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Zweiter Band.
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Meerane 182 Meerschaum

Meerane oder Merana im Königreich Sachsenan der von der sächsisch-Lairischen Eisenbahn sich ab-zweigenden Bahn (nach Zwickau und Chemnitz) mit13,700 Einw. Zu ihren vorzüglichsten Gewerbs-zweigen zählt die Weberei, welche zwei Dritttheile derEinwohnerzahl beschäftigt. Viele Woll- und Baum-wollstoffe, namentlich Cassinet, Barege, Streichköper,Napolitaine, Poil de Chevre, gehen aus ihrer Handhervor, und werden theils nach den Meßplätzen,theils direct in alle Weltgegenden, vorzüglich abernach Amerika versandt, wo einige der besten FirmenCommanditen errichtet haben. Große Ladungengehen alltäglich von hier ab, und die hiesigen Fabri-kate erfreuen sich überall des vollkommensten Bei-falls. Es befindet sich hier auch eine Dampfmühle,Kalkbrüche und Färbereien, worunter die von B o r-nemann die größte im Königreich Sachsen ist. —

Rechnung, Münzen, Maße und Gewichte,s. Sachsen, Königreich.

Meerbälle oder Seebälle, Pilae marinae,sind runde oder ovale, leichte, faserige, fast geruch-und geschmacklose, bis faustgroße Klumpen von gel-ber oder bräunlicher Farbe, die zuweilen von demMeere ans Land gespült werden. Sie bestehen ausgemeinem Seegras, 2ostera marina, und anderenSeegewächsen, die von den Wellen losgerissen unddurch das Rollen derselben zusammengeballt undrund geformt worden sind, wobei sie das Wasserzugleich aufgelöst oder macerirt hat. Man brauchtesie früher gegen Kröpfe, was aber jetzt selten odernie mehr geschieht.

Meerbarbe oder Seebarbe, Mullus, eineFischgattunb, die zum Geschlecht der Barsche gehörtund hauptsächlich im mittelländischen Meere, seltenerin anderen lebt. Sie hat einen schief abgestutztenKopf, am Kinn 2 große Bartfasern, und breiteSchuppen, auch auf dem Kopfe, welche leicht ab-fallen. Es gibt mehrere Arten derselben, von denenfolgende die wichtigsten sind: 1) Die rothe Meer-barbe oder der gemeine Rorhbart, Mullusbarbatas, wird 6— 9Zoll lang, ist auf dem Rückenund an den Seiten glänzend purpurroth mit Gold-streifen, am Bauche silberfarbig, mit gelblichen Flossenund Bartfäden und gelben Augenringen. Sie warschon bei den Römern wegen ihres vortrefflichen Flei-sches ein Gegenstand des Luxus, auch setzte man sielebendig auf die Tafeln, um sich an ihren schönenFarben zu weiden und ließ sie in der Hand sterben,um die Veränderung ihrer Farben zu beobachten.2) Die große oder gestreifte Meerbarbe oderder große Rothbart, M. surrnuletus, in Ge-stalt und Farbe der vorigen ganz ähnlich, wird aber1—IV« Fuß lang und 17 - 2—2 Pfd. schwer, und hatein eben so wohlschmeckendes feines und festes Fleisch.Sie kommt jährlich 2- oder 3mal an die Ufer, um zulaichen und wird in größerer Menge gefangen alsdie vorige. Da sie sehr bald stirbt, sobald sie ausdem Wasser genommen ist und dann schnell verdirbt,so wird sie unmittelbar nach dem Fange in Seewassergekocht, dann dick mit Mehl bestreut und so nach denStädten geschickt. Auch wird sie eingesalzen und ge-räuchert und aus dem Rogen wird Kaviar oder Bo-targa bereitet. Man fängt sie besonders häufig aufden Inseln Sicilien und Sardinien.

