Krapp
Krapp 68
n eine Art Gährung kommt und 5—60/g am Ge-wicht zunimmt, dann aber bis zum 3. Jahre immerbesser wird. Später verringert sich die Qualitätwieder und bei dem ungemahlenen ist dies noch früherder Fall. Es kommt jedoch dabei sehr viel daraufan, daß er sorgfältig aufbewahrt und vor dem Zutrittder Luft geschützt wird. Die beim Dreschen derWurzeln abgefallene Schale und dünnen Fasernwerden besonders gemahlen und unter dem NamenMullkrapp oder Mulekrapp verkauft, der abernur zum Braun- und Schwarzfärben gebraucht wer-den kann.—Uebrigens werden außer der Rubia tinc-torum besonders in den außereuropäischen Ländernauch mehrere andere Arten dieser Gattung auf dienämliche Art benutzt, namentlich: Rubia peregrina,von welcher die levantischen Krappwurzeln kommensollen; Rubia Munjista, in Ostindien, woher er auchzuweilen unter dem Namen indische Nöthe nachEuropa kommt; R. chilensis und eorymbosa inSüdamerika; R. hypocarpia in Westindien rc. —Im europäischen Handel unterscheidet man die ver-schiedenen Krappsorten nach den Erzeugungsländernund die hauptsächlichsten derselben sind folgende:
1) Levantischer Krapp, Alizari oder Li-zari, auch B oja genannt, kommt nur in ganzenWurzeln, welche bis 4 Linien dick, außen braun undinnen dunkel orangefarben sind. Er enthält denmeisten Farbstoff, weil man die Wurzeln länger alsin Europa in der Erde läßt und sie auch bei derKultur und beim Trocknen am sorgfältigsten behan-delt. Der beste ist der cyprische, dann folgt der vonSmyrna und Tripoli. Er kommt theils in Ballenvon 300 Pfd., theils in Kisten nach dem südlichenFrankreich, Italien und England und wird auf deneuropäischen Ärappmühlen erst gemahlen. Man mußihn sorgfältig vor Luft und Sonne schützen, sonstverliert er schon nach einigen Jahren viel von seinemWerthe. Am besten sind die Wurzeln von mittlerDicke, nicht dicker als ein kleiner Finger, welche nichtsehr ästig sind, auf dem Bruche eine lebhafte dunkel-rothe Farbe und einen merklichen Geruch haben. Siemüssen trocken, dürfen aber nicht alt und noch weni-ger von Würmern angefressen sein oder Schimmel-flecken haben. Auf dem Transport sowohl als bei derAusbewahrung müssen sie sorgfältig vor Nässe ge-schützt werden.
2) Der holländische oder seeländischeKrapp, wird meist in der niederländischen ProvinzSeeland und besonders auf der Insel Schouwen er-baut. Er ist die beste der europäischen Sorten, weilnian bei der Kultur und der Zubereitung mit dergrößten Sorgfalt und Aufmerksamkeit verfährt undschon fett langen Zeiten bestehende gesetzliche Vor-schrrften dabei beobachtet werden müssen. Am bestenund sorgfältigsten wird er in der Stadt Zirrickzeebehandelt und sortirt und die dortige Waare giltdaher auch für die beste. Man unterscheidet in Hol-land zwei Hauptsortenr beraubten und unbe-r a übten Krapp; der erstere kommt von Wurzelndie vorher von der Oberhaut befreit worden sind, zudem letzteren aber sind die Wurzeln mit der Schalegemahlen. Von dem beraubten ist derjenige der beste,welcher nach dem ersten Stoßen abgesiebt wird undden man Fyne oder Korkrapp den feinsten auchBlust krapp nennt. Der durch das zweite Stoßengewonnene, welcher viel Kern enthält, wird Ge-meene (gemeiner oder ordinairer) genannt. DurchVermischung von Fyne und Gemeene werden dannnoch Zwischensorten hergestellt, z. B. TweeenEen
