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Zweiter Band.
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Krapp

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. Krapp

Sorte, welche auch Billon genannt wird, ist mit Erdeund anderen Unreinigkeiten gemischt. Eben so ver-schieden ist auch die Farbe. Manche Fabrikanten abersteigen mit der Bezeichnung der feinen Sorten bisSSSFEF. Man versendet den Avignonkrapp ge-wöhnlich in Fässern. von weißem Holze zn 900 Kilo-grammen, welche inwendig mit Pappe ausgekleidetsind, um die Luft völlig abzuhalten, durch welche sichdie Farbe des Pulvers verdunkelt und viel von seinerfärbenden Eigenschaft verliert. Auch gegen das Lichtmuß mau ihn schlitzen.

4) Elsasser Krapp oder oberrheinischer,besonders aus der Gegend von Straßburg, Kolmar,Hagenau und Bischweiler. Er steht dem Avignon inder Güte nach, ist im zweiten Jahre am kräftigstenund früher nicht gut zu brauchen, und hält sich solange gut als der seeländische, gährt auch weniger alsdieser^ In Bezug auf die Sorten gilt von ihm dasNämliche, was von der vorigen Gattnng gesagt ist. —Außerdem wird in Frankreich noch in mehreren Gegen-den Krapp erzeugt, namentlich in der Provence, imd'anguedoc, im Poitou, sowie auch in der Normandieund in Flandern. Die Hauptplätze der Versendungsind Avignon, Montpellier, Marseille, Toulouse, Car-peutras, Orange, Poitiers, Straßburg rc. Ueber-haupt hat sich der Krappban in Frankreich sehr ver-uiehrt, so daß jetzt viel davon ausgeführt wird, wäh-rend sonst der größte Theil des Bedarfs aus demAuslande bezogen werden mußte.

5) Schlesischer oder Breslauer Krapp,gewöhnlicher Breslaner Nöthe genannt, wirdhauptsächlich in der Gegend von Breslau, Neumarkt,Liegnitz rc. erbaut und schon von einjährigen Wur-zeln gewonnen. Mau unterscheidet, jenachdem sie imFrühjahr oder im Herbst aus der Erde genommenwerden, Frühjahrs-, Keim- oder Sommer-röthe und Herb st röt he, von denen die ersterebesser, heller von Farbe und farbreicher ist, da wenigerkleine Wurzeln und Unreinigkeiten darunter gemahlenwerden, als unter die letztere. Die Breslauer Rotheist zwar bedeutend geringer, als der niederländischeund französische Krapp, wird aber wegen ihres billi-gen Preises demohngeachtet häufig gekauft, besonderswenn die feineren Sorten fehlen; auch würde sie be-deutend verbessert werden, wenn man auf den Anbau,das Trocknen und die Zubereitung mehr Sorgfaltverwendete. Sie ist ganz fein gemahlen, dunkler vonFarbe als die seeländische und hat mehr das AnsehenAner Erde, als eines aus Wurzeln bereiteten Pulvers.Die meiste schlesische Nöthe wird nach Breslau zum^erkauf gebracht, wo in den Märkten das sogenannteRötheamt die Aufsicht darüber führt und von wo dieAöaare auch hauptsächlich versendet wird. Dies ge-schieht in ganzen, halben oder Biertelfässern, von 1.5,^und 4Etr., oder auch in Säcken von 1*/«—l'/sEtr.Die Fässer oder Säcke erhalten folgende Zeichen:^chte untadelbafte und reine Keim- oder Frühröthevv -1-, eine Krone und die Jahreszahl der Erzeugung;gute frische Herbströthe W., eine Krone, Jahreszahlund einen der Buchstaben 0., E. oder M., welche die6 Märkte Cruzis, Elisabet oder Mitfasten bedeuten;ble mit Herbströthe vermischte Frühröthe erhält, sei°er Zusatz auch noch so gering, nur ein W. und die^reszahl ohne Krone, und das nämliche Zeichenerhält sie, wenn sie zwar nnvermischt aber fehlerhaftbearbeitet und unreif ist; ist die Herbströthe fehler-bnft, unrein oder durch Nässe beschädigt, so erhalt sieebenfalls ein W. mit der Jahreszahl ohne Krone unduut dem Marktbnchstaben; Nöthe welche mit völlig

