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Zweiter Band.
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Polen

Polen

denen Zeiten eine sehr verschiedene Ausdehnunghatte, zu dem aber namentlich die jetzige preußischeProvinz Posen, Galizien und ein Theil des west-lichen Rußlands gehörten. Das gegenwärtige rus-sische Polen ist jetzt dem russischen Reiche völligeinverleibt und seit dem 1. Januar 1845 in die Gou-vernements Warschau, Lublin, Augustowo,Plock und Radom getheilt. Es grenzt gegenNorden an die Provinz Preußen, gegen Westen anPosen und Schlesien, gegen Süden an Galizienund gegen Osten an die russischen GouvernementsWilna, Kowno, Grodno und Volhynien, und um-faßt 2327 Meilen mit 4,840,000 Eiuw. DasLand ist fast durchaus eben, nur gegen Süden er-hebt es sich zu einer Hügelreichen Hochebene von 8bis 900 Fuß und im Südosten ist es wirkliches Berg-land. Der Boden ist theils fruchtbares Ackerland,theils Haide und Morast, aber selbst ein großerTheil des fruchtbaren Landes ist noch unangebautoder mit großen Wäldern bedeckt, welche gegen 37aMill. Morgen betragen. Das Klima ist, wie dasin Rußland, verhälmißmäßig kalt; der Sommer istmeist sehr warm, aber der Winter streng. DerHauptfluß ist die Weichsel, welche im Lande außermehreren kleinen Flüssen die Pilica, Bzura, dieWieprz, den Bug mit der Narew, die Wkraund die S l er w a aufnimmt; außerdem ist im Süd-westen die Wart he und gegen Nordost bildet derNiemen mit dem Bobr die Grenze gegen Ruß-land. Das Land hat, besonders im nordöstlichenTheile, viele Landseen, die aber sämmtlich nicht großsind. Die Hauptprodukte sind: viel Getreide undHolz, Hanf, Flachs, Tabak, nur wenig Obst, Hül-senfrüchte, Rübsamen, Hopfen, und die Wälderliefern Pech und Theer. Die Viehzucht, welche nebendem Ackerbau, vorzüglich auf. den großen Güterneifrig betrieben wird, hat sich besonders in der neue-ren Zeit durch Einführung besserer Pferde- undRindviehracen und veredelter Schafe sehr gehoben;dagegen wird sie von den Bauern meist noch immersehr vernachlässigt, welche dafür mehr Schweineziehen, die keine große Sorgfalt bedürfen und in denWaldgegenden auch wenig zu erhalten kosten. Außer-dem wird viel Waldbienenzucht getrieben und guterHonig und Wachs gewonnen, und es gibt viel Wild,auch Wölfe, Bären und zuweilen Luchse. Das Mi-neralreich liefert besonders Eisen und Kupfer, etwasBlei, Zink und Silber, ferner Marmor, Mühl-steine, Steinkohlen, Salz rc. Die Hauptbeschäf-tigung des Landvolkes ist Ackerbau, Viehzucht undWaldarbeit. — Die polnischen Fabriken sind zwardurch Unterstützungen, Einfuhrverbote, Schutzzölle rc.hauptsächlich von der Regierung hervorgerufen wor-den , aber sie bedürfen derselben eigentlich nicht, dennsie erhalten sich jetzt selbst und werfen den Unter-nehmern bedeutenden Gewinn ab. Dies gilt na-mentlich von den Tuchfabriken, welche meist Bel-giern , Rheinländern und Sachsen gehören und derenErzeugniß mit dem ausländischen im Betreff derGüte concurriren kann, nicht aber im Preise, dennes ist bedeutend theurer als jenes. Durch die Auf-hebung der Zolllinie gegen Rußland, welche am1. Januar 1851 erfolgte, haben die polnischen Fa-briken sehr gewonnen, aber dem Handel des Zoll-vereins hat sie allerdings geschadet, besonders inZucker, Kattunen und Seidenwaaren. Von denmeisten Fabrikaten decken die Fabriken des Landesden Bedarf nicht und es muß sich nun aus Rußland,Preußen und Oesterreich damit versorgen, besonders

