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Zweiter Band.
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Uhren

Uhren

den sind, konnte natürlich kein Pendel angebrachtwerden, es wurde dieser ersetzt durch ein Schwung-rad oder die Balance, welche durch einen spiralför-mig gewundenen Eisendrath (die sogenannte Spirale)in seiner Bewegung unterstützt werden muß, unddessen Bewegung durch diese regulirt wird. Wieder Pendel der Regulator der Pendeluhren ist, soist es die Spirale bei den Taschenuhren; diese warbei den Nürnberger Eiern eine gewundene Schweins-borste. Diese ältesten Taschenuhren waren in Ge-häusen von Gold, Silber, Bein oder Glas einge-schlossen und werden jetzt wegen ihrer Seltenheitals Antiquitäten zu sehr hohen Preisen verkauft.Bis zum Beginne unseres Jahrhunderts waren dieTaschenuhren sämmtlich Spindeluhren, die von derHemmung, welche eine Spindelsorm hat, ihrenNamen erhielten. Sie waren meist in ein oder meh-rere Gehäuse eingeschlossen, die gegenwärtig durchdoppelte Deckel ersetzt werden. Man machte andiesen Uhren bis zu Anfang dieses Jahrhundertsnur wenige Verbesserungen. Dann aber suchte manden Uhren immer bessere und gefälligere Formen zugeben, wodurch der ganze Mechanismus eine wesent-liche Umgestaltung erlitt. Zuerst versah man dieUhren mit Repetitionswerkeu, die gleichfalls eineverschiedene Einrichtung haben, wie bei den Wand-und Stoäuhren, so daß es einige gibt, die mit derStunde oder Viertelstunde von selbst schlagen undrepetiren, andere jedoch nur durck ein Druckwerkzum Schlagen gebracht werden. Diese werden Re-st eti rühren genannt. Auch aus den Taschenuhrenhatte man früher wohl Datum, Monat und Wochen-tage angebracht. Andere sind mit einem Sccunden-zeiger versehen, welche, wenn der Zeiger zum Weiter-gehen oder Weiterspringen gerade eine Secundegebrauchen soll, ein besonderes Werk dazu habenmüssen. Dies sind die eigentlichen Secunden-uhren, denn die auf den Uhren neuester Construc-tion angebrachten kleinen Zeiger, die fälschlich auchSecunden,zeiger genannt werden, halten nicht eineSecunde inne, auch keine Terz; es sind daher keineSecundenuhren. Die älteren Uhren waren sämmt-lich mit Spindelhemmung und Kettenzug construirt,und mußten in Folge dessen meist hoch und groß ge-baut werden. Mau erfand jedoch noch andere Artenvon Hemmungen, nämlich die Cylinder - und An-kerhemmung, von denen die Uhren Cylinder,-und Au ker uhren genannt wurden; diese ermög-lichten es, daß man die Uhren beliebig klein undflach verfertigen konnte, auch wird bei ihnen dieKette entbehrlich, da die Kraft der Uhr unmittelbarmit den Rädern in Verbindung steht. — Noch tieferauf den Unterschied der Construction dieser Uhreneinzugehen, erlauben theils die Grenzen dieses Wer-kes nicht, theils würde es auch ohne Zeichnung un-verständlich bleiben. Die werthvollsten Uhren, weilam genauesten gearbeitet, sind die Chronometer,Zeitmesser (welcher Name eigentlich jeder Uhr zu-kommt). Es sind theils Taschensecundenuhren,theils größere Werke, die auf Seereisen zur Ab-messung der Länge und auf Sternwarten gebrauchtwerden, und bis jetzt noch am vollkommensten inEngland (London), aber auch in Frankreich und inder Schweiz gearbeitet werden. Sie haben meisteine sehr einfache Construction, die von der andererUhren abweicht; so ist bei ihnen die Spirale nichtflach, sondern trichterförmig gebaut. Endlich er-wähnen wir noch der electromagnetischen oder gal-vanischen Uhren, deren Bewegung durch einen gal-

