Meerschaum
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Meernmebel
Wasser, etwas Eisenoxyd und Thonerde bestehendesMineral von weißer, gelblicher oder röthlicher Farbe,nur wenig schwerer als Wasser, das sich an mehrerenOrten in der Türkei, Kleinasien, Griechenland, inder Krimm, in Spanien, Frankreich, England rc. inunregelmäßigen knolligen und derben Massen findet.Wenn es aus der Erde kommt, ist es weich undschmierig, verhärtet aber bald zu einer festen schneid-baren Masse. Es ist undurchsichtig, matt, hat fein-erdigen oder flachmuscheligen Bruch, hängt stark ander Zunge an und wird durch Reiben wachsglän-zend. Der türkische und griechische wird hauptsäch-lich zur Verfertigung von Pfeifenköpfen und Cigar-renspitzen gebraucht, wozu die anderen Sorten nichttauglich sind, daher mau diese nur zur Porzellan-fabrikation benutzt. Am häufigsten wird der tür-kische verarbeitet, der sich besonders in der Nähe vonThiva in Natolien in einer Kalkklust findet. Mangibt dem noch weichen Meerschaum durch Drückenund Bohren die rohe Form der Pfeifenköpfe undtrocknet sie langsam, indem man die Stücke in Fließ-papier wickelt, die Sonnenhitze aber vermeidet. SieWerden dann in Baumwolle gepackt nach Wien undNuhla versendet.' Hier werden die Stücke gesondertUl unreine und reine, weiche und harte, feinmassigeund bleimassige und dann verarbeitet Man ver-kauft auch rohe ungesottene Pfeifenköpfe, die in Rohrgeflochten sind. Aus ihnen soll der Tabak am bestenschmecken, sie lassen sich aber nicht anrauchen. DieM Wachs oder Oel gesottenen Köpfe werden mitBimsstein abgerieben und dann polirt, als Wachs-oder Oelköpfe in den Handel gebracht. Der unreineMeerschaum wird in gemauerten Gruben mit Wasserp einem Brei gerührt und einige Zeit stehen ge-lassen, wobei er in eine Art Gähruiig kommt, die sich°urch einen Geruch nach Schwefelwasserstoff zu er-kennen gibt. Dann wird mehr Wasser zugegossenUnd der Brei geschlämmt, wobei der Sand undgndere Unreinigkeiten zurückbleiben. Der beimSchlämmen entstehende feine Niederschlag wird inMessingformen gepreßt, in welche Blumen und an-dere Figuren geschnitten sind, und wenn er darinverhärtet ist. wird er gebohrt, worauf man die Köpfeuus den Formen nimmt und völlig trocknet. ManAalt sie auf diese Art von verschiedener Feinheit.^>ie getrockneten und vollständig geformten KöpfeWerden in Milch gekocht und zuerst mit Schachtel-halm , dann mit weichem Leder polirt, worauf nian>w gewöhnlich noch in Wachs, Talg oder Leinöl siedetund in der Türkei auch zuweilen noch verschiedentlich^'bt.^ Da die in der Türkei übliche Form desSchnittes in den meisten anderen Ländern nicht be-"ebt ist, so werden die Köpfe gewöhnlich roh bezogen^ud an mehreren Orten, in Deutschland besondersU Wien, Lemgo und Ruhla, geschnitten und fertigbewacht; außerdem gibt es auch noch an einigen^rten einzelne Meerschaumschneider, meist Drechs-r. Die rohen Köpfe kommen in länglichen, schma-,u und hohen Kisten von ca. 3 /* Ctr. au Gewicht,von Konstantiuopel über Trieft und Wien uachDeutschland. Eine Kiste enthält mehrere hunderts-'d. gegen 1000 Stück, welche in Baumwolle gepackt> nc> und unter denen sich in der Regel ein Kopf von^gezeichneter Größe, einige 20 große, etwa 200"lle und der Rest kleine Köpfe befindet. Jetzt wer-l u die Pfeifenköpfe von Meerschaum in Deutsch-vi s re : tocn *9 er gebraucht als sonst; dagegen werdenZigarrenspitzen davon verfertigt, häufig mitnem Mundstück von Bernstein. Diese werden oft
