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Zweiter Band.
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Vereinigte Staaten von Nordamerika 685 Vereinigte Staaten von Nordamerika

Webereien mit 640,000 Feiuspindeln, 16,000 Web-stühlen; zahlreiche Zuckerfabriken, .645 Seife- undLichtfabriken, 1168 Brennereien und Destillationen,61 Gummiwaarenfabriken, 157 Fabriken musikal.Instrumente, auch ist der wahrhaft großartigenMehlbereitung in den Staaten Newyork, Ohio,Illinois und Missouri, sowie der riesigen Ger-bereien in denselben Staaten zu erwähnen. DieIndustrie mit fertigen Kleidern, Hüten, Mützenund Schuhwerk deckt vollkommen den Bedarf angröberer Waare und schließt die europäische Con-currenz durch Billigkeit aus. Newyork, Philadel-vhia, Ncwark und Cincinnati sind in den Mittel-ftaaten die Erzengnißorte dafür. Auch Seiden-weberei ist schon entstanden (durch Deutsche) undarbeitet mit importirtem Rohstoffe für den beson-deren einheimischen Geschmack und Bedarf, doch hatdie Rohseide hier eine große Zukunft. Die Färbereider Gespiunste und gewebter Stoffe ist durch Deutscheerfolgreich eingebürgert, muß aber ebenfalls nochMit importirtem Farbstoff arbeiten. Die ausgezeich-neten auf hiesigem Boden wachsenden Nutzhölzerund das Geschick des Uankees haben auch in denMittelstaaten die Holzindustrie auf eine hohe Stufegehoben. Die Hobel- und Fonrniermaschinen sindgeradezu vollkommen zu nennen. Was neuerdingsin musikalischen Instrumenten (besonders in New-York) geleistet worden ist, hat die letzte LondonerWeltausstellung bewiesen. Ein Streben nach ge-fälliger Form zeichnet neuerdings alle Geräth-Schreinerei aus und wird durch den berrschendenGeschmack an schönem Aussehen dieser Waaren er-muthigt. Die Holzschnitzerei ist deshalb eine sehrweit gediehene und lohnende Industrie. Die Kabi-uetmacherei ist mehr als selbst in England vervoll-kommnet. Die Manufakturen von durchbrochenenVerzierungen aus (durch Dampf erweichtem) HolzlmvuläiiiAs) ersetzt fast völlig die Stukkatur-Arbeit.Goldleisten und Bilderrahmen, ein äußerst gesuchterArtikel, brauchen kaum mehr aus Frankreich einge-führt zu werden, es ist auch dieses ein Verdienst derDeutschen und Franzosen. Die Holzschneiderei istin raschem Aufblühen. Der Schiffbau aus Holzwird in Newyork stärker als in Maine betrieben,liefert aber vorzugsweise größere und schnellsegelndeFahrzeuge; dieselbe Industrie hat sich in großerVollkommenheit an den großen Seen, am Giound in St. Louis angesiedelt. In Oregon istdafür ein riesiges Feld offen. Uebrigens liefernauch die Gebirge von Pensylvanien und demuördlicheu Newyork, die Wälder des nördlichenMichigan viele Erzeugnisse der roheren Holzin-dustrie. Papier und Pappe waren bis vor Kurzembilliger als irgendwo, und die feineren Papierekonnten theilweise so gut wie in Frankreich, dieVuchbinder- und Futteralarbeiten können noch weitvollkommener als irgendwo geliefert werden, sindaber sehr theuer, da der herrschende Geschmack aus-wärtigen Mitbewerb ausschließt. Diese Industrie istbeträchtlich und beschäftigt überwiegend Frauen.Die gußeisernen und schmiedcstählernen Waaren,welche in den Mittel- und Weststaaten verfertigtwerden, sind in Hinsicht der Güte und des Ge-schmacks unübertrefflich. Besonders sind von denÖfteren die Waggon-Räder der Eisenbahnen, dieGeländer und die Oesen, von den letzteren die wahr-haft vollkommenen Aexte und fast alle Schneidwerk-zeuge und Maschinentheile zu erwähnen. VonDampfmaschinen sind die stehenden am weitesten

