Seift 552 Seifenkraut
ihr jetzt fast ganz zu benehmen und auch in Deutsch-land verfertigt man schmierige Harzseife aus ent-färbtem Harz, welche fast ganz weiß und fast ganzgeruchlos ist, und welche zu 4%—5 Thlr. pr. Ctr.inol. Faß verkauft wird. Es können davon 150—170Pfd. zu 100 Pfd. Fettansatz genommen werden, umgute gewöhnliche Harzseife zu verfertigen. In Amerikabereitet man gegenwärtig wegen des höhern Preisesder Harze statt Harzseife eine Sorte aus Wasserglas.— Eine sehr geringe und jetzt oft vorkommende Seifeist die Knochen- oder Leimseife, bei welcher ge-wöhnliche Talg-, Harz- oder Oelseife mit durchSalzsäure in Gallerte verwandelte, oder auch nurzermalmte oder durch Aetzlauge aufgeweichte Knochenvermischt wird. Man erhält dadurch eine feste, gutschäumende und sich, bei dem zweiten Verfahren bisauf die erdigen Knochentheile, leicht in heißemWasser auflösende Seife, welche nicht durchscheinend,auf dem Schnitte dunkelbraun ist und einen starken,höchst unangenehmen Leimgeruch hat. Die Knochen-seife wird bereitet, indem die Knochen mit Aetzkali-lauge erweicht werden; während des Kochens wirdCocosnußöl zugesetzt. Oder man nimmt Knochen-gallerte , welche man erhält, wenn die Knochen mitSalzsäure behandelt werden, welch letztere manwährend des Siedens der Seife zusetzt. Auf ähn-liche Art werden die Fleisch -, Woll - und Hornseisenbereitet. Auch aus Eingeweiden und anderen Fleischab-fällen, aus Wolle, Horn, verdorbenen Fischen rc. wirdzuweilen Seife bereitet, die zum Reinigen der Wollebei der Tuchfabrikation gebraucht werden kann. — InItalien, Frankreich, Spanien rc. wird sehr viel Seifeaus geringem Olivenöl und Aetznatronlauge verfer-tigt, welche unter dem Namen v e n e t i a n i s ch e, m a r -seiller, alicantische, anconitanische rc.in den Handel kommt. Sie ist fest und zeichnet sichvor der deutschen Hausseife durch größere Reinheitund Milde aus, kann aber auch bis über 30 °/o Wasserenthalten. Man hat davon weiße und bläulich mar-morirte; das letztere wird durch einen Zusatz vonEisenvitriol beim Vorsieden erzeugt. Man erhältdiese Seife aus Venedig, Genua, Ancona, Galli-poli, Marseille, Toulon, Rouen, Alicante, Valen-cia rc. In Ungarn wird unter dem Namendebrecziner eine der venetianischen ziemlich ähn-liche Sorte verfertigt.— Die Schmierseife ist,wie schon erwähnt, eine Verbindung von Kali undOel, und bildet eine Art durchscheinender, glänzen-der Gallerte. Man verwendet dazu Hanf-, Lein-und Rübsenöl und Thran, auch zuweilen Mohnöl.Man hat davon grüne und schwarze; die erstere,von grüngelber Farbe, wird aus Hanföl oder auseiner Mischung von diesem mit Lein- und Rübölverfertigt, doch wird auch gelbe Lein - und Rüböl-seife oft durch einen Zusatz von.Indigo grün ge-färbt. Die schwarze oder dunkelbraune wird ausThran oder anderen angebrannten Fett - oder Oel-arten bereitet, oder indem man eine Lauge dazu an-wendet, die viel brenzliches Oel enthält; oft wirdaber gelbe Seife durch einen Zusatz von Galläpfel-aufguß und Eisenvitriol schwarz gefärbt. Man er-hält die Schmierseife besonders aus Rußland, dendeutschen und dänischen Seeplätzen, aus Holland,England rc., gewöhnlich in Vierteltonnen von60 Pfd. — Um die reinigende Wirkung der gewöhn-lichen Waschseife zu vermehren, gibt nian ihr zu-weilen einen Zusatz von gepulvertem Bimsstein,Feuerstein oder feinem Quarzsand, und bringt siedann zu sehr billigem Preise unter dem Namen
