dem vonNeufundland vorgezogen, was theils in dem dazuverwendeten Salze, theils in der Sorgfalt bei derBehandlung seinen Grund haben soll. Den gefan-genen Fischen wird zuerst der Kopf abgeschnitten,dann reißt man ihnen den Bauch auf, nimmt dieEingeweide heraus und schneidet den unteren Theilder Hanptgräte aus. Hierauf legt man die Fischebreit, mit der Haut nach unten, schichtweis in Ton-nen und bestreut sie dann mit Salz. In diesem läßtman sie mehrere Tage liegen, je nachdem die Witte-rung günstig ist oder nicht, wäscht sie dann rein abund legt sie entweder in Haufen übereinander, oderbreitet sie bei heller Witterung mit der Haut nachunten auf Hürden oder Vteinen aus; gegen Abendund wenn Regen einfällt, wendet man sie um undläßt sie überhaupt so lange liegen, bis sie halb ge-trocknet sind. Dann werden sie einige Tage lang in14—15 Fuß hohe Haufen gebracht, damit sie in eineArt Gährung kommen, hierauf getrocknet, nochmalsübereinander gelegt und endlich völlig getrocknet.Der auf diese Art bereitete trockene Fisch heißt Stock-fisch, und der beste und zarteste, den man für dasMännchen hält, wird Lingard genannt; derblosgesalzene und in Tonnen gepackte heißt Laberdan(von der Stadt Aberdeen, wo man ihn zuerst aufdiese Art bereitete) oder g rün er Kab lia u. Wennder Fisch nur vom Halse bis zum After, der näheram Kopfe als am Schwänze sitzt, aufgeschnitten undauch die Gräte nur in dieser Länge herausgenommenist, wobei der Fisch seine runde Form behält, sonennt man ihn Rund fisch; wird er ganz aufge-schnitten und Platt gelegt, so heißt er Flach fisch,Plattfisch, oder wenn er groß ist, Breitfisch;derjenige, welcher zum Trocknen aufgehängt worden,heißt Hängefisch, der ausgebreitet, auf Klippen rc.getrocknet wurde, Klippfisch. In Norwegen nenntman die verschiedenen Arten des Kabliau im Allge-meinen Torsk (Dorsch) oder Krey; der gemeineKabliau, der den eigentlichen Stockfisch gibt, heißtLaartorsk, und von diesem unterscheidet manwieder eine größere, stärkere Art mit dickerem Kopf,unter dem Namen Heringsdorsch, und eine klei-nere mit spitzigem Kopf, welcher Skrei genanntwird. Er wird entweder eingesalzen und in Tonnenverpackt und heißt dann Galtet Torsk (gesalzenerDorsch), oder er wird ohne weiteres an der Luft ge-trocknet, welcher Tärfisk heißt, oder zuerst gesalzenund dann getrocknet, was am häufigsten geschieht,und dann heißt er Klipp fisch. Von dem Tärfiskunterscheidet man wieder Rotskiär oder Roth-scheer und Rund fisch; zu dem ersteren nimmtnran die stärksten und fettesten Fische, die man, damitsie besser trocknen, ganz aufschneidet und breit legt,worauf man sie auf Gestellen an der Luft trocknet;!
sie werden dann auch Flachfisch genannt. Diebeste Sorte desselben heißt Höckerfifch. Die mage-ren Fische schneidet man nicht ganz auf, so daß sieihre Gestalt behalten, und nennt sie daher Rund-fisch oder auch vorzugsweis Stockfisch; die fettenund dicken würden auf diese Art nicht gehörig aus-trocknen, sondern verderben. Der Tärfisk wird aufdiese beiden Arten nur in den nördlichen Gegendenzubereitet, wo die scharfe, trockne Luft den Fisch ge-hörig austrocknet, was in den südlicheren Gegenden,bei Bergen rc. nicht möglich sein würde. Der GaltetTorsk wird, nachdem er ausgenommen, in zweiStücke getheilt und mit Salz in Tonnen geschichtet,und entweder so ohne weiteres versandt, oder wiederabgewaschen, ein wenig getrocknet und dann wiedermit wenig Salz in die Tonnen gepackt; der auf dieletztere Art bereitete wird dem ersteren vorgezogen.Der Klippfisch, wozu ebenfalls nur große und fetteFische genommen werden, wird anfangs ebenso be-handelt, und nachdem er 2—3 Wochen im zweitenSalze gelegen, auf Felsen und Klippen längs derKüste getrocknet; dann legt man ihn auf Haufen zu-sammen und beschwert ihn mit Bretern und Steinen,damit er glatt gepreßt wird. Durch Regen undfeuchtes Wetter während des Trocknens verliert erviel an Ansehen und Werth, indem er weich und anden Gräten gelb wird; man nennt ihn dann Klipp-kuller. Außer dem gemeinen Kabliau werden beiNorwegen auch noch folgende Arten gefangen: DerRod torsk (rothe Dorsch) oder Tara torsk, dereigentliche Dorsch, Gaäus Callarias, der nur etwa1 Elle lang ist und eine ins Röthliche fallende Farbehat; er wird entweder eingesalzen und in kleine Ton-nen gepackt, oder getrocknet und dann Tittlinggenannt. Beide Arten werden meist im Lande selbstund nach Schweden abgesetzt. Der Graasey,Kolje, Kohlmule oder Kohlmaul, G. carbo-narius, 3 Fuß lang, mit schwarzem Maule und imAlter ganz schwarz, wird meist als Rotskiär und alsKlippfisch zubereitet. Der Leng, Lengfisch oderLangfisch, G. ober Lota Molva, bis 4 Fuß langund schlank, oben braun und an den Seiten gelblich,hat zwar ein etwas grobes Fleisch, ist aber eine derwichtigsten Arten, da.er am häufigsten zum Schiffs-proviant gekauft wird; man bereitet ihn ebenfallsals Rotskiär und als Klippfisch und theilt ihn dannnach der Qualität in Blanke lange (Weißlanger),Skruelange und Ausschnßlange. Der Sah,0. virens, wird als Rundfisch, als Rotskiär und auchals Galtet sah zubereitet. Der Brosmer oderbritische Dorsch, G. Brosma, wird meist zuKlippfisch, aber auch zu Sa ltetbro s mer verwen-det. Uebrigens macht man beim Handel aus denoben genannten Hauptarten mehrere Untersorten, be-sonders nach den verschiedenen Ländern, für die siebestimmt sind; namentlich sortirt man den Rotskiärin dänischen, holländischen, Hamburger, Lübecker, inHöckerfisch, Mittelfisch, Klenfisch, Zartfisch rc. —Bei Island wird fast das ganze Jahr Kabliau ge-fangen . hauptsächlich aber nn Frühjahr und Herbst,zum Theil von den Bewohnern der Insel, die sichaber in ihren kleinen Booten nicht weit in die Seewagen können; dagegen schicken die Franzosen undHolländer Schisse von 40 — .150 Last hierher. Dieletzteren unterscheiden den hiesigen Fisch in Lang-fisch, der längste und beste, Kortschaar, derkleine, und R u n d f i s ch. — Die Franzosen betreibendie Fischerei auf den Neufundlandsbänken vom Aprilbis in den October mit Schiffen von 50—350 Ton«