^ fremdartigen Theilen vermischc ist, wird, wenn derZusatz bei der Frühröthe über 3 Pfd., bei der Herbst-röthe über 4 Pfd. auf den Stein von 24 Pfd. beträgt,

! mit einem Kreuz und der Jahreszahl bezeichnet,j 6) Pfalz er Krapp aus Baden und dem baier-! scheu Rheinkreise, wo der Krappbau ziemlich bedeutendist, wird dem Elsasser in der Qualität gleich geschätzt! und besonders nach der Schweiz und dem südlichen! Deutschlands versendet. — Außer diesen Hauptsorten* wird noch in mehreren anderen Ländern in und; außer Krapp gebaut, namentlich in

> Thüringen, im Braunschweigischen, in Kärnthen, in! Ungarn, wo er häufig wild wächst und wo besondersj der' Banater sehr gut ist; in Spanien wird jetzt der! Krappban besonders in der Gegend von Madrid inziemlicher Menge betrieben; England erzeugt sehrguten Krapp, aber nur wenig, daher es fast seinenganzen bedeutenden Bedarf aus Holland, Frank-reich und der Levante bezieht, und außerdem erhältes aus Ostindien den schon oben erwähnten indischenKrapp oder die Muntjetwurzel. Im südlichen Ruß-land, am Kaukasus, an der östlichen Küste des kas-pischen Meeres rc. wächst der Krapp häufig wild,wird aber nicht angebaut. In einigen Gegendengräbt man die Wurzeln im Frühjahr aus, trocknetsie und mahlt sie auf H a n d - oder R o ß m ü h l e n,worauf sie besonders nach der Stadt Kislär und vonda nach Astrachan gebracht werden. Man nennt sieKislärsche Nöthe und verbraucht sie in Ruß-land mit schlesischer oder niederländischer vermischt.Auch in Georgien wird Krapp gesammelt und inden angrenzenden türkischen und persischen Provinzenverwendet.

Bei der großen Wichtigkeit des Krapps fürdie Baumwollenfärberei, wie überhaupt für dieganze Banmwollenfabrikatur hat sich die neuereChemie sehr angelegentlich und gründlich mit dem-selben beschäftigt und namentlich mehrere Wege zurzur möglichst leichten und vollständigen Gewinnungseines Farbestoffes ausfindig gemacht. Da der Krappdurch das gewöhnliche Verfahren bei der Färbereibei weitem nicht völlig erschöpft wird, so setzt mandas ausgefärbte Krapppulver, nachdem man durchAuspressen alle Flüssigkeit daraus entfernt hat, derEinwirkung von Schwefelsäure aus, befreit es danndurch Auswässern und Neutralisiren mit kohlensauremNatron wieder von der Säure, trocknet es und mahltes noch einmal. Dieses Pulver nennt man Garan-ceup. Noch nützlicher aber hat sich das Garan-cin erwiesen, dessen Bereitung den Zweck hat, ge-wisse Farbstoffe des Krapps, welche die Schönheit derFarbe beeinträchtigen, sowie auch solche Bestandtheile,welche den nutzbaren Farbstoff desselben einhüllenund dadurch seine vollständigeAusziehung erschweren,theils zu verkohlen, theils in anflösliche Produkte zuverwandeln. Dies geschieht ebenfalls durch Behand-lung des noch unbenutzten Krapps mit concentrirterSchwefelsäure und nachheriges Entfernen derselbendurch Wasser. Nach dem Trocknen erscheint derKrapp als ein mehr oder weniger dunkles, geruch-nnd geschmackloses Pulver, dessen färbende Kraft 2 1 / ibis 4 mal so stark ist, als wenn derselbe in seinemunveränderten Zustande angewendet würde. Manverwendet daher jetzt das Garancin sehr häufig, vor-züglich bei der Druckerei, und es wird in mehrerenbedeutenden Fabriken besonders in Frankreich, sowohlim Elsaß, als auch im Süden bei Avignon rc. ver-fertigt. Es wird gewöhnlich in Fässern von 2—300Kilogr. versandt, und zwar das von Avignon in