Seidenwolle 551 Seife
ten einzelne Seidenwaarenfabriken, namentlich inAugsburg, Baireuth, Bielefeld, Annaberg, Zülli-chau u. a. — England verfertigt viel und fchöneSeidenwaaren, aber meist nur für das eigene Land,da es im Auslande mit den Preisen anderer Fabrikennicht concurriren kann, und gegen die fremde Con-currenz durch einen angemessenen Zoll geschützt ist.Es kommen daher nur sehr wenig englische Seiden-Waaren nach dem Continent. — In Rußland hatsich die Seidenwaarenfabrikation seit etwa 30 Jahrensehr vermehrt; ihr Hauptsitz ist Moskau und dessenUmgegend, und sie verarbeitet hauptsächlich persischeund Hündische Seide. — Die meisten asiatischenLänder, welche Seide erzeugen, verfertigen auchStoffe daraus, die aber außer den ostindischenTaschentüchern (Corahs, Bandanoes rc.) nicht nachEuropa kommen; dagegen setzen Ostindien u. Chinaviel nach Amerika und anderen außereuropäischenLändern ab. — Die wichtigsten einzelnen Seiden-waaren haben wir in besonderen Artikeln besprochenund erwähnen daher nur noch, daß sie in Bezugauf die dazu verwendete Seide in 3 Classen zerfallen,Nämlich in Stoffe von ganz gekochter Seite (tontvuit), von halb gekochter (denn cuit oder souple) unddon beiden gemischt. Am schönsten und dauerhaf-testen sind diejenigen, deren Kette und Einschuß ausganz gekochter Seide besteht, wodurch das Gewebediel mehr Glanz, Sauberkeit und schönere Farbeerhält, als wenn es aus halbgekochter Seide besteht.Nur die wohlfeilsten Artikel, wie geringe Florence,Marcclline, gestreifte Kleiderstoffe u. dgl. werdendaher ganz aus letzterer verfertigt, welche auch denNachtheil hat, daß sie leicht Stockflecke bekommt;dagegen nimmt man bei den meisten Stoffen ganzgekochte Seide zur Kette und halb gekochte zum Ein-schlag. Eine besondere Art bildet das sogenannteDunstschwarz (gros noir), wobei die zum Einschlagverwendete Seide mit Kohlenstaub und anderenkörperlichen Stoffen gefärbt wird, durch welche derFaden anschwillt und bedeutend an Gewicht zu-nimmt, so daß man aus dem Pfunde bis zu 80 Lotherhält. Der Stoff erhält dadurch eine gewisse StärkeUnd Dicke, aber zugleich, wenn er nicht atlasartiggewebt ist, ein todtes, glanzloses, fast baumwollen-artiges Ansehen. Am weitesten geht man damit inBerlin. Bei dicken Stoffen, z. B. Atlassen, Westen-beugen rc. wird auch häufig das Gewebe auf ver-schiedene Art mit Baumwolle vermischt.
Seidenwolle, in Ostindien Eap o c oder M ap ougenannt, ist die Samenwolle mehrerer Arten desWollbaums, 15oinbax, namentlich des Seiden -^d llbaums, 15. pentandrum , auf den ostindischenpuseln, in Siam, China, Java rc., des westin-dischen Wollbanms, 15. quinatum oder pyra-midale, auf den Antillen und in Guyana, und desEeibabaumes oder Käsebaumes, 15. Oeiba,su Hinterindicn und Südamerika. Es sind hohe,starke Bäume, deren Samenkörner in 5fächerigen,holzigen Kapseln enthalten und mit einer feinen,seldenartigen, aber kurzen Wolle umgeben sind,deren Farbe bei den beiden ersten Arten braun, bei^ letzteren grau ist. Sie wird in ihrem Vaterlande^t Baumwolle vermischt gesponnen, noch häufiger^der znm Ausstopfen von Matratzen, Decken rc. be-Uutzt;.aach Europa kommt sie nicht.