vervollkommnet und wetteifern mit denen der gan-zen Welt; die calorischen, von dem schwedischenAmerikaner Ericson erfunden, haben bereits in deralten Welt vielfältig Eingang gefunden. EiserneSchiffe werden im Vergleich mit England viel zuwenig erbaut, aber die wenigen, welche erbaut wor-den sind, rivalisiren mit den englischen, und die! Ericson'schen Panzerschiffe „Monitors^ genannt,! haben schon jetzt sich als in Uuverwundbarkeit undj Tüchtigkeit zu allen Zwecken des Seekriegs den eng-z lischen und französischen weit überlegen heraus-j gestellt. Die Eisenbahnschienen für die Pferdebahnenj der großen Städte und diejenigen für Dampfbahnen,j welche ursprünglich aus England bezogen, nachihrer Abnutzung in hiesigen Walzwerken erneuertwerden, beweisen durch ihre außerordentliche geringeAbnützung und ziemliche Billigkeit wie gut Amerikain diesem Artikel mit England concurriren könnte,wenn das großartige Kapital von dort hier zu habenwäre. Daß die Industrie der Näh - und Ackerbau-j Maschinen hiesiger Erfindung ganz ausgezeichnetesj leistet, wird bereits in Deutschland anerkannt,l Gußeiserne Gas- und Wasserleitungsröhren sindein stark begehrter Artikel. In der Fabrikation derBrückenwagen und der im Kleinhandel üblichen,sticht Amerika jedes andere Land aus. Die Maschi-nennägel zeichnen sich durch Billigkeit aus, dieeisernen Schrauben nicht minder. Schiffsketten,Anker und anderes eiserne Schiffsgeräth scheut eben-falls so wenig als die meisten Eisenwaarcn eineneuropäischen Mitbewerb. Eiserne Pumpen, ein sehrgangbarer Artikel, haben einen hohen Grad vonVollkommenheit erreicht. Gußeisernes Kochgeschirr,sowie schmiedeeisernes und inwendig glasirtes, brauch-ten niemals iylportirt zu werden und haben das ir-dene fast ganz verdrängt. Alle übrigen Metall-Industrien außer der des EisenS sind noch kaumbegonnen. Nur ein kleiner Theil des im Lande ge-wonnenen Kupfers und Bleies wird vom Gewerbe-fleiße verarbeitet; die Bleiweißbereitung aus Zink(früher aus Blei) entspricht dem ungeheuren Bedarfnoch nicht, aber der Goldreichthum des Landes unddie Einwanderung zahlreicher Goldarbeiter hat inNewyork, Jersey, Cily, Trenton, Boston und beiProvidence eine beträchtliche und kunstreiche Gold-arbeit-Industrie hervorgerufen, insbesondere sinddie trefflichen Schreibfedern aus Gold zu erwähnen.Metallurgische-, Farbgewinnung u. chemische Fabri-ken sind noch in der Kindheit, haben aber eine großeZukunft. Einstweilen wird gewonnen: Schwefel-säure, Soda, Weißblech (galvanisch verzinnt) undFeuerwerkerei-Erzeugnisse; die letzteren in großerMenge und Vollkommenheit bei dem bedeutendenVerbrauch; künstliches Guano, Knochenerde, Knochen-schwarz, Wichse, Ofenschwärze (von Graphit), Dinte,Wasserglas, Ziegelsteine und feuerbeständige Ziegel,künstlicher und natürlicher Marmor zu Denkmälernund den so häufigen Kaminverziernngen. Der Werthder Fabrikerzeugniffe der Bereinigten Staaten er-reichte im Jahre 1860 die Summe von 1900 Mil-lionen Dollars. Der Schiffbau hat mit der unge-heuren Ausbreitung des Handels gleichen Schrittgehalten; im Jahre 1860 war der Tonilengehalt derSchiffe der Union 5,219,181.*) Der erste Dampfererschien 1811. Im Jahre 1852 besaß die Union

*) In Folge der Unsicherheit durch Kaper, sank die Han-delsflotte im Jahre 1864 bis auf 1,604,516 Tonnen herab,weil eine nicht unbedeutende Anzahl Schiffe durch die Seces-