(Zwei und Eins), aus 2 /s von ersterem und 1 / s vonletzterem; Een en Een (Eins und Eins), vonjedem die Hälfte rc. Der Mullkrapp, Köre oderMoremull, welcher aus der äußeren Schaale undden kleinen Wurzeln besteht, wird zuweilen noch ein-mal gestampft und heißt dann übergestampfterMull. Staubkehricht (Stoofvagsel) ist der inden Trockenstuben zusammengekehrte Staub, welchergewöhnlich mit unter den Mull gemischt wird, undMühlenkehricht (Moolenvagsel oder Beer) wirdder in den Mühlen gesammelte Staub genannt, denman auch besonders verkauft. Man preßt den Krappin Fässer von Eichenholz (weiches darf nicht dazugenommen werden) fest ein, dann wird er von ver-pflichteten Personen untersucht, welche jedes Faß mitdem Wappen der Stadt oder des Dorfs, mit demZeichen der Fabrik oder der sogenannten Stube, vonder er zubereitet worden, und mit dem Zeichen derSorte versehen; das letztere ist für Fyne K, für Ge-meene 0, für Eins und Eins OVi, für Zwei undEins 0^2. Die Fässer enthalten meist 600 Kilogram-men. Auch die ungemahlenen gedörrten Wurzelnkommen in Holland unter dem Namen Stücken-krapp oder Krapp in Stücken in den Handel.Die meisten Geschäfte in diesem Artikel werden vonRotterdam aus gemacht, wohin er gewöhnlich imDecember aus Seeland gebracht wird. Außer indieser Provinz wird auch noch in einigen anderenGegenden Hollands, namentlich in der Gegend vonBriel auf der Insel Voorne, Krapp gebaut.
3) Avignon-Krapp, aus der Umgegend derStadt Avignon im französischen Depart.Vaucluse,von welcher derjenige Theil, der früher mit Sümpfenbedeckt war, das Palus genannt wird. In diesem fet-ten Boden wird der beste hiesige Krapp erbaut, wel-cher meist dunkelroth von Farbe ist und ebenfallsPalus genannt wird; der auf trocknerem Boden ge-wachsene ist dagegen mehr rosenroth und wird Roseegenannt. Der erstere kommt dern seeländischen amnächsten. Alan unterscheidet ferner Garanee grappeund non grappe ; der erstere kommt von starken Wur-zeln, die länger in der Erde gelegen haben; derletztere von solchen, die sich an den in die Erde gesetz-ten und bewurzelten Stecklingen gebildet haben.Von beiden gibt es wieder Garanee robee, mi-robeeund non-robee ; der letztere ist der, welcher durch daserste Sieben erhalten wird; durch nochmaliges Mah-len und Sieben erhält man mi-robee und beim drittenMale robee. Die beste Sorte des grappe ist eintrübrothes Pulver von etwas starken:, dein Süßholzähnlichen Geruch, das sich ein wenig fett anfühlt undsich zwischen den Fingern ballt. Wenn es ganztrocken ist, so ist dies ein Zeichen von Alter und gerin-geren! Gehalt. Der Avignonkrapp zieht wenigerFeuchtigkeit aus der Luft an, als andere Sorten, undist daher im Allgeineinen trockner; auch kommt erfast gar nicht in Gährung, verhält sich aber sonstebenso wie jene. Er kann schon frisch von der Mühlegebraucht werden, ist aber besser, wenn er ein Jahralt ist und hält sich dann lange unverändert gut.Uebrigens ist die Bezeichnung der Sorten im südlichenFrankreich außerordentlich unbestimmt und fast berjedem Fabrikanten verschieden, so daß man aus denZeichen durchaus nicht auf die Qualität schließenkann. Gewöhnlich bezeichnet man sie mit SFF, SF,FF, F, MF, MC, CF, OF, 0. Die Sorte 8FF istganz rein von Rinde und Kern; in 8F bemerkt manetwas von letzterem; in FF ist mehr Kern und auchetwas Schale enthalten und so fort; die geringste