Bimsstein- oder Sand seife, auch Kiesel-seife, in den Handel. — Zu den sogenanntenToilettenseifen, welche die Parfümeriefabrikenverfertigen, Windsorseifen u. a. verwendet man ent-weder gewöhnliche Baumöl-, Palmöl- oder Talg-seife, oder auch solche, die aus Schweinefett oderMandelöl (Mandelseife) zu diesem Zweck beson-ders angefertigt wird, und vermischt sie mit wohl-riechenden Oelett, worauf man sie noch durch For-men verschiedentlich verziert. TransparenteSeife wird bereitet, indem man völlig ausgetrock-nete Seife in heißem Weingeist auflöst, die helleFlüssigkeit durch Absetzenlassen oder Filtrirrn vonden ungelösten Theilen trennt und hierauf den über-flüssigen Weingeist abdampft. — Schaumseife istgewöhnliche oder eine Toilettenseife, die man mitetwas Wasser zu Schaume geschlagen und dann inFormen hat erstarren lassen. Aus ihr werden ge-wöhnlich die Seifen Pulver zum Rasiren bereitet.— In den Apotheken verfertigt man medizinischeSeife, 8apometicatus, aus 1 Theil frisch bereiteterätzender Natronlauge und 2 Theilen ganz frischenProvenceröls, durch bloßes Mischen und Umrührenin mäßiger Wärme; ferner zuweilen Butterfeifezu Opodeldoc, und Guajakseife (s. Guajak-harz), Jalappenseife (s. Jalappenharz),Spießglanzseife (s. d.) und Dippels chemi-sche Seife, Sapo chemicus Dippeli, eine roth-braune Flüssigkeit von geistigem, terpentinartigemGeruch und laugenhaftem Geschmack, welche ausSchwefelspießglanz, kohlensaurem Kali, Terpentinöl,Weingeist, venetianischer Seife und peruvianischeMBalsam besteht und in der Medizin gebraucht wird-Aromatische Seife, die in der preußischenPharmakopö aufgenommen ist, besteht aus gepul-verter spanischer Seife, Stärkmehl, Veilcheuwurzelund ätherischen Oelen, und bildet ein weißliches,wohlriechendes Pulver, das zum Waschen gebrauchtwird. Medizinische Salzseife von Ackermann, zuden Geheimmitteln gehörig, besteht aus 120 GranKochsalz, 40 Gran venetianischer Seife, 60 GranLavendelblüthe, 1 Unze Wasser, 3 Unzen Alcoholund 4 Tropfen Baumöl. Diese Masse wird digerirtund dann filtrirt. Noch sind die vegetabilischenSeifen von dem Seifenbäume, dem Seifenkraut, derSeifenrinde rc. zu erwähnen, die wir in den fol-genden Artikeln besprechen.
Seifenbaum oder Seifenbeerbaum, Sa-pindus Saponaria, ein in der heißen Zone,besonders in Amerika und Westindien einheimischerBaum von 20—30' Höhe mir gefiederten Blättern,traubenförmigen weißen Blüthen und nußartigettFrischten von der Größe eines Gallapfels, derenäußere fleischige Hülle einen seifenartigen Stofl ent-hält, weshalb sie znm Waschen gebraucht werden-Die schwarze Nuß, welche einen weißen Kern muröthlicher Oberhaut in sich schließt, kommt unterdem Namen Seifen beeren, 8oap berry oderBermuda berry in den Handel und wird zu kleinenDrechslerarbeiten, wie in der Medizin benutzt.
Seifener Waaren nennt man die in dem FleckenSeifen im sächsischen Erzgebirge und den umliegendenDörfern verfertigten zahlreichen Kinderspielwaarenvon Holz, Horn, Knochen, Blech rc., ferner Schach-teln, Kisten und verschiedene hölzerne Hansgeräthe,welche in der ganzen Welt versendet werden.
Seifenkraut, Speichelkraut, Waschkraut,8aponaria officinalis, eine an FlußuferN,Wegen, Hecken rc. in ganz Europa wachsende unv