sehr kunstvoll, mit erhabenen oder ganz freistehendenFiguren geschnitten, wodurch sie zum Theil einenziemlich hohen Preis erhalten, und in dieser Kunstzeichnet sich jetzt besonders Nürnberg aus; doch wer-den dergleichen, besonders einfachere, auch in Lemgo,Ruhla und von mehreren Drechslern an anderenOrten verfertigt. — In Ruhla, sowie auch in Wienund an einigen anderen Orten verfertigt manauch sogenannte unächte Meerschaumköpfe oderMassenköpfe aus den beim Schneiden entstehen-den Abfällen, welche fein gemahlen, geschlämmt undmit gebranntem Alaun und etwas Seife vermischtwerden; auch setzt man zuweilen Gips oder Pfeifen-thon und als Bindemittel Traganthschleim oder eineAuflösung von Weinstein hinzu. Dieser unächteMeerschaum sieht dem ächten so ähnlich, daß er selbstvon Kennern kaum unterschieden werden kann.Das sicherste Kennzeichen eines ächten Kopfes sindkleine Fehler, wie Sand, Adern, Wolken rc., die sichin den unächten nie finden. Andere, aber wenigerzuverlässige Kennzeichen sind, daß eine Silbermüuzeauf einem ächten Kopfe keinen Strich macht und daßer beim Reiben mit der flachen Hand keinen Schmutzvon derselben annimmt, was aber nur bei älterenKöpfen zutrifft, nicht aber bei neuen, wegen desOeles oder Wachses, in denen sie gesotten sind.Ruhla allein versendet alljährlich ca. 25,000 Dutzendächre und 92,000 Dutzend unächte Meerschaumköpfe.Die sogenannten polnischen Köpfe sind zwar ächt,aber von einer geringeren, groben und schweren Masse.
Meerschaum wird zuweilen auch das Blaü-fischbein genannt.
Meerschwämme, s. Badeschwämme.
Meerspinne, Maj a squinada, ist ein unge-schwänzter, am ganzen Körper haariger und stache-liger Seekrebs, mehr breit als lang, von dunklerFarbe, der sich in den nördlichen und südlichen Mee-ren und in Südeuropa in den Mündungen der Flüssefindet. Sie werden gegessen, auch zuweilen theilseingesalzen, theils getrocknet in den Handel gebracht.
Meerstinz, Ltineus inarinus oder La-certa marina, ist eine 6—8 Zoll lange und ohn-gefähr 1 Zoll dicke Eidechse, mit walzenförmigem,nur nach dem Schwänze zu dünner werdendem Kör-per, welcher silbergrau beschuppt ist, mit bläulichenQuerstreifen und grüngelblichem Kopfe. Sie lebtin Aegypten, Nnbien, Arabien rc. und kommt zu-weilen ausgeweidet, mit gewürzhasten Kräutern ge-füllt und getrocknet, zur Abhaltung von Insektenauch in Wermuthblälter oder spanischen Hopfen ge-packt, noch im Droguenhandel vor. Sonst brauchteman sie als harntreibendes und stimulirendes Mit-tel, jetzt werden sie nur noch zuweilen von Land-leuten und als Vieharznei angewendet.
Meerstroh, s. Kameelheu.
Meerwolf, s. Seewolf.
Meerzwiebel, 8qui11a maritima, eine anden Seekusten des südlichen Europa, besonders umdas mittelländische Meer wachsende lilienartigePflanze mit weißen oder rothen Blüthen und einerverkehrt eiförmigen, oft bis 4 Pfund schweren, ausschuppenartigen, fleischigen, dicht anliegenden Häu-ten bestehenden Wurzel, von denen die inneren röth-lichweiß, die mittleren mehr roth, die äußeren dün-ner. trockener und mehr braunroth sind und einenscharfen, schleimigen Saft enthalten. Diese werdenin der Medizin benutzt; die dünnen äußeren Schalensind ohne Wirkung. Man erhält entweder die gan-zen Zwiebeln in frischem Zustande, oder die zer-