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Zweiter Band.
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Moratorium

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Morphin

Moratorium oder Jndult heißt die einemSchuldner von der Obrigkeit gewährte Begünstigung,daß seine Gläubiger während einer gewissen Zeitnicht gegen ihn klagbar werden können. Es kommtzuweilen vor, wenn ein Schuldner der Obrigkeitdurch Darlegung des Standes seines Vermögensbewiesen hat, daß er durch eine solche Frist in denStand gesetzt wird, seine Angelegenheiten zu ordnenund dem Ausbruch eines Concurses zu entgehen, istaber in dieser Art jetzt wenig mehr gebräuchlich.Das sogenannte freie Geleit oder sichere Ge-leit, welches einem Failliten gewöhnlich für einigeMonate gewährt und wodurch er während dieserZeit vor den Verfolgungen seiner Wechsclgläubigergeschützt wird, ist ebenfalls eine Art Moratoriumund in den meisten Ländern im Gebrauch (s. B a n -kerott). — Die Urkunde, welche dem Schuldnerüber das ihm bewilligte Moratorium zugestellt wird,heißt Anstandsbrief, Freibrief, eiserner,Gnaden-, Schutz-, Geleitsbrief rc.

Moravian nennt man in England das acht-drähtige baumwollene Strickgarn.

Morchel, Morehella 686uleuta oderPhallus esculentus, ein sehr schmackhafterPilz mit grünlich graubraunem, faltigem Hute, derbesonders im Frühjahr in trocknen Wäldern, aufMeilerstätten rc. in ganz Europa wächst und ge-trocknet in den Handel kommt, da er als Zuthat zuvielen Speisen gebraucht wird. Die am häufigstenvorkommende Sorte ist die gemeine oder Breit-m o r ch e l, mit größerem, mehr breitem Hute, dessenFarbe frisch ins Röthliche fällt und getrocknetschwärzlich ist. Man sammelt sie besonders in Böh-men, Mähren, Polen, Schlesien rc., und aus Frank-reich werden viele, namentlich von Bordeaux aus,versendet. Der Preis ist nach dem Ertrage derErnte außerordentlich verschieden, zwischen y 4 Thlr.und 1 Thlr. pr. Pfd. Eine andre, seltener vorkom-mende und bedeutend theurere Sorte ist die Spitz-morchel, welche einen kleineren und spitzigerenHut hat. — Beim Einkauf der Morcheln muß mandarauf sehen, daß sie frisch, ohne Sand und gut ge-trocknet, jedoch nicht dürr und zerbrechlich sind, undbesonders daß sie keine Würmer und Milben ent-halten. Sie müssen an einem ganz trocknen undluftigen Orte in wohl verschlossenen Gefäßen auf-bewahrt werden, um die Insekten davon abzuhalten,und man muß sie zuweilen umschütten, damit dieunteren obenauf kommen. Demohngeachtet haltensie sich in der Regel nicht über 2 Jahre.

Mordants werden bei der Zeugfärberei undDruckerei verschiedene Beizen genannt, welche ausaufgelöster essigsaurer oder schwefelsaurer Thonerde,essigsaurem Blei, holzsaurem Eisen und dergl. be-stehen und in welche die Zeuge vor dem Färben ge-taucht werden, damit die Farbe besser von der Faseraufgenommen werde und fester daran hafte.

Moreas heißt eine Art atlasartiger, gewöhnlichbuntgestreifter Zeuge aus Seide und Baumwolle,die früher in Frankreich, besonders in Lyon, undauch in Deutschland verfertigt wurden. Späterwebte man sie auch ganz aus Baumwolle und brachtedie glänzende Oberfläche durch die Mangel hervor.

Morellensalz wurde früher das rothe Eisen-oxyd zuweilen in den Apotheken genannt.

Morenos, Tieny 08 Morenos, nennt manin Spanien und Südamerika mehrere Sorten fran-zösischer ungebleichter, meist geringer Flachs- und

Hanfleinen, die besonders in den DepartementsOrne und Charente verfertigt werden.

> Morey ist ein rother Burgunderwein 2. Classe,der dem Champertin wenig nachsteht, aus der Ge-1 gend von Dijon im Départ. Côte d'Or.j Morsil oder Marfil werden in Frankreich dieElephantenzähne genannt.

! Morgen, ein Feldmaß in Deutschland, z. B. in! Baden, Brannschweig, Bremen, Frankfurt a. M..

! Hamburg, Hannover, im Großherzogthnm Hessen,

! in Lübeck, Nassau, Preußen, Württemberg rc. von! verschiedener Größe.

Morières, ein rother Wein von schöner Farbeund gutem Geschmack, der bei Avignon im Départ.Vaucluse gewonnen wird.

Morin wird der färbende Stoff des Gelbholzesgenannt. Man gewinnt es aus dem abgedampftenwässerigen Auszuge des Holzes als ein gelbes kry-stallinisches Pulver, das sehr wenig in Wasser, mehrin Alkohol, am besten in Aether löslich ist.

Morin, ein weißer Anjouwein 1. Classe, fein,geistig und von gutem Geschmack, aus der Gegendvon Saumur im Départ. Maine und Loire.

Morindewurzel, von Morinda arborea odervon M. citrifolia in Ostindien. Die Bäume tragenSteinfrüchte, welche in Asche gebraten, gegessen wer-den, auch zu Arzneien dienen. Die Wurzel wirddaselbst wie der Krapp zum Rothfärben gebrauchtund ist auch zuweilen nach England gekommen. 2"Ostindien soll sie Sooranzee oder Sorinjeeheißen. Aus ihr wird das Morindin dargestellt,gelbe feine Nadelkrystalle, die durch Alkalien orange-farben , durch Schwefelsäure purpurroth gefärbtwerden. Es sublimirt in rothen Krystallen, Mo-rindon genannt, die mit Alkalien ein sehr schönesViolett geben. Beide Körper sind für die Färbereiwichtig.

Morines nennt man in Frankreich eine Art vor-züglicher Champignons, die besonders aus der Ge-gend von Fréjus im Départ. Var kommen.

Moringerbsäure, s. Gelbholz. „ .

Morivn heißt ein schwarzbrauner, schwärzlich^blauer oder auch ganz schwarzer Bergkrystall, der Mhin u. wieder im sächsischen u. böhmischen Erzgebirgefindet und zuweilen als Schmuckstein benutzt wird.

Moritzinsel, s. Mauritius. .

Morlaises, Morlaix oder M o r l e s a s nennman in Frankreich gute, dicht gewebte Hanslemeivon gebleichtem Garn nach Art der Créas , wel<Hbesonders in und um Morlaix im Départ. 8""^terre verfertigt werden. Sie sind % — 3 A .breit und in Stücken von 50 und 100 Stab, ohiAppretur als nur die Mangel, ohngefähr ?/»-L,breit gelegt und gepreßt. In der Oberlausitz,men und Schlesien werden die für den überseetzwHandel bestimmten Créas zuweilen ebenso gelegt»dann Créas à la Morlaix genannt.

Moroxit, s. Apatit. à

Morphelin wird aus dem MorphiumHandlung mit Bleisuperoxyd und verdünnterfelsäure dargestellt; es ist eine amorphe, rothbra 'saure Masse, die im Wasser löslich ist, bis jetztvon chemischem Interesse. . im

Morphin, reines, Morphium, ist ei ‘ fän *Opium enthaltenes Alkaloid, das in weißen, 9zenden und durchsichtigen Krystallen von staund anhaltend bitterm Geschmack dargestellt wdie sich nur sehr wenig in kaltem, etwas meyr.warmem Weingeist, fast gar nicht in Aether