Meerbohnen oder Meernabel, Fabae ma-rinae oder U mbilici marini, sind die Gehäus-dcckel der besonders im mittelländischen Meere leben-den runzligen Mondschnecke, Turbo rugosus,welche früher gesammelt und gegen verschiedene

Krankheiten angewendet wurden. Es sind V 2 Zollgroße und auch kleinere, rundliche oder etwas ovaleScheiben, mit ungleichem Rande und in der Mittemit einer nabelförniigen Vertiefung, auf der unterenSeite eben, von marmorirt gelber oder braunrotherFarbe, und sie bestehen aus kohlensaurem Kalk.

Meerdill, s. Meerfenchel.

Meereiche, Fucus vesiculosus, ein Seege-wächs , das sich fast in allen Meeren findet und zurBereitung von Soda, auch zum Mästen der Schweinebenutzt wird. Sonst brauchte man es unter demNamen Quercus marina, sowie auch die davon be-reitete Kohle, welche vegetabilischer oder Pflan-ze nm oh r, Aethiops vegetabilis genannt wurde, inder Medizin.

Meerfenchel, Meer dill oder Bacillenkraut,Oritbrnurn maritimum, eine an den Küsten desmittelländischen, schwarzen und atlantischen Meeresbesonders in Felsenspalten wachsende Pflanze mitausdauernder Wurzel, doldenförmigen, grüngelb-lichen Blüten und immergrünen fleischigen Blättern.Sie sind dunkelgrün, lanzettförmig, dreifach getheilt,enthalten einen gelben Saft, schmecken schwach ge-würzhaft, bitterlich, salzig, und wurden sonst unterdem Namen Herba Crithmi oder Sancti Petri gegenUnterleibskrankheiten gebraucht; jetzt werden sie vorihrer völligen Entwickelung mit Salz und Pfeffer inEssig eingelegt und wie Kapern und als Salat ge-gessen. So versendet man sie auch aus Frankreichnach den westindischen Colonien und braucht sie ausweiten Seereisen als antiscorbutisches Mittel. Auchder Same, Lernen Foenieuli marini, wurde früherals Harn- und wurmtreibeudes Mittel angewendet.

Meerhirse, S t e i n h i r s e oder S 0 n n e n h i r s e,Lithospermum officinale, eine auf steinigenund sandigen Feldern in gebirgigen Gegenden, anWegen, Hecken und in lichten Wäldern in Deutsch-land wachsende ausdauernde P/ 2 —2' hohe Pflanze,mit kleinen weißen und gelben Blumen und weiß-grauen, glänzenden, steinharten, eirunden, öligenSamen. Diese wurden früher unter dem NamenLernen Lithospermii oder Milii solis, auch Stein-samen, in der Medizin gebraucht.

Meermoos, s. Korallenmoos.

Meernabel, s. Meerbohnen.

Meerotterfelle, s. Fischotterfelle.

Meerrettig , Cochlearia armorica, einebekannte, in Deutschland hin und wieder wildwach-sende und überall angebaute Pflanze, deren lange,walzenförmige, weiße, saftige Wurzel von scharfbrennendem Geschmack als Gemüse genossen wird.Sie zeigt nur einen schwachen Geruch, wenn sie ganzist, aber beim Zerquetschen geht von ihr ein so schar-fer flüchtiger Stoff aus, daß er die Augen mit Thrä-nen füllt. Gerieben wird sie als kräftiges Hautrei-zungsinittel und auch zuweilen innerlich gegen Ma-genkrampf und als antiscorbutisches Mittel gebraucht,wozu man sich auch des ausgepreßten Saftes bedient.Der darüber abgezogene Weingeist kann im Noth-falle den Löffelkrantspiritus ersetzen. Der offizinelleName derselben ist Radix Raphani rusticani oderArmoraciae. Getrocknet hat sie wenig oder gar keineWirkung, da das scharfe ätherische Oel, welches dieWurzel enthält, durch das Trocknen verloren geht-Sie enthält außer dem Oele noch Stärkemehl unoSchwefel, bittres Harz, Extractivstoff, Gumlin,Zucker, Essigsäure und Salze.

Meerschaum, Spuma marina oder TalcuiuLithomarga, ein aus Bittererde, Kieselerde,