da der neue russische Zolltarif den Zoll aus mehrereArten Gewebe, Zucker rc. bedeutend erhöht hat undder früher sehr stark betriebene Schleichhandel durchdie strenge Bewachung der Grenze so gut als aufge-hört hat. Der Handel ist fast ganz in den Händender Juden, die in Polen zahlreicher als in irgendeinem anderen europäischen Lande sind. Die wich-'tigste Ausfuhr besteht in Getreide und Schlachtvieh?ersteres geht theils auf der Weichsel nach Danzig,theils führt man es nach Galizien aus. Außerdemwerden hauptsächlich Wolle, Häute, Borsten, Holz,Oelsämereien und Oel, Eisen, Zink, Metallwaaren,Tuch rc. exportirt. Im Jahre 1859 betrug dieAusfuhr

nach Preußen 11 Mill. S.-R.

„ Oesterreich 3*/« „ „

Einfuhr

von Preußen 137-2 Mill. S.-R.

„ Oesterreich 37 2 „ „

Ueberhaupt geschieht von Seiten der Regierung vielfür Hebung des Handels und der Industrie, na-mentlich auch durch Verbesserung der Flußschiffs«^und durch Anlegung guter Kunststraßen. Eisen-bahnen existiren:. a) die große polnisch-russMBahn von Zabkowice über Warschau nach Grodno»b) bei Skjerniwice von letztgenannter Bahn abzwn^gend die polnische Westbahn über Lowicz nach Stu-zewo zum Anschluß an die von Thorn kommendeSchienenstraße. — Die bedeutendsten Städte desLandes sind folgende: W a r s ch a u (s. d.). Toma^zow a. d. Pilica, neu entstandene, gewerbreWStadt mit vielen Tuchfabriken und 8000 EinwKalis ch a. d. Prosna, 13,000 Einw., hat Wollen-Weberei, Gerberei und Tuchfabriken. Sieradz,an der Warthe, 4000 Einw., mit Tuchweberei, Ger-berei und Hutfabriken. K i e l c e, 6000 Einw., umEisenfabriken; in der Nähe Kupfer-, Eisen- undBleigruben. S t a s z ow, mit 5000 Einw., Wollen-weberei und Kupferhammer. Lublin a. d.strzyca, mit 19,000 Einw., bedeutendem Handel unvMessen. Siedlec, 6000 Einw. Ploczk an derWeichsel, mit 13,500 Einw. und Handel,walki, 12,600 Einw. Lodz, mit 31,600 Einw-und bedeutender Leinweberei, u. a.

Rechnungsart und Zahlwerth seit demJahre 1842 wie in Rußland (s. d.). — Vor demobigen Zeitpunkte und zum Theil auch noch W'rechnete man nach polnischen Gulden zu 30 Groschen

und nach dem kaiserlichen Ukas vomsollen 86«6/i2s Gulden auf die köln. Mark f. Silber,somit 185,3452 Gulden auf das deutsche Münzpslwf. Silber gehen. Demnach ist der Werth des P 01 'nischen Guldens:

4,556 Sgr. im 30 Thalerfuß;

17 Kreuzer im 527a Guldensuß;

24,28 Nkr. im 45 Guldenfuß;

15 Kopeken russische reine Silberwährung-

Münzen, s. Rußland. — Die früheren P Dl 'nischen Münzen waren folgende: In Golv ,seit 1832: Jmperialdukaten zu 3 Rubel oder 20 q -»Werth 0,35992 deutsche Kronen, 9l67.8 Taustth. V '3,926 Gramm schwer; Feingew. 8,59» Gr.1815-1832: Stücke zu 50 Gulden und zu 25 GMden, 9167.8 Tausdth. fein, erstere im Werth P0,89941 deutsche Kronen, 9,8,2 Gramm schwer; .gew. 8,ggi Gr., letztere nach Verhältniß. WaY^der Insurrektion im Jahre 1831 wurden gepra» '