Band 
Zweiter Band.
Seite
675
JPEG-Download
 

Uhrfedern

675

Ultramarin

ausgebreitet. Doch beziehen viele dieser Fabrikenchre Werke aus der Schweiz und stempeln sie dannMit ihren Namen. — In England sind die bedeu-tendsten Fabriken in London, Liverpool, Coventryund Prescot; sie liefern sehr gut gearbeitete, daner-haste Werke, welche freilich auch viel theurer als die"hren des Continents sind. — Noch wollen wir be-merken, daß die sogenannten Kinderspieluhren ohneWerk, von Zinn, Tomback, Messing, die in Nürn-verg und Fiirth in großer Menge und sehr billiggeliefert werden, keine Uhren sind, und daher nichthierher gehören.

Uhrfedern, durch welche die Werke der Taschen-und Stutzuhren in Bewegung gesetzt werden, sindschmale, dünne, spiralförmig zusammengebogeneStreifen von blau angelaufenem Stahl, und werdenm Birmingham, sowie auch in Paris, Genf rc. ver-fertigt.

Uhrgehäuse von Holz, Alabaster, Bronze, Por-zellan rc. für Stntzuhren, und von Gold, Silber,Tomback für Taschenuhren, werden in der Regel anden nämlichen Orten wie die Uhren selbst verfertigt.Auch mit der Taschenuhrenfabrik von Lange inGlashütte ist eine Fabrik goldener und silbernerUhrgehäuse verbunden. Die meisten Uhrgehäusevon Taschenuhren werden jedoch von deutschen undfranzösischen Fabriken aus der Schweiz bezogen,deren Politur sich vor allen andern besonders aus-zeichnet. Die Fabrikation der Uhrgehäuse ist daher inder Schweiz eben so sehr, wenn nicht mehr imSchwünge, als die der Uhren. !

Uhrgläser für Taschenuhren werden entweder :geblasen oder geschliffen. Die ersteren sind Ab-;fchnitte einer hohlen Glaskugel und daher in derMitte bedeutend höher, als die gegossenen und ge-:fchliffenen, welche jetzt zu den feineren Taschen-uhren allgemein gebräuchlich sind. Diese verfertigt lMan fast ganz flach, nur am Rande umgebogen, und jvon ganz reinem, weißem Glase. Die Gläser zu den ;Wiener u. a. Arten der Stutzuhren werden-ebenfalls !geblasen. Man verfertigt sie in den böhmischen jGlashütten, die geschliffenen am besten in der!Schweiz und in Frankreich. j

Uhrglocken nennt man sowohl die kleinen Glocken iMetall oder Glas, zu den Schlagwerken derStutz- und Wanduhren, als auch die großen gläser-Mn, glockenförmigen Gehäuse, welche man besondersüber die französischen Stutzuhren stürzt, daher sieauch Stürzglocken genannt werden. Diese wer-°su nur in Frankreich verfertigt; die gläsernenSchlagglocken m den böhmischen Glasfabriken, dieMetallenen in Nürnberg, auf dem Schwarzwalde,m der Schweiz rc. !

. Uhrmacheröl, das die Uhrmacher zum Einölen!

Uhren gebrauchen, ist gewöhnlich Knochen- oderKlauenfett, das von dem darin enthaltenen Stearin !befreit wird, oder Rindermark, das man in der jKalte gefrieren läßt und dann auspreßt. Empfeh- \lenswerth ist auch der abgesetzte, dünnflüssige Theil jDe8 Behenöls (f. d.). Es'wird in der Schweiz, aber !von manchen Uhrmachern in Deutschland ver- 1

Uhrschlüssel zum Aufziehen der Taschenuhren,!

Messing oder Tomback, mit messingenem oder!uuhlernem Rohre werden in Nürnberg, Jserlohn!fertigt ^ch ™ ^ Uhrenfabriken ver-!

Akelei, s. Ableite.

