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Zweiter Band.
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Tabak

Tabak

die, eine rispenförmige Traube bildenden, gelbgrünenBlüthen, haben eine tellerförmige Krone. Manunterscheidet davon 2 Abarten, den niedrigen,JS r . rüst. humilis, und den runzelig faltigen 2s.rüst. rugosa. Der türkische und ungarischestammt wahrscheinlich davon ab. 4) Der Sol-datentabak oder klebrige T., N. glutinosa,stammt aus Peru und wird auch in Europa häufiggebaut. Er hat große, langgestielte, herzförmige,zugespitzte, wellenförmig gebogene, klebrige Blätterund die Blüthen haben eine rachenförmige rothgelbeKrone, welche doppelt so lang ist, als der Kelch.Er ist die stärkste und schärfste Art, aber nur vongeringer Qualität. 5) Der großblätterige oderOrenoccotabak, 2s. macrophylla oder altissima,aus Amerika, hat große, dünne, eirund zugespitzte,glattrandige, den Stengel umfassende Blätter undblaßrothe, in einer doldenförmigen Rispe stehendeBlüten. Es gibt in warmem Klima ein sehr gutesFabrikat. 6) Der rispenförmige oder Jung-f e r n t a b a k, N. paniculata, hat gestielte, herzförmigeBlätter, Llaßgelbe, ganz röhrenförmige Blumen-kroue, welche 4—5mal so lang ist als der Kelch, undgibt einen sehr guten, wilden Tabak von angenehmemGeruch und Geschmack, aber nur geringen Ertrag.

7) Der strauchartige oder chinesische T.,Baumcanaster genannt, 2s T . fruticosa, wird be-sonders in China und am Vorgebirge der gutenHoffnung gebaut, erreicht eine Höhe von 10 Fuß,hat etwas gestielte, lanzettförmige, runzelige Blätteru. glänzend purpurrothe, eine Abart weiße Blüthen.

8) Der kurz blätterige T., N. breviformis, ausAmerika, mit sehr feinen, besonders zu Cigarrentauglichen Blättern. 9) Der asiatische T., N.asiatica, mit fettem Blatt. Die übrigen wenigerwichtigen Sorten, deren man noch wenigstens 15zählt, übergehen wir. — Die Einführung und denGebrauch des Tabaks in Europa verdankt man derEntdeckung von Amerika, von wo um die Mitte des16. Jahrh, die ersten Nachrichten und Samen davonnach Portugal kamen. Der Anbau desselben ver-breitete sich zuerst in Spanien, Frankreich, Englandund Italien, im ersten Viertel des 17. Jahrhundertsin der Türkei, in Rußland und Holland, und wurdein Deutschland zuerst im Jahre 1659 in Wasungen,dann in der Mark Brandenburg, in Hessen, derRheinpfalz rc. eingeführt. In Asien und nament-lich in China war er schon viel früher bekannt, alsin Europa. Jetzt gibt eö wenig Länder der warmenund gemäßigten Zone mehr, wo nicht Tabak gebautwird, dessen Qualität jedoch nach Klima, Lage, Bo-den und Kultur sehr verschieden ist. Am besten ge-deiht er in heißen Ländern; in kälteren Gegendenmüssen die Pflanzen wenigstens nach Möglichkeit vorden Nord- und Ostwinden geschützt sein. Auf fettem,thonigem Boden, der nur wenig Sand enthält, wirdder Tabak kräftiger und stärker, als auf einem mehrsandhaltigen, und der erstere ist daher mehr zuSchnupftabak, der letztere zu Rauchtabak geeignet.Die größere oder geringere Stärke oder Schwere desTabaks beruht auf der Quantität des darin enthal-tenen Nicotianins, eine feste Substanz, auchTabakskampher genannt, von bittrem Geschmack,welches die narkotische Wirkung u. den angenehmenGeruch des Tabaks beim Verbrennen erzeugt.Außerdem enthält derselbe noch einen sehr giftigenStoff von unangenehmem Tabaksgernch, welcherNicotin genannt wird, eine farblose, durchsichtige,ölige Flüssigkeit, die durch die Luft erst gelb, dann