vanischen Apparat, ähnlich dem zu den electrischenTelegraphen hervorgebracht wird. Durch einen ein-zigen Apparat können eine Menge verschiedenerUhren in einer Stadt in Verbindung gebracht wer-den, die dann sämmtlich genau die gleiche Zeit an-geben ; allein da die Witterungseinflnsjc, insbeson-dere die Gewitter einen sehr wesentlichen Einflußauf den galvanischen Strom ausüben, die mannoch nicht zu ueutralisiren oder abzuschließen ver-mocht hat, so sind diese Uhren nie ganz zuverlässiggeblieben. Sie werden meist auf Eisenbahnen ge-braucht. Der Minutenzeiger rückt bei ihnen jedeMinute mit einem Stoß vor und bleibt dann eineMinute stehen. Die neuesten Constructionen vonUhren dieser Art sind von Detouche & Geist inWürzburg erfunden, von denen die des Ersterensehr complicirt sind, die des Letzteren sehr einfacheEinrichtung haben und bis jetzt die besten dieser Artsind. Die neuere Uhrenconstruction hat nun ins-besondere auch ihr Augenmerk auf die Dauerhaftig-keit der Werke gerichtet, und es sind zu dem Zweckdie Zapfen der Räder, besonders derer, die sich amschnellsten bewegen, in Pfannen von Rubin gelegt(oft sind diese unecht). Die Cylinder - und Anker-uhren steigen nach der Zahl der eingelegten Rubinen,die von 2 bis 13, zuweilen 15 geht, etwas in ihremWerthe. Die Räder sind meist von Messing, diezuweilen fein polirt, zuweilen vergoldet sind; dieSpindeln, Cylinder, Anker, Triebstöcke von Stahl.Die Gehäuse sind jetzt meist einfach, dafür habenaber die Uhren oft doppelte Deckel, was beson-ders bei den zum Export bestimmten der Fall iß-Die Größe der Uhren ist sehr verschieden, man hatsie sogar so klein, daß sie in Ringen, Busennadelnangebracht sind, doch muß man bei dieser Kleinhettder Werke auf einen genauen Gang verzichten.Fabrikation von Taschenuhren aller Art ist dwSchweiz, und dort vorzüglich Genf und Neuchatel,der Hauptpunkt aller Länder geworden; auch ist hierdie Fabrikation der Uhrgehäuse am ausgedehntesten-Es werden von dort nicht blos ganze Uhren, son-dern auch einzelne Theile von Uhren, die dann vonUhrmachern wieder zusammengesetzt werden, nachallen Erdgegenden hin versendet.— Im Jahre 1851wurden in La Chaux-de-Fonds und Locle allein138,912 silberne und 944 goldene Uhrgehäuse ge-stempelt. Gegenwärtig beschäftigt die Uhrenfabrr-kalion und Bijouterie in Neuchatcl, Genf, Waadt,Bern und Solothurn 36,000 Arbeiter, die jährlich500,000 Uhren, a / 7 in Gold und 4 / 7 in Silber, iMWerthe von 12 Mill. Thlrn. anfertigen. Die amerr-kanischcn Wirren haben, wie auf die Baumwollen-industrie, so auch auf den Export von Uhren beson-ders nachtheilig eingewirkt; der SchwarzwälderIndustrie ist der Markt dorthin auch mehr ver-schlossen , da ausgewanderte Schwarzwälder dergleichfalls Uhrenfabriken errichtet haben, derenFabrikate Amerika versorgen, nach China ge^?und selbst nach Deutschland zurückkommen. Durchdie bedeutende Zunahme von Uhrenfabriken, es stnderen in Sachsen, Schlesien, Baden, Württemberg(Weingarten) entstanden, hauptsächlich durch cgroße Masse, die jährlich aus der Schweiz komwemsind die Preise der Uhren immer mehrgegangen, bis zur Hälfte, ja unter die Hälfte vPreises, der noch im vorigen Decennium bestandhat. Auch in Frankreich hat sich die Uhrenfabrikaunamentlich in Paris, Versailles, Besanyon uBeaucourt, einem Dorfe im Depart. desOberrhen