Württembergische Kreisstadt, seit 1841

Bundesfestung, in einer äußerst fruchtbaren Ebene,an der Einmündung der Blau in die schiffbareDonau, welch letztere V« Stunde oberhalb derStadt die nicht unbedeutende Jller aufnimmt, undan einem wichtigen Straßenkuoten, mit 23,000Einw., Ulm, aus dessen Mitte das kolossale, weithinsichtbare Münster ehrwürdig hervorragt, besitzt einGymnasium, eine Oberrealschule und gewerblicheFortbildungsschule, ein Handelsgericht, eine Han-dels- und Gewerbskammer und eine Gewerbebank.Neben einem ausgedehnten Gartenbau und einerbeträchtlichen Torfgewinnung treiben die Einwohnerhauptsächlich Gewerbe und einen bedeutenden Han-del mit Getreide, Holz-und Schnittwaaren, Sä-mereien , Spargelpflanzen rc. Der größte Theil desHolzes geht nach dem Rhein, auch wird viel Schlacht-vieh nach Frankreich und der Schweiz ausgeführt.Sehr belebt wird der Verkehr durch die württem-bergische, bis Friedrichshafen (Bodcnsee) führendeHauptbahn einerseits und durch die nach Augsburgund Kempten gehenden baierischen Eisenbahnen an-dererseits. Es sind berühmte Bleichen, ausgedehnteGerbereien, ansehnliche Ziegeleien, große Bier-brauereien, viele Wassermühlen .Färbereien, Messing-und Metallwaaren-, Stärke-, Tabak- und Cigarren-,Zundel-, Hut-, Cementfabriken, und ein mit Eisen-drahtzug und Stifteufabrikation verbundenes Ham-merwerk vorhanden; sodann befaßt sich die Zndustriemit Verfertigung von Holzwaaren, besonders soge-nannte Ulmer (Maser) Pfeifenköpfen, die noch immerguten Absatz finden, Möbeln, Feuerspritzen, mitLeinen- und Wollenweberei, mit Bereitung vonLederwaaren, Messer- und Zeugschmiedewaaren,Rollgerste, mit Maschinen-, Mühlen-, Wageu-und Schiffbau, mit Fabrikation des berühmtenUlmer Zuckerbrodes, von Sieb- und Drahtgeflech-ten, Leinen-, Halbleinen-, Baumwollenzeug-,Damast - und Kleiderstoffen. Sehr bedeutend ist derhiesige Fruchtmarkt, auch erfreuen sich die in neuesterZeit errichteten Tuch - und Ledermesseu einer gün-stigen Aufnahme. — Im Wechselverkehr richtet mausich nach Stuttgart.

Rechnung, Münzen, Maße u. Gewichte,s. Württemberg.

Ulme , Rüster oder Fliegenbaum, ülmuscampestris, eilt schöner, im südlichen und mitt-len Europa wachsender Waldbaum, der auch häufigzu Alleen angepflanzt wird. Er hat ovale oderlänglich zugespitzte, ungleich gezähnte, oben rauheBlätter, gelbgrünliche, zahlreiche ovale Flügel-früchte hinterlassende Blüthen und ein weißgelb-liches, schweres, hartes, bei gehöriger Reise sehrfestes und zähes Holz, welches daher zu Pressen,Wellen u. a. Maschineutheilen, so wie auch zu Stell-macher- und Geschirrarbeiteu, zu Wassermaschinen rc.häufig benutzt wird. Von dieser und von einigenanderen Ulmenarten wird auch die innere Rindeoder Bast der jungen Zweige und Schößlinge, Wor-tes Ulmi inferior, wegen ihres Schleimgehalts zu-weilen in der Medizin gebraucht. Sie ist getrocknethellbräuulich, lederartig, V«—1 Linie dick, faserig,zäh und glatt, geruchlos, von bitterlich zusammen-ziehendem, etwas scharfem und schleimigem Ge-schmack. Sie enthält Ulmine, Gallussäure, Gummi,Harz und Salze.

Ulmer Gerste nennt man die in Ulm verfertig-ten feinen Gräupchen.

Ultimo, am letzten Tage eines Monats.

Ultramarin ist eine schöne, kornblumblaue Farbe,

43 *