braun und dick wird, von scharfem Geruch und bitt-rem Geschmack. Auch liefert sie ein emppreumatl-sches Oel, das durch Destillation der getrocknetenBlätter oder beim Rauchen aus Pfeifen entsteht.Der Nicotingehalt des Tabaks variirt sehr und istam wenigsten in den amerikanischen, am meisten inden französischen und deutschen Tabaken enthalten.Man findet von 2—8% darin. Im Schnupftabaksind noch 2o/g Nicotin. In Europa werden dieTabakspflanzen ohngefähr 6 Wochen, nachdem 'sieauf das Feld verpflanzt worden sind, geköpft, d. h-man schneidet ihnen die Krone ab, so daß jede Pflanzenur etwa 10—12 Blätter, schwächliche auch weniger,behält. Bald daraus kommen aus den BlattwinkelnAuswüchse hervor, welche von Zeit zu Zeit ausge-brochen werden und einen geringen Tabak geben,welcher Geiz genannt wird. Die untersten Blätterder Pflanze werden zuerst welk und gelb; mansammelt und trocknet sie besonders, und obgleich siesehr dünn, gleichsam schaumig, auch meist durch-löchert und zerrissen sind und nur wenig Krafthaben, so werden sie doch, eben wegen ihrer Leichtig-keit, zu Rauchtabak verbraucht u. unter dem NamenSandblatt, Sandgüt, Erdgut, von nord-amerikanischem Tabak Scrubs, in den Handckgebracht. Die übrigen Blätter kommen gewöhnlichim September zur Reife, was man daran erkennt,daß sie anfangen gelbliche Flecken zu bekommen; siewerden dann abgebrochen, auf Fäden gereiht, dieman durch das untere Ende der Hauptrippe zieht,und an der Luft getrocknet. Da die oberen Blätterspäter reifen, als die unteren, so dürfen sie auch nichtmit diesen zugleich gcerndtet werden, indem sie sonsteine grüne Farbe behalten und auch einen unan-genehmen Geschmack und Geruch bekommen. UMden Tabak haltbarer zu machen und ihn auch sonstzu verbessern, unterwirft man die getrocknetenBlätter einer Gährung oder F e r m e n t a t i o n, M-dem man sie in Haufen regelmäßig übereinander-schichtet und mehrere Tage liegen läßt, bis sie hemwerden; man nimmt dann den Haufen auseinander,legt ihn um, so daß die äußeren Blätter inwendigkommen, und läßt ihu abermals warm werden,worauf man die Blätter zum Abkühlen u. Trocknenausbreitet. Hierauf packt man den Tabak entwedermit den Schnüren, an welche die Blätter angereihtworden, oder nachdem man sie davon abgezogen habfest zusammengepreßt in Leinwandballen, in Nord-amerika meist in Fässer, in Südamerika, 2Lest^indien rc. auch häufig in Seronen von Rindshanr-Oft werden auch die Blätter in Bündel oderschen gebunden, indem man ein Blatt umStiele oder Rippenenden wickelt, und in Cubawickelt man die Bündel fest mit Schilfrohr, so oavsie oben und unten spitzig zulaufen, und nennt Iin dieser Form Puppen oder Malotten. Die aus oErbauung und auf die erste Behandlung des Tavaverwendete Sorgfalt hat einen bedeutenden Einstnoauf die Qualität der Waare, was man in neueZeit auch in Deutschland erkannt und dadurchmehreren Gegenden ein viel besseres Produkt 'halten hat, als früher. In den großen Hostkommt der Tabak meist in Blättern *

tabak) und wird erst von den Tabaksfabriken du ^eine weitere Behandlung zu Rauch-, Schnupf- £ *Kautabak verarbeitet. Einige Sorten werden ^auch zu Rollen gesponnen, indem man die Blavermittelst einer Kurbel zu einer Art Strm■ asammendreht, so daß die besten Blätter d:e anp