Seife, 8apo, ist eine Verbindung von thierischem«ett oder fettem Oel mit Kali oder Natron, welchen!'Eweder eine ziemlich feste oder eine salbenartige£a ll e gibt. Nach den verschiedenen Fettarten und
Alkalien, die dazu verwendet werden, gibt es einegroße Menge Arten von weisen, welche zum Waschen,beim Bleichen, Walken, beider Färberei, Seiden-appretur, von den Parsümeriefabriken rc. und einigeauch in der Medizin gebraucht werden. Man unter-scheidet hauptsächlich feste Seifen, welche ziemlichhart sind, so daß sie meist nur mit Mühe einen Ein-druck des Fingers annehmen, und Schmierseifen,die eine schmierige, salbenartige Consiftenz haben;ferner nach dem dazu verwendeten LaugensalzeKali- und Natronseifen, und je nachdem sieaus Talg, Oel oder Harz bestehen, Talg-, Oel -und Harz seifen. Die gewöhnliche Haus seifeoder Talg kern seife wurde früher aus Talg undPotaschenlauge, welche durch Zusatz von Kalk ätzendgemacht wurde (Aetzkalilauge oder Seifen-siederlauge), verfertigt, wodurch man aber nureine schmierige Seife erhalt, weshalb sie noch durchKochsalz, welches Natron enthält, fest gemachtwurde. Jetzt bedient man sich anstatt der Potascheder Soda in der Form von Aetznatronlauge, wodurchdie Arbeit sehr vereinfacht und beschleunigt wird,und nennt die dadurch gewonnene Seife im All-gemeinen Sodaseife. Den Talg, an dessen Stelleman sich auch oft des daraus geschiedenen Olemsbedient, vermischt man häufig mit Cocosuußöl,wodurch die Seife schneller erhärtet, aber auch dieEigenschaft bekommt, eine große Menge Lauge insich zu behalten und demohngeachtet ganz fest zuwerden. Solche Seife f bte man gefüllte oder ge-schliffene nennt, verliert daher auf dem Lager,indem das Wasser nach und nach verdunstet, sehrviel am Gewicht, wobei die Soda auf der Ober-fläche herauskrystallisirt; beim Gebrauch aber ist sienatürlich in gleichem Verhältniß gehaltlos. Mankann diesen Betrug entdecken, wenn man ein ab-gewogenes Quantum der Seife auf dem Ofen völligaustrocknet und dann wieder wiegt, wobei der Ge-wichtsunterschied die Menge des verdunsteten Wassersangibt. Cocosnußöl allem gibt eine sehr weiße, et-was durchscheinende und gut schäumende Seife,Cocosnußöl-Sodaseife, die aber von demOele einen unangenehmen Geruch hat, der schwerzu entfernen ist und die, obgleich sie völlig hart ist,bis zu 73 o/o Wasser enthalten kann. Beim Ver-mischen mit Talg verschwindet der unangenehmeGeruch, und wenn von beiden die Hälfte genommenwird, ist er nicht mehr zu bemerken. Die gewöhn-liche Talgseife erhält meist von selbst ein marmorir-tes Ansehen, was übrigens kein Zeichen von bessererQualität ist; die Cocosnußölseife aber wird häufigkünstlich marmorirt, indem man Farben, Bolus,Indigo u. dgl. vor dem Erstarren darunter rührt.— Aus Palmöl und Sodalauge wird die Palmöl-seife bereitet, von welcher man die aus ungebleich-tem und die aus gebleichtem Oele unterscheidet. Dieerstere ist gelb von Farbe und hat einen starken,aber angenehmen Geruch; die letztere ist weiß undriecht nur schwach. Hauptsächlich wird aber dasPalmöl als Zusatz zur Harz seife benutzt. Dasdazu verwendete Harz ist gewöhnlich Colophonium,welches sich im geschmolzenen Zustande leicht mitKali- und Natronlauge verbindet, aber nur eineweiche, schmierige Seife gibt, die man daher mitPalmölseife vermischt, wodurch man eine feste,durchscheinende, sehr gut schäumende und dabeiwohlfeile Seife erhält. Die braune Farbe und denunangenehmen Geruch derselben, die sie nur zumWaschen grober Wäsche brauchbar machte, weiß man